Der Kreisverband Münnerstadt im BLLV feierte das 20. Jubiläum seiner Veranstaltung "Schulpolitisches Martinsgansessen". Aus diesem Anlass hatte der Kreisvorsitzende Rektor Wolfgang Wittmann die höchste Repräsentantin des BLLV (Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes), die Präsidentin Simone Fleischmann aus München, eingeladen. Doch ums Essen ging es eher am Rande. Es wurden wichtige Themen behandelt, darunter die Integration der derzeit 60 000 Flüchtlingskinder, die derzeit an bayerischen Schulen lernen.

Simone Fleischmann überbrachte Grüße des Ehrenvorsitzenden des BLLV, Albin Dannhäuser, der aus Großwenkheim stammt. In ihrem Referat ging sie auf Schwerpunkte der Schulpolitik ein. Das Motto: "Schule der Zukunft: Aktuelle Herausforderungen". Jeden Tag beschäftigt den BLLV und seine Vertreter die Unterrichtsversorgung, die Seiteneinsteiger, die Zweitqualifizierung, die steigenden Ansprüche an die Schule, die ungleiche Besoldung der Lehrer, die Lehrerbildung und vor allem die Zeit, die den Lehrern fehlt, um allen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden.

In diesem Schuljahr sind vor allem fünf Themen im Blickpunkt. Das ist zum einen die Integration. Etwa 60 000 Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund sind zur Zeit in bayerischen Schulen. Für den BLLV steht außer Frage, dass die Lehrer die Herausforderungen der Integration bestmöglich bewältigen müssen. Ein gutes Miteinander und eine erfolgreiche Ausbildung und Integration von Flüchtlingen gelingt aber nur, wenn keine Neiddiskussion entsteht.

Die Schüler sollen in der Schule Respekt, Wertschätzung und Interesse für andere Menschen erleben. Der BLLV hat dazu das Manifest "Haltung zählt" entwickelt. Bei einem Auftritt in der Talkshow "Markus Lanz" hielt Simone Fleischmann dazu ein Plädoyer. Sie schilderte im Fernsehen, wie es im Schulalltag wirklich zugeht, was es bedeutet, geflüchtete Kinder zu integrieren und woran das Schulsystem krankt.

Inklusion ist ein zweiter Schwerpunkt. In Bayern gibt es zur Zeit 74.000 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. 27 % besuchen davon Regelschulen. Die Lehrer müssen dazu speziell ausgebildet werden. Außerdem brauchen sie optimale Rahmenbedingungen.

Die Digitalisierung ist an den Schulen noch unterentwickelt. Es mangelt an der Ausstattung und an der Ausbildung der Lehrkräfte. Die Digitalisierung wird als wichtiges Zukunftsthema gesehen. Viertens müssten die Ganztagsschule in Bayern weiter ausgebaut werden. Aktuell werden in Bayern nur 16 % der Schüler ganztägig beschult, deutschlandweit sind es 40 %. 72 % der Eltern wünschen sich für ihr Kind einen Ganztagsplatz. Um die in Bayern schon bestehenden Ganztagsangebote auszubauen, müssten mehr als 400 Millionen Euro für Baumaßnahmen und zusätzliches Personal aufgewendet werden. Fünftens sollen alle Schüler nach ihren Begabungen und Interessen individuell gefördert werden. Dabei stoßen Lehrkräfte an ihre Grenzen. Schulen brauchen zusätzliches Personal, das jede Schule individuell einsetzen soll. Im nächsten Schuljahr, das in Bayern auch Wahljahr ist, will der BLLV die Kampagne starten "Zeit für Bildung". Es wird vor allem eine flexible, effiziente und intelligente Budgetierung der Lehrerzuweisung gefordert. Demokratie soll zu einer Lebensform werden, die in der Schule erlebt wird. Schule ist nach Meinung des BLLV wesentlich für die Stabilität der Gesellschaft und der Demokratie. Nach ihrem Referat beantwortete die Präsidentin noch Fragen verschiedener Mitglieder. Danach ließen sich alle in geselliger Runde Gans oder Ente schmecken.