Sie haben sich richtig Mühe gegeben. Neben den normalen Einkaufswagen, in die man einen Euro stecken muss, gab es Henkel-Einkaufskörbe, Trolleys, einen Rollator-Einkaufswagen, einen Rollstuhleinkaufswagen und zwei Baby-Einkaufswagen. "Nach einem Hinweis haben wir auch noch einen Zwillings-Einkaufswagen angeschafft", sagt Heidrun Königer-Bauer, die sich im Geschäft unter anderem um den Einkauf solcher Dinge kümmert. Schließlich sollen die Kunden zufrieden sein.

Die nahmen das Angebot auch gerne an. Normalerweise sollten die Henkelkörbe nur innerhalb des Geschäftes genutzt und an der Kasse abgegeben werden. "So sollte es sein", betont Heidrun Königer-Bauer.

Schwer zu überwachen

"Wir bringen den gleich wieder zurück." Sehr oft sei dieser Satz zu hören. Wenn Elmar Bauer an der Kasse sitzt, dann fordert er: "Aber bitte bei mir persönlich abgeben." So kann er kontrollieren, ob der Korb wirklich zurück kommt. Der Inhaber und seine Frau geben aber zu, dass die Kassiererinnen und Kassierer das nicht immer im Blick haben können, vor allem wenn viel Kundschaft da ist.

Ähnlich sieht es bei den Trolleys aus. Die dürfen zwar bis zum Auto mitgenommen werden, sollten danach aber zurück in den Laden kommen.

Offensichtlich nehmen es manche Kunden in beiden Fällen nicht ganz so genau. 400 Henkel-Einkaufskörbe sind inzwischen verschwunden. Das macht 200 pro Jahr. "Wir haben schon welche nachgekauft", sagt Heidrun Königer-Bauer. Aber das wird sie nun nicht mehr tun. Ein Korb kostet im Einkauf mehr als vier Euro. Der finanzielle Schaden summiert sich auf mehr als 1600 Euro.

Noch schlimmer sieht es bei den Trolleys aus. Von den 80, die die Bauers zur Eröffnung angeschafft haben, ist ein einziger übrig geblieben. Auch hier beläuft sich der Schaden auf rund 1600 Euro. "Dabei passt so ein Trolley gar nicht in jeden Kofferraum, in meinen jedenfalls nicht", meint Heidrun Königer-Bauer. Sie vermutet, dass das Unrechtsbewusstsein bei manchen Kunden gering ist, weil Edeka eine große Firma ist. "Aber sie schaden der Familie Bauer", sagt sie.

Die Bauers überlegen jetzt, ob sie Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Zunächst setzten sie auf die Vernunft der Leute und bitten, Körbe und Trolleys beim nächsten Einkauf einfach mitzubringen. Neue Körbe werden sie nicht kaufen. Statt dessen hat Heidrun Königer-Bauer Einkaufskartons aus Pappe angeschafft, die nach Art der Umzugskartons gefaltet werden. Die können die Kunden an der Kasse erwerben. Und Elmar Bauer will die Kassiererinnen und Kassierer noch mehr sensibilisieren, dass die verbliebenen Henkel-Körbe auch wirklich den Laden nicht verlassen.

Das Thema der verschwundenen Körbe und Trolleys ist heikel. Einerseits handelt es sich ganz klar um Diebstahl, andererseits kann es wirklich Ausnahmen geben. Ein einziges Mal hat Elmar Bauer die Polizei informiert, nachdem eine Frau dabei beobachtet worden war, wie sie samt Korb mit ihrem Auto davon fuhr. Sie hatte bald Besuch von der Polizei. "Dabei handelte es sich um eine Stammkundin, die den Korb garantiert zurück gebracht hätte", meint Elmar Bauer.

400 Einkaufskörbe und 79 Trolleys sind aber verschwunden. Ganz selten kommt der Inhaber doch einem verlorenen Korb auf die Spur. So hat beispielsweise einmal einer auf einem Müllberg gelegen, der für die Sperrmüllentsorgung bereits gestellt worden war. Elmar Bauer steht mit dem Problem übrigens nicht alleine da. Von seinem Kollegen aus Burkardroth hat er erfahren, dass der so etwa 50 Körbe im Jahr verliert.

Peinliche Aufnahme

"Der Diebstahl von Einkaufswagen wird selten zur Anzeige gebracht", sagt Stefan Haschke, Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Behandelt werde so etwas wie ein Ladendiebstahl. Das heißt es wird ein Strafantrag gestellt und die Angelegenheit dem Staatsanwalt übergeben. Vor allem auch die Aufnahme mit Feststellung der Personalien durch Polizeibeamte im Geschäft sei für den Betroffenen sehr unangenehm.

"Das ist kein Kavaliersdelikt", betont der Erste Polizeihauptkommissar. Die zu erwartende Strafe richte sich danach, ob es das erste Mal ist, wie hoch der Wert der gestohlenen Gegenstände ist und wie die Vermögensverhältnisse des Betroffenen sind. Beim ersten Mal werde das Verfahren in der Regel gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Besonders bei Kindern und Jugendlichen könne es auch einmal vorkommen, dass sie einen Aufsatz schreiben oder Sozialstunden leisten müssen. Er habe es auch schon erlebt, dass ein Mann einen vierstelligen Betrag als Auflage zahlen musste.