Günter Schaub zählt und kommt auf die Zahl Sieben. Ganz sicher ist sich der Besitzer des "Bayerischen Hofes" aber nicht. Ehefrau und Pächterin Brigitte Schaub zählt ebenfalls und kommt zum gleichen Ergebnis, das Sohn Michael Schaub und Betriebsleiter Jochen Hierold bestätigen. In den Jahren 1999 bis Anfang 2013 waren es sieben verschiedene Pächter gewesen, die den "Bayerischen Hof" mehr oder weniger erfolgreich betrieben haben. "Maximal eineinhalb Jahre", sagt Günter Schaub. Dann waren die Pächter wieder weg. Zwischenzeitlich war der "Bayerische Hof" auch ganz geschlossen. Vor einem Jahr hat dann Brigitte Schaub das Haus übernommen. Seither bekommt Günter Schaub von seiner Ehefrau etwas, was er von den vorherigen Betreibern meist nach kurzer Zeit nicht mehr bekommen hat: Pacht. "Bis jetzt", scherzt Brigitte Schaub. Dabei soll es natürlich auch bleiben. Für sie ist besonders wichtig: "Wir haben bewiesen, am Haus liegt es nicht."
Eigentlich dürfte es den "Bayerischen Hof" ja gar nicht mehr geben. Schon vor vielen Jahren hätte er abgerissen werden sollen, was aber nicht geschah. 1983 hat Günter Schaub das Haus gekauft und nach umfangreichem Umbau wurde es 1984 wieder eröffnet. 15 Jahre sorgte Rolf Hausdorf für einen guten Ruf. Mit seinem Weggang 1999 begann eine sehr unruhige Zeit.
Eigentlich wollen sie einen Schlussstrich darunter ziehen. Dann sagt Günter Schaub aber doch, was ohnehin jeder in Münnerstadt weiß. Die meisten Pächter haben ein paar Monate ihre Miete bezahlt, dann aber nicht mehr. "Irgendwann war bei allen Schluss", meint Brigitte Schaub und Günter Schaub fügt hinzu: "Spätestens, wenn der November gekommen war, denn zwischen November und März ist Münnerstadt tot."
Mehrere Pächter seien gar nicht in Münnerstadt gescheitert, erläutert Günter Schaub. Vielmehr seien sie von den Schulden erdrückt worden, die sie bereits mitgebracht hatten. Teilweise wurde auch defizitär gewirtschaftet, um das Haus voll zu bekommen, weiß Jochen Hierold, der schon einige Zeit da ist.
Nicht bezahlte Pacht war aber nur ein Problem. Teilweise sind die Schaubs auch auf den Nebenkosten sitzen geblieben, wie beispielsweise auf einer Wasserrechnung in Höhe von 12 000 Euro. Vorgekommen ist ebenfalls, dass mit dem Pächter auch ein paar Einrichtungsgegenstände verschwanden.
Aber das ist schon ein wenig länger her. Der letzte Pächter, bei dem es eigentlich recht gut angelaufen war, musste wegen Krankheit aufgeben. Das war zum Jahreswechsel 2012/2013. Und die Schaubs standen wieder einmal vor einem dicken Problem. "Es bringt nichts, das Haus leer stehen zu lassen", sagt Michael Schaub. Außerdem gab es ja Reservierungen für Übernachtungen. "Der erste Gedanke war, wir machen es selbst, bis wir einen geeigneten Pächter finden", erklärt Brigitte Schaub ihren damaligen Entschluss.
Den haben sie bis heute nicht gefunden, aber das ist wohl auch nicht mehr nötig. Obwohl die Schaubs eigentlich mit der Verwaltung etlicher Immobilien schon genug zu tun hatten, haben sie eine Leidenschaft für die Gastronomie entdeckt. "Wir haben so nette Kontakte, nette Gäste und nettes Personal", schwärmt Brigitte Schaub. Der Tag dürfte zwar ein paar Stunden mehr haben, um alles zu schaffen, aber: "Es macht Spaß." Was sie dann sagt, klingt eher nach einer langjährigen Profi-Gastronomin: "Es ist wunderbar, wenn wir das Gefühl haben, dass der Gast zufrieden bei uns hinaus geht. Dann hat man das erreicht, was man in der Gastronomie erreichen will."
Das richtige Händchen bescheinigt ihr auch Jochen Hierold. "Die ganze Dekoration trägt ihre Handschrift, das Ambiente passt."
Günter Schaub berichtet von einem Gast, der vergessen hatte, seinen Schlüssel abzugeben und diesen dann mit ein paar Zeilen zurück geschickt hat. Der "Bayerische Hof" sei in seine Liste der Hotels aufgenommen worden, in die er gerne zurückkehrt, hat er geschrieben. So etwas freut die Familie natürlich. Und Brigitte Schaub ist glücklich, wenn sie beim Abräumen wieder einmal ein ausdrückliches Lob für den Koch bekommt und nicht nur ein "Jaja" auf die Frage, ob es geschmeckt hat.

Kein Ruhetag

Den jüngsten Erfolg des Hauses führen die Verantwortlichen auf das Konzept zurück. Dazu gehört gute Küche zu bezahlbaren Preisen ebenso, wie das Fehlen eine Ruhetages. In einem Hotel mache das keinen Sinn, sagen sie, weil die Übernachtungsgäste sowieso versorgt werden müssen. Das ganz große Geheimrezept aber ist die Familie, zu der Günter Schaub neben Ehefrau und Sohn auch die Angestellten zählt, die teilweise von den Vorgängern übernommen worden sind. Auf die Köchinnen und Köche sowie das Servicepersonal lassen die Schaubs gar nichts kommen. Und wer denkt, Günter Schaub, kassiert nur die Pacht, der irrt sich gewaltig. Er ist unter anderem für den Einkauf verantwortlich und bringt ständig neue saisonale Gerichte auf die Speisekarte. Da müssen ihn die anderen schon ein wenig bremsen. Entschieden wird letztlich gemeinsam. Auch Sohn Michael ist voll mit eingespannt.

Kirchenglocken stören

Doch ganz ohne Wermutstropfen ist diese Erfolgsgeschichte nicht. Die Kirchenglocken, die auch nachts zu jeder Viertelstunde, die Zeit verkünden, stören viele Gäste sehr, sagt Günter Schaub. Und auch, dass die Hotelgäste oft ein "Knöllchen" an ihrem Auto finden, wenn sie ein paar Minuten länger gefrühstückt haben.
Doch die Schaubs blicken nach vorn. "Hervorragend" bezeichnet beispielsweise Bürgermeister Helmut Blank das Essen und den Service im Bayerischen Hof, der unmittelbar gegenüber dem Rathaus steht. "Das ist ein absoluter Gewinn für die Innenstadt."
Gute Voraussetzungen für das, was die Schaubs noch vorhaben. Derzeit bauen sie das Café Winkelmann zu einer Cocktailbar mit Café um, demnächst soll der "Bayerische Hof" um zwei weitere Häuser (Schweiz und Lutz-Haus) erweitert werden.