Alle Jahre wieder fragen sich die Bewohner von Thundorf zu Fronleichnam: "Hoffentlich gibt s genug Blumen für den Teppich". Dabei werden in der Rhön zur gleichen Zeit umfangreiche Mähaktionen durchgeführt, um blühende Lupinen zu entfernen, bevor sie Samen tragen und sich so weiter vermehren.

Dies brachte die Dorfgemeinschaft Thundorf auf die Idee, die Situation zu nutzen, um so relativ einfach und sicher an Blumen für den Fronleichnamsteppich zu kommen. Bereits im Vorjahr hatte der Zweite Vorsitzende Anton Bauernschubert deshalb Kontakt mit dem zuständigen Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld aufgenommen. Er bekam sofort grünes Licht für seinen Antrag. Mit einem Kleinbus der Malteser fuhren nun interessierte Bürgerinnen und Bürger in die Hochrhön, um auf den weiten Lupinenfeldern die Blüten zu pflücken. Nach der Einweisung von Gebietsbetreuer Torsten Kirchner von der "Wildland-Stiftung Bayern" machte sich die Delegation sofort an die Arbeit, und binnen 90 Minuten waren alle Behältnisse randvoll mit blauen Blüten gefüllt und im Bus verstaut.

Vorbei laufende Rhönwanderer machten Stopp und ließen sich die Verwendung der gepflückten Lupinen für den Blumenteppich an Fronleichnam in Thundorf erklären. Nach einer Befliegung der Hochrhön durch Torsten Kirchner ist das Ausmaß der Lupinenverbreitung in der Fläche durch Fotos und Kartendokumentation bewiesen. Die Bekämpfung der Lupinen sei kein Widerspruch zum neuen Gesetz "Schutz den Bienen", sondern vielmehr ein Beitrag zum Naturschutz und Erhalt der Rhönlandschaft, erklärte Kirchner.

Auch wenn die weiten blühenden Flächen ein schönes Bild für den Betrachter und den Fotograf abgeben, seien sie dennoch ein Schaden für die restliche Vielfalt an bunten Wiesen, den Lebensraum für Bodenbrüter und Vögel sowie dem Rhönheu. "Diese Natur zu genießen ist ein großer Schatz der Region in der Rhön und muss erhalten werden", sagt der Biologe.

Die Thundorfer, sollte der Termin passen, haben sich vorsorglich schon für das kommende Jahr angemeldet, denn schneller und einfacher an Blumen zu kommen, ist unwahrscheinlich.