Mandy und Silvio Lehnmann kennen die Gerüchte. "Ihr macht zu?", haben sie schon öfter von Kunden gehört. Dass die Schließung des Kupsch unmittelbar neben dem Café nicht gerade Umsatz steigernd war, ist allgemein bekannt. Ein kurzer Urlaub und vor allem die Übernahme des "Café Mozart" in Bad Königshofen haben die Gerüchteküche genährt. "Der Standort Münnerstadt war nie in Frage gestellt, wir werden nicht zumachen und weggehen", betont Silvio Lehmann.

Immer wieder Veränderungen

Aller Anfang ist schwer. Das haben auch die Lehmanns erfahren müssen, nachdem sie im Jahr 2002 die Bäckerei mit Café und Weinstube in der Münnerstädter Innenstadt übernommen hatten. Nach den Schwierigkeiten zu Beginn lief es aber recht gut. "Es hat sich getragen", sagt Silvio Lehmann. Allerdings haben die Beiden immer wieder reagieren und sich umstellen müssen. Vor vier Jahren übernahmen sie eine Filiale in Großwenkheim, weil der dort ansässige Bäcker geschlossen hatte. Einen Ruhetag, den sie in Münnerstadt immer am Montag hatten, wollten sie in Großwenkheim nicht mehr halten, nachdem dort die Öffnungszeiten auf halbtags reduziert worden waren. "Wir müssen ja sowieso backen", sagt Mandy Lehmann. Und weil das so ist, haben sie auch in Münnerstadt den Ruhetag abgeschafft. Seither ist an sieben Tagen in der Wochen geöffnet. "Das heißt an sieben Tagen früh aufstehen", fügt sie hinzu.

Nun ist "früh" ein relativer Begriff. Bei Silvio Lehmann klingelt der Wecker um 1.30 Uhr in der Nacht, seine Frau folgt ihm drei Stunden später an die Arbeit. Normale Zeiten in diesem Handwerk. Das nehmen sie gerne hin, so lange der Laden läuft.

Schließung des Supermarktes hat Auswirkungen


Mit der Schließung des Kupsch Ende November letzten Jahres hat sich die Situation allerdings dramatisch zugespitzt. "Vormittags geht es immer noch, aber am Nachmittag ist es sehr ruhig", schildert Mandy Lehmann die Situation. "Die Kupsch-Kunden fehlen." Gemeint sind vor allem diejenigen, die sich für ihr Abendessen etwas im Supermarkt gekauft und gleich noch beim Bäcker vorbei geschaut haben. Silvio Lehmann schätzt, dass der Umsatz am Vormittag um zehn Prozent und am Nachmittag um 20 Prozent zurückgegangen ist. "Die Stammkunden kommen nach wie vor, dafür sind wir auch sehr dankbar, aber die Laufkundschaft fehlt."

Weil momentan nicht mit der Neueröffnung eines Supermarktes zu rechnen ist, haben sich die Lehmanns nach einem weiteren Standbein umgesehen. Fündig geworden sind sie mit dem Café Mozart.

Und das ist schon eine Nummer. Während im Café Lehmann in Münnerstadt etwa 40 Plätze zur Verfügung stehen, sind es in Bad Königshofen mehr als 120. Trotzdem werden alle Back- und Konditorwaren weiterhin in Münnerstadt hergestellt. "Wir haben hier investiert, neue Maschinen angeschafft", sagt Silvio Lehmann. Für die Erweiterung werden eigens ein Konditor in Vollzeit und etwa sechs Teilzeitkräfte als Bedienung angestellt. Vier Teilzeitkräfte sind bereits beschäftigt. Die zwei Töchter, die beide Fachverkäuferin lernen, helfen in ihrer Freizeit ebenfalls im Geschäft aus. "Sie dürfen, wenn sie wollen", meint Silvio Lehmann. "Tendenz: steigend." Eröffnet wird das Café Mozart am 11. Februar. Die Filiale in Großwenkheim bleibt ebenfalls geöffnet.

Kultcafé am Marktplatz

Der Kulturreferent im Landkreis Rhön-Grabfeld Hanns Friedrich meint, dass das Café Mozart einer der beliebtesten Anlaufpunkte der Kurstadt sei. "Viele Gäste kommen wegen der Franken-Therme und dem Café", erläutert der Bad Königshöfer. Wenn es nach der Schließung nicht mehr eröffnet worden wäre, würde es sehr fehlen. "Das Café ist Kult, das muss so sein", meint Hanns Friedrich.