Es war im Jahr 2001, als Horst Kreutz, der künstlerische Leier der Kleinen Galerie im Münnerstädter Seniorenzentrum Bilder über Bestattungskultur ausstellte, die er selbst bei seinen vielen Reisen geschossen hatten. Bei der Ausstellungseröffnung der zweiten Auflage war er selbst ein wenig überrascht darüber, dass das nun schon so lange her ist. In der Zwischenzeit war der frühere Lehrer des Berufsbildungszentrums viel unterwegs, unter anderem In Russland, wo er mit der Transsibirischen Eisenbahn bis zum Ural fuhr. Auf all seinen Reisen besuchte Horst Kreutz Friedhöfe bzw, Mausoleen oder andere Stätten, die von der jeweiligen Bestattungskultur zeugen.

Nun stand also die Eröffnung der zweiten, weit umfänglicheren Ausstellung an. Den Bewohnern des Seniorenzentrums und Gästen von außerhalb erläuterte der Künstler, wo die einzelnen Fotos entstanden sind und welche Geschichten damit verbunden sind, einige berühren ihn ganz persönlich.

So beispielsweise die Totenbretter in Schliersee im Odenwald. Während des Zweiten Weltkrieges war Horst Kreutz als Kind in den Odenwald geschickt worden und kam dort mit den Totenbrettern in Berührung. "Da war ich zehn, elf Jahre alt. Das ist ein Grund, weshalb diese Sammlung entstanden ist."

Im März des Jahres 2000 hatte Horst Kreutz zusammen mit der damaligen Heimleiterin Monika Müller die Kleine Galerie ins Leben gerufen. Die wechselnden Ausstellungen im Seniorenzentrum sollten den Bewohnern ein wenig Abwechslung bieten, aber auch Kunstinteressierte von außerhalb anlocken, also auch Hemmschwellen abbauen. Horst Kreutz gestand bei der Eröffnung der jüngsten Ausstellung, dass er das eigentlich nur eine Weile lang machen wollte. Dass es nun mehr als 18 Jahre geworden sind, hat mit einem Erlebnis bei einer Ausstellungseröffnung zu tun. Einmal, so berichtete der Künstler, war eine Seniorin unter den Gästen, die schon öfter Ausstellungen besucht hatte, wegen ihrer schweren Zuckerkrankheit inzwischen aber erblindet war. Trotzdem interessierte sie sich für die Bilder, ließ sich von Horst Kreutz herumführen und jedes einzelne erklären.

"Ein Grabmal oder Grabbau ist ein architektonisch oder bildkünstlerisches Denkmalfür Verstorbene", begann er mit seiner Bildvorstellung. Der Mogulkaiser Isa Khan (1547) beispielsweise besitzt ein Kuppelgrab, das in eine große Gartenlandschaft eingebunden ist. Das Grabmal des Ostgotenkönigs Theoderich in Ravenna (vor 550) verbindet die antike Tradition eines Kuppelgrabes mit der germanischen Ornamentik.

Mausoleen von außergewöhnlicher Schönheit, wie das Taj Mahal in Indien sind ebenso in der Ausstellung zu finden, wie die Grabfelder mit verschiedenen Formen von Koubbas in den Erg-Gebieten de Sahara. Die Grabbauten der islamischen Heiligen sollte der Vorbeikommende mehrfach umkreisen, um sich so den Segen für eine glückliche Heimkehr aus der Wüste zu sichern. Das sei angesichts der Hitze und der Sandstürme, von denen er mehrere selbst erlebt hat, auch ratsam, sagte Horst Kreutz.

Auf seiner Reise durch Russland hat er auch den großen Friedhof in Moskau mit den wuchtigen Granitblöcken und den herausgearbeiteten Generälen, Künstlern und Wissenschaftlern besucht. Das Grab des früheren Präsidenten Boris Jelzin , gestaltetet in den russischen Nationalfarben, muss inzwischen bewacht werden, weil manche Landsleute mit politischen Entscheidungen des früheren Präsidenten nicht einverstanden seien, so Horst Kreutz.

Die Gräber der portugisischen Könige mit der Beweinung von Carlos I und seinem Sohn Luis Felipe, die 1908 in Lissabon erschossen wurden, die Grabstatuetten berühmter Musiker auf dem Großfriedhof in Wien, eingelassene Felsarchitektur der achämendischen Könige im heutigen Iran, Kindergräber in der Schweiz - die Palette der ausgestellten Bilder ist vielfältig. Sie zeigen auch, dass Versuche von Diktaturen, die Grabkultur zu beeinflussen, nicht immer Erfolg haben. So beim "Berg der Kreuze" einem Wallfahrtsort im südlichen Litauen, der für die Opfer der Aufstände 1831 und 1863 errichtet wurde. 1961 und 1975 versuchten Sowjetfunktionäre das einmalige Denkmal zu vernichten und zerstörten 5000 Kreuze. Gebracht hat das nichts, es waren viel mehr.

Zu den üblichen Besuchszeiten des Seniorenzentrums kann die Ausstellung "Grabkultur" besichtigt werden. Nur ein einziges Mal sind die Fotos in dieser Zusammenstellung zu sehen. Horst Kreutz wird sich nach der Ausstellung von den Fotos trennen und sie dem Bundesausbildungszentrum der Bestatter übergeben.