Reinhold Scheuplein und Rudolf Heinz haben immer gut zu tun, wenn sie am Münnerstädter Wertstoffhof Dienst tun. Nur zwei Wochen hat es dieses Mal gedauert, bis der große Gittercontainer wieder randvoll mit Elektroschrott war. Und dabei ist dort gar nicht alles hineingewandert, was den Titel "Elektroschrott" tragen darf. Die Fernseher und Kühlschränke stapeln sich an einer anderen Stelle des Wertstoffhofs. Ein paar Meter davon entfernt lagern Autobatterien. Daneben stehen Fässer mit Altöl. Für Handys, Kabel und Batterien gibt es nochmals eigene Behältnisse.

Dabei ist die Annahmestelle gar nicht täglich, sondern nur vier Mal im Monat geöffnet. Doch die Mengen, die zusammenkommen, sind beachtlich.

Rudolf Heinz ist Rentner und hilft seit 2004 im Wertstoffhof mit. Er beobachtet, dass die Mengen an Elektronikschrott zugenommen haben. Jetzt würden auch schon die ersten Flachbildfernseher gebracht, erzählt er. Rudolf Heinz gefällt der Dienst im Wertstoffhof. "Da kommt man unter die Leute", sagt der Rentner. Zeit für ein kurzes Gespräch ist meistens. Wenn ein Auto mit neuer Ladung vorfährt, stehen Rudolf Heinz und Reinhold Scheuplein schon mit Schubkarren bereit. Sie übernehmen die Fracht - ein perfekter Service.

Trotzdem ist für Rudolf Heinz Ende des Jahres Schluss. Er findet, es sei mit 76 Jahren Zeit zum Aufhören. Der ehemalige Mitarbeiter des Bautrupps merkt, dass ihm die körperliche Arbeit einfach nicht mehr so leicht fällt wie früher.

Reinhold Scheuplein kümmert sich seit 2010 um den Wertstoffhof. Auch er macht den Job gerne, ärgert sich nur etwas darüber, dass es immer wieder Leute gibt, die sich nicht die Zeit nehmen, zu den Öffnungszeiten zu kommen. Dann wird Schrott einfach vor dem Tor der Sammelstelle abgestellt. Das stört, sieht nicht schön aus und bringt den Männern zusätzliche Schlepperei.

Handy- und Computerschrott haben deutlich zugenommen, hat Rudolf Heinz bemerkt. Und ein bisschen haben sowohl er, als auch sein Kollege das Gefühl, dass Elektroartikel einfach nicht mehr so lange halten wie früher. Aber sie wissen auch, dass so manches, was auf den Elektroschrott wandert, durchaus noch funktioniert - Fernseher beispielsweise oder Mobilfunktelefone.

Große Sammelmengen

Andreas Sandwall von der Abfallberatung am Landratsamt kann bestätigen, was Mitarbeiter am Münnerstädter Wertstoffhof beobachten: Die Schrottmengen steigen seit vielen Jahren. Das liege nicht nur am guten Netz von Wertstoffhöfen im Landkreis Bad Kissingen. "Die Bürger sammeln fleißig", betont Sandwall. Im Landkreis gibt es eine Rückführquote beim Müll (Müll, der in irgendeiner Weise wieder verwertbar ist) von rund 80 Prozent. Da belege der Landkreis einen der vorderen Plätze. Bayernweit liege dieser Wert bei rund 70 Prozent. Und im Grüngutsammeln sei man sogar Spitzenreiter.

Als die Kommunen 2006 mit der ElektroG-Verordnung verpflichtet waren, Elektroschrott unentgeltlich von den Bürgern anzunehmen, hatte der Landkreis schon längst Elektronikmüll gesammelt. "Wir waren da schon sehr fortschrittlich", meint Sandwall. Seit 1995 gibt es Annahmestellen dafür.

"Wir haben eine eigene Logistik aufgebaut", erläutert Sandwall. Die habe sich bewährt. Mittlerweile gibt es sogar die ersten Erlöse aus der Wiederverwertung. Gewinne sind allerdings noch nicht mit zu machen. "Wir sind froh, wenn da eine schwarze Null steht", sagt der Fachmann. Denn natürlich kostet die Logistik Geld: Der Landkreis trägt die Personalkosten in den Wertstoffhöfen, muss den Abtransport bezahlen etc. Aber die Erlöse steigen jetzt langsam.

Was so alles anfällt

Die Mengen, die an Wertstoffen im Laufe eines Jahres zusammen kommen, sei enorm, meint Andreas Sandwall. Wie viel in Münnerstadt alleine abgegeben wird, kann er nicht feststellen. Aber für den gesamten Landkreis (ohne die Stadt Bad Kissingen) nennt er einige Zahlen. Durchschnittlich 45.000 bis 50.000 Liter Altöl werden jährlich abgegeben. Es waren aber schon Jahre mit 60.000 Liter. Auch der Abfallfachmann staunt über diese Zahl. Rund 2000 bis 2300 Kühlschränke entsorgt die Abfallwirtschaft jährlich. Dazu kommen noch Tonnen an anderem Elektronikschrott.

Doch auch wenn das System gut eingespielt ist, Unsicherheiten gibt es bei den Bürgern immer noch, was im Wertstoff abgegeben werden darf und was nicht. Immer wieder kämen Leute mit Farben oder Spritzmitteln. "Die dürfen wir nicht annehmen", sagt Rudolf Heinz. Andreas Sandwall kennt dieses Problem und ist froh, dass die Mitarbeiter auf den Wertstoffhöfen ihre Arbeit genau nehmen. "Sie sind der verlängerte Arm der Abfallwirtschaft", meint Sandwall.

Für Sondermüll das Giftmobil

Für Sondermüll sei das Giftmobil zuständig. Und wer nicht auf dessen Kommen warten will, könne seinen Problemmüll jederzeit direkt im großen Wertstoffhof der Deponie Wirmsthal abgeben. Die Giftstoffe dürften nur speziell ausgebildete Fachleute entgegennehmen, in diesem Fall Chemiker.Wer genau wissen will, was in den Wertstoffhof darf, der müsse eigentlich nur auf Seite 1 des Abfallkalenders schauen, meint Sandwall.

In Münnerstadt ist der Wertstoffhof auf jeden Fall so etwas wie ein Selbstläufer geworden, meint Bauhofleiter Stefan Sluzar. Er könne sich voll auf Reinhold Scheuplein verlassen, der den reibungslosen Ablauf dort organisiere. Für die Bürger ist dieser ortsnahe Service umsonst. Eine Kaffeekasse gibt es am Wertstoffhof trotzdem nicht. Wenn Reinhold Scheuplein Kaffeedurst hat, muss er rüber in den Bauhof und sich bei den Kollegen dort eine Tasse holen.