Das Rhön-Athen an der Lauer oder der Musentempel der Rhön - so wird das Münnerstädter Gymnasium in alter Literatur beschrieben. Auch der Name "Studiengenossenfest" stammt aus einer vergangenen Zeit. Das Fest selbst aber wird bis heute gefeiert. Mehrere hundert Ehemalige besuchen an diesen drei Tagen ihre alte Schule.
"Ich empfinde meine Schule immer noch als etwas Besonderes, betonte beim Festakt am Samstag Oberstudiendirektor Joachim Schwigon, der in Münnerstadt sein Abitur abgelegt hat und jetzt als Schulleiter am Gymnasium tätig ist. Das hat es zuvor bisher nur einmal gegeben, vor rund 250 Jahren, wie die Festteilnehmer beim Festakt von der Leiterin der Augustinerbibliothek, Carolin Oser-Grote, erfuhren.
Besonders an diesem Studiengenossenfest war, dass Abiturjahrgänge aus mehr als sieben Jahrzenten nach Münnerstadt kamen. Dr. Josef Bocklet hat 1942 sein Abitur am Gymnasium abgelegt. Sein Jahrgang war der letzte, der ein normales Abitur schreiben konnte, erzählt er. Normal allerdings war trotzdem nichts mehr in dieser Zeit. "Wir waren nur noch vier Schulkollegen", erinnert er sich zurück. Die nächsten Jahrgänge im Krieg schrieben nur noch ein Notabitur. Zu den ersten Abiturienten nach dem Krieg gehören die Zwillingsbrüder Hildenbrand. Dr.Josef und Dr. Thomas Hildenbrand waren Abiturienten des Jahrganges 1946.

Abiprüfung zur Währungsreform

Am Tisch sitzen noch zwei Frauen; sie haben ihr Abitur in den späten 1940ern abgelegt. Dr. Hannelore Welte erinnert sich, dass unmittelbar auf ihre Abi-Prüfungen die Währungsreform folgte. "Wir wussten damals nicht, wie es weitergeht, aber wir waren voller Optimismus", sagt Hannelore Welte. Groß war der Altersunterschied im Abiturjahrgang 1948, erinnert sich Hannelore Welte, die heute in Nürnberg lebt. Acht Jahre lagen zwischen den Jüngsten und dem Ältesten der Klasse. Der Krieg zeigte auch hier noch seine Auswirkungen.
Ein Jahr später hat Gudrun Ellgaß ihr Abitur in Münnerstadt abgelegt. Auch sie ist am Eröffnungsabend die einzige Vertreterin ihres Jahrganges. Gudrun Ellgaß wollte dieses Fest noch einmal erleben. In fünf Jahren, glaubt sie, werde sie wohl nicht mehr dabei sein. Ihr gefällt diese Institution und sie ist gerne nach Münnerstadt gekommen, "auch wenn ich kaum mehr jemanden kenne". Früher war das anders. Gudrun Ellgaß ist in Münnerstadt geboren. Ihre Großeltern, das Ehepaar Neumann, führten im Städtchen ein Lebensmittelgeschäft. Auch wenn der Kreis der Schulbekanntschaften in diesem Alter kleiner geworden ist, für Gudrun Ellgaß ist das Studiengenossenfest weiterhin der Anlass, wo man sich sehen kann.

Die Jüngeren fehlen

Am oberen Ende der Münnerstädter Mehrzweckhalle sind die Tischreihen gelichtet. Dort sind die Kärtchen für die jungen Jahrgänge aufgestellt. Mittendrin sitzen vergnügt ein Grüppchen junger Männer und Frauen. Das Jahrgangskärtchen 2005 steht auf dem Tisch, aber nicht alle gehören auch dazu. Man hat sich zusammengesetzt, wie am anderen Ende die 1940er Jahrgänge. Das Rakoczy-Fest in Bad Kissingen sei sicherlich eine Konkurrenz für den Abend, glaubt Daniela Kallinich. Die älteren Semester unter den Ehemaligen wundern sich wenig über das auffallende Fehlen der jüngeren. "In dem Alter sind wir auch noch nicht gekommen", stellen sie fest.

Ausklang am Marktplatz

Drei Tage lang wurde gefeiert. Manche Studiengenossen haben drei volle Tage durchgehalten. Andere haben nur für ein paar Stunden vorbeigeschaut. "Es ist immer wieder schön", stellt Gerhard Geisbauer fest. "Die Zeit vergeht dabei eigentlich viel zu schnell".