Die stellvertretende Leiterin der Werkstatt, Anne Hilpert, spricht von einer Herausforderung, "die wir gerne annehmen". In der neuen gastronomischen Abteilung der Werkstatt werden zehn Beschäftigte arbeiten. Nach eineinhalbjähriger Schließung wird die einst beliebte Klosterwirtschaft also wieder für Ausflügler Anlaufpunkt sein.
Dass Menschen mit Behinderung in den meisten Bereichen des Gasthofes und des kleinen angegliederten Hotelbetriebs mit 13 Betten arbeiten werden, macht den Klostergasthof natürlich anders als andere Gaststätten. "Nicht der Gasthof, sondern die Menschen sind Taktgeber", sagt der stellvertretende Gesamtleiter Michael Nowottny. Das soll aber nicht heißen, dass keine professionellen Maßstäbe gesetzt werden. Die Ansprüche an sich selbst sind hoch.

Mitarbeiter werden seit Wochen geschult

Wie Michael Nowottny und Anne Hilpert betonen, werden die künftigen Mitarbeiter seit Wochen schon geschult. So hat sich mittlerweile herauskristallisiert, wer für welche Aufgaben eingesetzt werden kann. Sandra Mohr wird überall dort sein, wo sie gebraucht wird. Sie gehört zum flexiblen Team. "Mir hat alles Spaß gemacht", sagt die junge Frau. Markus Krause hat sich klar für die Küche entschieden. Er hat schon früher dort gearbeitet, erzählt Sören Banz - der zukünftige Küchenchef. "Sören Banz ist ein Glücksfall für uns", sagt Michael Nowottny. Der Heilerziehungspfleger und Gruppenleiter ist gelernter Koch. Er weiß, was in der Gastronomie erwartet wird. Banz zeigt sich überrascht, welche Talente man bei den Schulungen und bei ersten Testläufe im Rahmen hausinterner Tagungen entdeckt hat. Die Betreuten würden an ihren Aufgaben auch wachsen.

"Wir haben alle Chancen, das zu schaffen ohne überfordert zu sein", ist Anne Hilpert überzeugt. Mit der Wiedereröffnung der Gaststätte könne das Dominikus-Ringeisen-Werk eine ihrer wesentlichen Aufgaben in der Gastwirtschaft umsetzen: Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung schaffen. Dass Betreute in der Gastronomie in der Vergangenheit mitgearbeitet haben, sei die absolute Ausnahme gewesen, weiß Nowottny.

Gutbürgerliches Ausflugslokal

Maria Bildhausen will sich als gutbürgerliches Ausflugslokal zurückmelden. Man setze auf regionale Küche und die eigenen Produkte aus Metzgerei und Gärtnerei, erläutert Michael Nowottny. Die Karte werde nicht mehr so üppig sein wie früher. "Wir machen aber nicht nur ganz einfache Gerichte", kontert der künftige Küchenchef und meint, dass Schnitzel und Bratwürste schon angeboten würden.

Mitarbeiter mit Behinderung werden im Service und der Küche eingesetzt, kassieren aber nicht. Daraus ergibt sich, dass nicht am Tisch, sondern an einer Kasse bezahlt wird. Im Garten gibt es einen eingeschränkten Service. Getränke und Essen müssen im Gasthof geordert werden, werden aber serviert.Für plötzliche Stoßzeiten gibt es eine Einsatzgruppe im Hintergrund.Diese besteht aus Ehrenamtlichen, meist Mitarbeitern des Dominikus-Ringeisenwerkes oder Freunde n von Maria Bildhausen. Anne Hilpert und Michael Nowottny gehören dazu. Bei Großveranstaltungen bleibt die Gaststätte mit Rücksicht auf die Mitarbeiter vermutlich geschlossen.
Nicht mehr bewirtschaftet wird die Bierscheune. Das Don-Bosco-Gästehaus wird in ein Wohngebäude umgewandelt.

Die künftigen Mitarbeiter waren in die Planungen eingeschlossen. Sie hätten deutlich gemacht, dass am Wochenende geöffnet werden sollte, ebenso an den Abenden, erklärt Anne Hilpert. Deshalb wagt das Dominikus-Ringeisen-Werk sich an den Schichtdienst. Sören Banz und Anne Hilpert glauben, dass dies im Werkstättenbereich in Deutschland einmalig ist.

Nach Angaben von Michael Nowottny hätte die St. Josefskongregation die Klostergaststätte nicht mehr betrieben, aber auch nicht mehr an einen Pächter vergeben. Einzig die jetzt gewählte Variante habe Zustimmung gefunden und werde unterstützt. Das schlägt sich in der Miethöhe nieder. Die Kosten für Instandsetzungen, die nach einhalbjähriger Schließung nötig sind, übernimmt der Orden.

Der Klostergasthof Maria Bildhausen war nach der Winterpause im Februar 2013 nicht mehr wieder eröffnet worden. Als Grund hatte die St. Josefskongregation die hohen Verluste im Bereich der Gastwirtschaft genannt. Bereits 2012 hatte es deshalb eine Tarifstreit mit der Gewerkschaft Nahrung/Genuss gegeben. Wegen der schlechten Finanzlage hatte die Kongregation damals die von einem früheren Geschäftsführer der Gastwirtschaft vereinbarten Tariflöhne nicht mehr im vollen Umfang bezahlen wollen. Die Gewerkschaft war damit nicht einverstanden gewesen.