Eigentlich ist ja Sommer, und Schals gehören jetzt ganz sicher nicht zu den meist gekauften Kleidungsstücken. Deshalb war Brigitte Brinke auch nicht so sicher, ob sie ausgerechnet jetzt einen Fan-Schal stricken sollte. Sie hat es doch getan, was Kollegin Marita Scheublein gar nicht recht glauben wollte. Denn als sie zur Arbeit kam, war der Schal schon wieder weg. "Ich hatte ihn gerade ins Schaufenster gehängt, da war er auch schon verkauft", sagt Brigitte Brinke. "Da musste ich noch zwei stricken."
Sie laufen gut, die Fan-Artikel zur Fußball-WM, die alle von den zwei Frauen selbst hergestellt werden. "Made in Mürscht" sozusagen, da legen sie auch Wert drauf. Auf die Frage, ob sie der übermächtigen Konkurrenz mit Billigware aus Fernost Handgefertigtes entgegen setzen möchten, heißt es nur: "Wir haben keine Konkurrenz." Das sagen sie immer, auch wenn es natürlich nicht ganz ernst gemeint ist.

Verstecker in Nationalfarben

Aber eigentlich haben sie ja Recht. Schwarz-rot-goldene Eierwärmer mit Bommel obendrauf dürfte es wirklich nicht allzu oft geben. Ganz zu schweigen von dem Klopapierrollen-Verstecker in den deutschen Farben, gekrönt von einem Blümchen. Der passt prima auf die Auto-Hutablage neben den Wackeldackel. Aber nicht nur.
Wimpelketten, Pulswärmer, Eulen, kleine Kissen für das Auto, Mützen oder Socken - alles was man stricken, häkeln oder nähen kann - haben die beiden Unternehmerinnen hergestellt. "Wir sind schon Fußballfans", erklärt Brigitte Brinke. "Zumindest während der WM", fügt Marita Scheublein hinzu. Die Gestaltung des Schaufensters in den deutschen Nationalfarben ist aber keine große Ausnahme. "Wir versuchen das Schaufenster immer nach Themen und Jahreszeiten zu dekorieren", erklärt Marita Scheublein. Das hätte kürzlich beinahe fatale Folgen gehabt. Denn in einem Fenster hängen "Tütenhühner", die dem toten Federvieh von Witwe Bolte in "Max und Moritz" ähnlich sehen. Eine Autofahrerin hätte beinahe einen Unfall gebaut, weil sie beim Vorbeifahren an ihrem Geschäft Prima-Heimtextilien nach den Hühnern geschaut hatte, erzählen die beiden Frauen. Es ist gerade noch einmal gut gegangen.
Dass die deutsche Fußballnationalmannschaft bei ihrem heutige Spiel verliert, womit die Nachfrage nach gestrickten oder gehäkelten Fan-Artikeln wohl merklich schrumpfen würde, glauben Brigitte Brinke und Marita Scheublein nicht. "Deutschland kommt weiter." Da sind sie sich ganz sicher.