Der Fasching geht in den Endspurt. Vor 50 Jahren waren die Münnerstädter wohl auch etwas froh, als mit der Fastenzeit wieder etwas mehr Ruhe einkehrte. Denn von Januar an bis zum Ende der Fastnacht steppte zu dieser Zeit im Städtchen fast jeden Samstagabend der Bär. Im Münnerstädter Turnerheim fand vor 50 Jahren an nahezu jedem Wochenende ein Tanz statt. Das lässt sich im Faschingskalender nachlesen, der 1969 in der Münnerstädter Zeitung veröffentlicht wurde. Für viele Bürger gehörte es einfach dazu, dort mitzufeiern.

Die Plätze waren begehrt.

"Es war einmal", hatte die Kolpingfamilie in diesem Jahr ihre beiden Faschingssitzungen umschrieben. In diese Kategorie gehören die Bälle im ehemaligen Turnerheim. Zum einen gibt es diese Halle seit Fertigstellung der Mehrzweckhalle nicht mehr. Zum anderen wäre es heute schwierig, für gleich mehrere Faschingstänze ein ausreichend großes Publikum zu finden.

Der Münnerstädter Hans Petsch ist über den Fasching sogar Mitglied der Liedertafel geworden, erinnert er sich zurück. Als der heute 81-jährige ein junger Mann war, fanden die Bälle der Liedertafel allerdings noch im Bärensaal statt. Die Plätze waren begehrt. "Wenn du eine Karte haben willst, musst du Mitglied werden", habe ihm damals Albert Linus geraten, erinnert sich Petsch zurück. Daraufhin sei er der Liedertafel beigetreten und ist bis heute aktives Mitglied geblieben.

Bei den Faschingsbällen im Turnerheim versammelte sich Jung und alt, erzählt Hans Petsch. Geschäftsleute und Honoratioren der Stadt saßen meist etwas getrennt von den jungen Leuten. Aber später, beim Tanz, habe sich das dann schon vermischt. Und in den Pausen sei der Andrang in der angrenzenden Gaststätte besonders groß gewesen.

Faschingstanz eine angenehme Pflicht

Zum Faschingstanz zu gehen, das gehörte in Münnerstadt damals zu den angenehmen Pflichten im gesellschaftlichen Jahresverlauf. Alleine im Jahr 1969, also vor 50 Jahren, gab es im Turnerheim acht Tanzveranstaltungen, darunter die Bälle vom Turn- und vom Sportverein, den gemeinsamen Tanz von Liedertafel und Feuerwehr, den Schützenball sowie den Tanz des Vereins ehemaliger Landwirtschaftsschüler im Landkreis Bad Kissingen. Begonnen hat der Reigen mit dem Ball der Firma Liebmann.

"Die Bude war eigentlich immer voll", betont Johannes Bloching, der in den späten 1960er Jahren mit "Sound 66" im Turnerheim auf der Bühne stand. Er erinnert sich an die Honoratioren der Stadt und des Turnvereins, die damals zum Tanz kamen. Die Bälle hat er in guter Erinnerung "Es war eine schöne Zeit", betont er.

Dann wurde es richtig lustig

Die Münnerstädter Band "Sound 70" hatte in den 1970er Jahren jahrelang Auftritte bei Faschingsbällen im Turnerheim. Eine kurze Faschingssaison sei heftig gewesen, aber eine lange sei "an die Substanz gegangen", erinnert sich Bernd Eckert, der mit der Band auf der Bühne stand. Die Münnerstädter haben viel getanzt, sogar Polonaise. "Aber erst wenn die Bar aufgemacht hat, sind die Leute richtig lustig geworden", erinnert sich Eckert. Denn der Barbetrieb unter der Bühne des Turnerheims sei für viele das Highlight gewesen.

"Lebhafte Erinnerungen" hat Marlies Stein an die Faschingstänze. Sie hat das Treiben meist nur hinter der Theke der Turnerheimbar erlebt; denn der Barbetrieb war über viele Jahre Hohheitsaufgabe des Turnvereins bzw. später des TSV.

Mit Taschen voller Eiswürfel, die zuvor zuhause produziert worden waren, ist das Barteam zu jedem Tanz angerückt. Ab dem Silvesterball bis zum Kehraus waren die Helfer fast wöchentlich im Einsatz. Gut kann sich Marlies Stein an die unterschiedlichen Getränke-Vorlieben der Mürschter erinnern. Beim Ball des Vereins der ehemaligen Landwirtschaftsschüler - gerne auch Kälblesball genannt - seien es Likörchen gewesen, die den Besuchern besonders gemundet hätten, bei den Sportlern war es Gin Fizz oder Blue Lady. Sekt war bei allen Tänzen gleichermaßen beliebt.

Live-Musik hat es in früheren Zeiten sogar beim Kinderfasching im Turnerheim gegeben. Zu dieser Zeit hat die Stadt diese Veranstaltung organisiert. Mit Sound 70 hat Bernd Eckert auch für die Kids gespielt. Als Azubi bei der Stadt habe er außerdem bei den Geschäftsleuten um Bonbon-Spenden nachfragen müssen. Bis zu zehn Kilogramm Naschereien wurden an die Kinder ausgeworfen. Außerdem gab es noch Eingebackene.

Das Turnerheim gibt es längst nicht mehr. Die Tanzbegeisterung der Münnerstädter irgendwann nachgelassen, so dass es ab den 1980er Jahren immer weniger Faschingsbälle gab. Heute wird nur noch am Faschingssamstag bei der Oldie-Night so richtig das Tanzbein geschwungen.Auch am 2. März wieder.