Das sei momentan ein wirkliches Problem, meint sie. Amina Nagsuband muss noch nach den richtigen Worten suchen und auch die Grammatik hat ihre Tücken.Doch die junge Frau macht gute Fortschritte. Sie gehört zu einer Gruppe von Asylbewerbern, die regelmäßig einen Sprachkurs in Münnerstadt besuchen. Dieser wird in der Bergstraße von Ehrenamtlichen angeboten. Tilman Kluge, einer der Betreuer, spricht von einer "Bürgerinitiative".

Auch Mari Nahim und ihr Mann Mohammad Zahir Nahim sitzen im kleinen Klassenzimmer. Das Ehepaar kommt ebenfalls aus Afghanistan und lebt mit den beiden erwachsenen Söhnen in Münnerstadt. Mari Nahim will Deutsch allerdings nicht nur sprechen können, sondern irgendwann auch Texte - also Bücher oder Zeitungen - lesen. Sie sei Lehrerin, erklärt sie. Die Familie sei sehr froh, hier in Deutschland zu sein, ergänzt Mohammad Nahim Zahir. Er und seine Frau sprechen zwar Englisch, aber in Deutschland wollen sie sich in der Landessprache verständigen können. Demelash Bekele Feleke aus Äthiopien teilt diesen Wunsch. Sein Ziel ist es, die Sprache lesen und schreiben zu können.

Er wie auch Islam Mussem aus Kurdistan besuchen regelmäßig den Sprachkurs, den an diesem Nachmittag Tilman Kluge hält. Nicht nur seine Schüler profitieren. Auch Kluge hat schon viel gelernt - über den Aufbau fremder Sprachen und natürlich über die Denkweise anderer Kulturen. "Wir treten ständig in Fettnäpfchen und die Asylanten auch", lacht Kluge. Trotzdem funktioniert es gut - Rücksichtnahme und Toleranz bringen beide Seiten mit.Der harte Kern der kleine Bürgerinitiative besteht aus Tilman Kluge, Stefanie Barthel, Bärbel Fürst und Thomas Seuberling. Aber es gibt noch andere ehrenamtliche Unterstützer. Die Koordination übernimmt Uschi Hartmann, die auch beruflich in der Flüchtlingshilfe tätig ist.

Eine Wohnung in einem der Wohnkomplexe des St. Bruno-Werkes wurde dafür in eine Zwergschule umfunktioniert. Die Wohnung wird aus staatlichen Mitteln finanziert. Die Regierung von Unterfranken begrüße ausdrücklich die Sprachkurse, betont der Pressesprecher der Regierung, Johannes Hardenacke. "Wir unterstützen das, so gut wir können". Auch eine dort notwendig gewordene Sanierung nach einem Ölschaden sei durchgeführt worden. Der Ölgeruch hängt aber noch in den Räumen, vor allem in einem. Das darin befindliche Büro der Caritas-Flüchtlingshilfe sei deshalb mittlerweile umgezogen, bestätigt Johannes Hardenacke. Die Regierung habe dafür einen neuen Raum zur Verfügung gestellt. Das freigewordene Zimmer der Wohnung werde jetzt als Lagerraum genutzt.


Alles ist gespendet

Zwei Mal in der Woche treffen sich Asylbewerber in der Wohnung zum Sprachkurs. Dort gibt es ein kleines Klassenzimmer. Alles, was darin steht, stammt aus Spenden, die Schultafel, die Tische und Stühle und das Buchmaterial. Fördergelder, die es vielleicht geben würde, hat die Gruppe nicht beantragt. Das hat natürlich Nachteile; doch für Kluge überwiegen die Vorteile. Auf diese Weise könne der Unterricht frei von Bürokratie laufen und so gestaltet werden, dass man die Menschen dort abholt, wo es nötig ist. "Wir richten uns nach den Erwartungen und Lebensumständen", sagt Kluge. Die Kurse sind ein offenes Angebot. Jeder, der möchte, kann kommen.

Tilman Kluge hat sich auf seine Arbeit in der Flüchtlingshilfe zusätzlich qualifiziert. Er hat einen Alphabetisierungslehrgang besucht. Jetzt hält er in der Bergstraße einen Sprachkurs für eine kleine Gruppe Asylbewerber, die nicht lesen oder schreiben können - eine spannende Aufgabe, die er für sich als großen persönlichen Gewinn sieht.

In Münnerstadt können Asylbewerber aber nicht nur in der Bergstraße Deutsch lernen. Auch die evangelische Kirche engagiert sich hier und ein professionelles Angebot über das Berufsföderzentrum läuft derzeit im Heimatspielhaus. "Es sind keine konkurrierenden Sprachkurse", findet Tilman Kluge. Jedes dieser drei Münnerstädter Angebote habe seinen eigenen Ansatz.

Die Bürgerinitiative bietet in der Wohnung in der Bergstraße auch eine Hausaufgabenbetreuung für die Kinder von Asylbewerbern an. Die Kinder lernen zwar oft schnell die neue Sprache, doch bei den Hausaufgaben sind sie meist auf sich alleine gestellt, weil die Eltern deutsch zu wenig beherrschen. Hier springen die Ehrenamtlichen ein und bieten die nötige Unterstützung.