Ein Gottesdienst, der mit Beifall-Klatschen endet, und das sogar mit ausdrücklicher Zustimmung des Pfarrers? Das gab es am Pfingstmontag tatsächlich, und zwar am Schluss der Hubertusmesse auf dem großen Platz neben Münnerstadts Talkirche. Der wirklich verdiente Applaus galt den Parforcehornbläsern unter der Leitung von Reiner Kloss und den Jagdhornbläsern unter der Leitung von Florian Bauer. Diese Bläsergruppen, beide vom Jägerverein Bad Kissingen, gestalteten den Gottesdienst musikalisch in würdiger und ansprechender Weise.

Im Radlerdress oder in Wanderkleidung

Den ganzen Tag herrschte auch danach noch Hochbetrieb bei der Kirche, denn hier gab es Kaffee sowie Kuchen und Torten. Wer wollte, konnte den heimischen Herd kalt lassen, denn für Verpflegung und auch für Getränke war gesorgt. Gregor Lutz, der Vorsitzende des Hubertusvereins Münnerstadt, konnte zur traditionellen Hubertusmesse fast 300 Gottesdienstbesucher, "die wie wir diese schöne Natur lieben", willkommen heißen. Viele von ihnen kamen im Radlerdress oder in Wanderkleidung, denn die Talkirche war für sie eine Zwischenstation zu ferneren Zielen.

"Wir würdigen mit dieser Messe den Heiligen Hubertus und danken für Gottes Schöpfung der Natur, die wir hier an diesem wunderschönen Ort, der Talkirche in Münnerstadt erleben können", betonte Lutz, und "der Hubertusverein hält seit vielen Jahren an dieser Tradition fest und zeigt damit seine im christlichen Glauben gestärkte Verbundenheit zur Talkirche". Gregor Lutz konnte auch eine Fahnenabordnung des "mit uns in besonderer Freundschaft verbundenen" Hubertusvereins Fährbrück sowie Fahnenabordnungen aus Bergrheinfeld, Oberwerrn, Wipfeld, Werneck und Bergrheinfeld begrüßen. Sie postierten sich zusammen mit dem Fahnenträger des Hubertusvereins Münnerstadt mit ihren Fahnen links und rechts des Altars mit seiner überdimensionalen Kreuzigungsgruppe im Hintergrund. "Feiern Sie mit uns die Hubertusmesse, umrahmt von den Jagdhörnern. Die Nähe zum Herrgott wird uns gerade hier inmitten von Wald und Flur richtig bewusst", gab der Vorsitzende des Münnerstädter Hubertusvereins den Gottesdienstbesuchern mit.

Stadtpfarrer Pater Markus Reis OSA erinnerte daran, dass dieser Gottesdienst der fünfte hintereinander sei, der über die Pfingstfeiertage in der Stadt gefeiert wurde. Der Pfingstmontag bilde nun den Übergang in den Alltag, denn ihn gebe es nur in Deutschland. Der Turmbau zu Babel mache deutlich, was geschieht, wenn der Geist Gottes nicht da ist. Heute meint der Mensch, so Pater Markus, er sei allmächtig. Der Mensch heize die Erde auf und dezimiere die Natur so, dass er sich als "klarer Sieger fühlt" - "Hauptsache, unsere Interessen werden durchgesetzt". Seine Schlussfolgerung: "Es wird deutlich, wie nötig die Menschen den Geist Gottes brauchen."

Gottesdienstbesucher bleiben sitzen

Die Parforcehorn- und die Jagdhornbläser des Jägervereins Bad Kissingen umrahmten diesen Gottesdienst würdig mit mehreren Stücken. Nach dem Ende allerdings kehrte noch lange keine Ruhe auf der Freifläche neben der Talkirche ein. Viele Gottesdienstbesucher blieben gleich sitzen, zu ihnen gesellten sich weitere Radler und Wanderer und auch Autofahrer. Den ganzen Nachmittag herrschte noch ein reges Kommen und Gehen.mdb

Geschichtliches

Hubertus von Lüttich wurde um 655 in Toulouse geboren und starb am 30. Mai 727 der Überlieferung nach im heutigen Tervuren bei Brüssel. Er war Bischof von Maastricht und Lüttich und wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 3. November. Sein Attribut ist ein Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih. Hubertus lebte als Pfalzgraf am Hof Theoderichs III. in Paris, später in Metz am Hofe Pippins des Mittleren. Nach dem Tod seiner Frau ging Hubertus als Einsiedler in die Wälder der Ardennen. Aus dem Mittelalter ist die Hubertuslegende überliefert, wonach der Heilige an einem Karfreitag auf der Jagd beim Anblick eines prächtigen Hirsches mit einem Kruzifix zwischen den Sprossen des Geweihs bekehrt wurde. Hubertus wird als Schutzpatron der Jagd angesehen. Außerdem gilt er als Patron der Hunde und als Helfer gegen Tollwut, der Schützen und Schützenbruderschaften, der Kürschner, Metzger, der Metallbearbeiter, Büchsenmacher, Optiker, Mathematiker und Hersteller von mathematischen Geräten. Quelle: Wikipedia