Man begnügt sich nicht alleine mit Kleinteiligem, wie mal eine Ausstellung neu eröffnen. Zu den neuen Schikora-Bildern gesellt sich in der Nachbarwohnung ein Kunstprojekt, das sich neudeutsch "Work in Progress" nennt. Kunst entsteht vor Ort, der Raum ist Atelier und Ausstellung zugleich und die Künstlerin, in diesem Fall Linde Unrein, arbeitet öffentlich, lässt also jeden Arbeitsschritt beobachten.
"Mia Hochrein hat mich eingeladen, diese Art von Kunsterfahrung zu machen. Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dazu bereit erklärt."

Die Schweinfurter Künstlerin hatte bereits an der ersten Ausstellung im Bahnhof teilgenommen und auch ein Buch mit ihren Illustrationen wurde vorgestellt. Sie ist also eine "Artist in residance", also ständig mit unterschiedlichen Angeboten vertreten.

Die "Verteidigerin des Tafelbildes" wie sie ihre Profession nennt, muss in den nächsten Wochen mit Gerüst und Leiter umgehen, einen ungewohnten Maluntergrund bearbeiten und das Werk auch noch rechtzeitig zu Ende bringen.

Wie eine große Zahl der Vernissage- Gäste, vernahm auch Linde Unrein zu späterer Stunde ungewohnte Klänge in der Unterführung des Bahnhofs. Denn es gab bei else!² eine weitere Premiere. Erstmals wurde im Durchgang zum Michelsgrund offiziell Musik gemacht. Hatte man im Vorfeld die Trichterwirkung des Bauwerks bei lauter Musik befürchtet, war das Gegenteil bei der Realisation zu erleben. Gewiss die drei Musiker Dirk Berthel, Jan Polacek und Detlev Beck hatten ein imposantes Stückwerk von elektronischen Geräten in die gekachelte Bahnhofsunterführung gestellt, doch erwies sich der Umgang mit den "Instrumenten" als elementar feinfühlig für die Ohren.

Ein Klangteppich fand den Weg nach draußen, der mit einer Bassgitarre, einer afrikanischen Daumenorgel und einem Synthesizer die Grundlage bildete. Töne kamen von Orgelpfeifen, einem Spielzeugauto, einer Vinylplatte, Sequenzen von PC -Einspielungen und das Blasen auf einer Bierdose wurden eingeflochten. "Wir üben sowas nicht, wir spielen einfach!" meinten übereinstimmend Jan Polacek und Detlev Beck. Und das klang nach dem dritten Auftritt der Drei für ungeübte Electronic-Hörer überraschend gut.