Für die 16-jährige Antonia Kohlhepp wird ein Traum wahr. Sie kann für ein Jahr im Ausland leben, in Amerika. Das ermöglicht ihr ein Stipendium aus dem Parlamentarischen Patenschafts - Programm (PPP). Das ist ein einjähriges Jugendaustauschprogramm, das 1983 durch den Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika und dem Deutschen Bundestag ins Leben gerufen wurde. Das PPP hat über den kulturellen Austausch eine Vertiefung der Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zum Ziel.

Ein Jahr im Ausland, das machen heutzutage viele junge Leute. Es scheint eine ganz besondere Erfahrung zu sein. "Mich hat die Begeisterung dafür auch gepackt. Ich möchte in einem anderen Land leben, dort zur Schule gehen, die Sprache lernen und neue Erfahrungen sammeln. Doch bei meinen ersten Recherchen war schon klar, selbst nur drei Monate wären viel zu teuer und auch die Stipendien betragen oft nur mehrere Hundert Euro, was zwar eine Unterstützung ist, doch es bleibt noch eine große Summe aus eigener Kraft aufzubringen", sagt Antonia. Das PPP-Stipendium ist eines der wenigen Vollstipendien, die es gibt. Jedes Jahr ermöglicht der Deutsche Bundestag damit einem Schüler pro Wahlkreis ein Austauschjahr als Jungbotschafter in den USA. Ziel ist eine bessere Völkerverständigung und persönliche Verbindungen zwischen Menschen in Deutschland und den USA. "Ich beschloss mich für dieses Stipendium zu bewerben, ohne große Erwartungen", sagt Antonia Kohlhepp.

Nach dieser Bewerbung, die zwischen Mai und September abgegeben werden muss, kam es im November des vergangenen Jahres zum Auswahlverfahren mit allen Bewerbern (etwa sechs aus jedem Wahlkreis), zu dem auch Antonia eingeladen wurde. Das Verfahren bestand aus Diskussionen, einem Einzelgespräch, einem Englisch- und einem Politik-Test. Ferner wird an diesem Tag getestet, ob die Schüler für das Auslandsjahr geeignet sind. Maximal drei Schülerinnen beziehungsweise Schüler und deren Bewerbungen werden dann jeweils einem Bundestagsabgeordneten vorgelegt und dieser entscheidet, wer das Stipendium erhält und ist somit auch gleichzeitig "Abgeordneten Pate" dieses Gewinner-Schülers. "Ich habe eine Woche nach dem Auswahlverfahren Bescheid bekommen, dass ich unter den drei vorgeschlagenen Schülern bin. Ende Januar erhielt ich schließlich meine Zusage. Natürlich habe ich mich riesig über diese Post gefreut", sagt die 16-Jährige.
Doch mit der Vorfreude kommt auch ein stressiges Halbjahr bis zur Abreise auf die Schülerin zu. Denn als nächstes musste sie eine umfangreiche Bewerbung ausfüllen, für die Gastfamilie und den Aufenthalt generell. "Außerdem begann die Kontaktaufnahme mit meiner Patin Dr. Manuela Rottmann, Wahlkreis - Bundestagsabgeordnete der Grünen, die ich inzwischen auch persönlich kennen lernen durfte. Auch meine Gastfamilie steht fest. Sie lebt in Arizona, nahe Phönix. "
Jetzt steht noch eine Vorbereitungswoche in Berlin und die Kontaktaufnahme mit den Gasteltern an. "Die drei Monate bis zu meiner Abreise werden also noch mit viel Aufregung verbunden sein.Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, die ich durch das Stipendium bekomme", sagt die Rothhausenerin.
"Ich freue mich sehr, dass Antonia die Chance bekommt, ein Jahr in den USA zu verbringen. In Zeiten, in denen uns die politische Führung der USA fremder ist denn je, ist es besonders wichtig den transatlantischen Dialog unter den jungen Bürgerinnen und Bürgern zu fördern. Schließlich wird ein gegenseitiges Verständnis zwischen Amerikanern und Europäern auch in den kommenden Jahrzehnten grundlegend für den sozialen und politischen Frieden auf der Welt sein. Ich bin mir sicher, dass Antonia eine sehr gute Vermittlerin dieser Botschaft sein wird", sagt Manuela Rottmann.

Die Bewerbungsphase für 2019/20 hat bereits begonnen und dauert noch bis zum 14. September. "Ich möchte allen Jugendlichen die Interesse am PPP Schüleraustausch haben ermutigen, sich zu bewerben", sagt Antonia Kohlhepp. Es wird zudem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht die Noten ausschlaggebend sind, sondern soziales Engagement oder die richtige Einstellung. "Wer sich nicht bewirbt, kann das Stipendium auch nicht erhalten. So einfach ist das", sagt die Schülerin des Celtis-Gymnasiums Schweinfurt. "Ich jedenfalls freue mich auf ein aufregendes Jahr an einer High School in den USA." red/mib