Offene Ohren und auch Zustimmung fand die Künstlerin Mia Hochrein für zwei neue Projekte im Stadtrat. Im Münnerstädter Bahnhof soll das Kunstprojekt "else!" seine Fortsetzung finden. Außerdem will Mia Hochrein den nutzlos gewordenen Parkscheinautomaten am Parkplatz Oberes Tor für einige Zeit als Kunstautomaten nutzen. Gäste können dort dann für einen Euro ein Kunstticket ziehen, das von einem Künstler gestaltet wurde.

Mia Hochrein betonte, dass es solche Kunstautomaten bereits seit mehr als 30 Jahren in ganz Europa gibt. Sie selbst hat solch einen Schein aus Italien erhalten und ihn gerahmt. So kam sie auf die Idee, auch den Münnerstädter Parkscheinautomaten auf diese Weise zu nutzen. Das Gerät war von der Stadt angeschafft und schon wenige Wochen nach Inbetriebnahme wieder stillgelegt worden, weil die Autofahrer den Automaten boykottiert hatten. Sie parkten ihre Autos einfach nicht mehr auf den kostenpflichtigen Stellplätzen. Seither steht der Automat ungenutzt, aber noch funktionsfähig auf dem Parkplatz.

"Es ist ein Kunstprojekt, über das man schmunzeln kann", findet Mia Hochrein. Sie glaubt, dass die Stadt ohne viel Aufwand eine Werbekampagne hätte. Auch als Geschenk sei es denkbar. Der Kunst-Parkschein würde von einem Künstler gestaltet. Neben Datum und Uhrzeit des Ausdrucks würde auf der Rückseite des Tickets ein künstlerischer Stempel gedruckt, der vom Künstler signiert ist. Die Stadt selbst, sagte Hochrein, könne damit Einnahmen generieren.

Mia Hochrein betonte, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Aktion handelt. Sie selbst schlug vor, dass sie mit 50 Prozent an den Einnahmen beteiligt ist, dafür aber die künstlerische Vorbereitung übernimmt.
Stadtrat Michael Kastl (CSU) fand die Idee gut, schlug aber vor, ein Schild oder einen Aufkleber anzubringen, damit Gäste wissen, dass es sich hier um ein Kunstobjekt handelt.

Stadtrat Leo Pfennig (fraktionslos) sah schon die Stadtratssitzung und den folgenden Zeitungsbericht als Teil des Kunstobjektes. Er selbst fand, dieser Selbstironie sollte der Stadtrat zustimmen.

Christian Radina (CSU) war wichtig, dass der Automat auch wieder verkauft werden kann. Deshalb fragte er nach, ob Aufkleber nicht hinderlich seien. Verwendet würde eine Folie, die ablösbar ist, ergänzte geschäftsleitender Beamter Stefan Bierdimpfl. "Ich bin vielleicht ein bisschen ein Banause", merkte Christian Radina noch an und zweifelte, ob tatsächlich jemand Geld für ein solches Ticket investiert. Sein Fraktionskollege Michael Kastl glaubt das. Er erinnerte an das GTI-Treffen und ist sich sicher, dass jeder der Teilnehmer gerne einen Euro investiert, um sich ein solches Ticket zu ziehen. Und das verbreite sich dann ganz schnell in den sozialen Netzwerken.

Leo Pfennig versicherte, er übernehme die Garantie, dass die Einnahmen aus diesem Kunstobjekt mehr als 28 Euro erbringen - das war die Summe, die der Parkscheinautomat während seiner kurzen Betriebsdauer erwirtschaftet hatte.

Fabian Nöth (Neue Wege) möchte bis Weihnachten wissen, was für ein Betrag herausgekommen ist und möchte bis dahin auch erfahren, was langfristig mit dem Gerät passieren soll (Verkauf).


Signal des Stadtrates

Grundsätzliche Bereitschaft gibt es im Stadtrat, ein neues "else!"-Projekt im Münnerstädter Bahnhof zu unterstützen. Allerdings machte der Stadtrat seine endgültige Zusage von einem Finanzierungsplan abhängig, der in der September-Sitzung vorliegen soll.
Mia Hochrein beabsichtigt, die leerstehenden Bereiche des Münnerstädter Bahnhofs für ein "spartenübergreifendes soziokulturelles Projekt mit der Kunst als Mittlerin" zu nutzen. Auch hier soll es eine Zwischennutzung sein. Ein ähnliches Projekt hatte ein Team um Mia Hochrein 2013 bereits in der Marienanstalt verwirklicht.
Der Bahnhof soll dabei Raum für Kunst, Lesungen und Aktionen bieten und Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten ansprechen. Angedacht ist derzeit ein Zeitraum zwischen Mai und September 2018. Mia Hochrein hat dafür wieder ein Organisationsteam an der Hand.
Mia Hochrein sieht Bahnhöfe als Aushängeschild einer Stadt. In Münnerstadt wirke der Bahnhof leicht verwahrlost, findet sie. Das Kunstprojekt trage dazu bei, dass Leben dorthin und in die Stadt kommt. Eine Wohnung würde in dieser Zeit als Künstlerwohnung genutzt.
Klaus Schebler (Neue Wege) wollte genaue Finanzierungszahlen auf dem Tisch, ehe er zustimmt. Stefan Bierdimpfl betonte, dass es in dieser Sitzung nur um ein grundsätzliches Signal gehe. Dieses Signal sei nötig, damit Mia Hochrein Förderanträge stellen könne.

Georg Heyman (CSU) hatte Bedenken, dass das Projekt einer neuen Nutzung im Wege steht. Diese Bedenken zerstreute Stefan Bierdimpfl. "2018 wird baulich dort nichts stattfinden." Es gebe noch kein städtisches Nutzungskonzept für das Gebäude.

Britta Bildhauer (SPD) fand die Idee von Mia Hochrein toll, zumal ihrer Meinung nach viel zu oft übersehen würde, dass Münnerstadt einen Bahnhof hat. Auch die anderen Stadträte sahen das so und signalisierten ihren guten Willen. Im September soll dann anhand eines vorliegenden Finanzierungsplanes darüber geredet werde, welchen finanziellen Beitrag die Stadt bereit ist, für die Durchführung des Projektes zu leisten.