17 Jahre war Pater Jordan Fenzl OSA, als im klar wurde, dass er Priester werden will. Es sei wie eine Erleuchtung gewesen. Die Confessiones des Augustinus hätten ihn in seiner Überzeugung gestärkt, dafür das Leben im Augustinerorden zu wählen. Seit 60 Jahren ist P. Jordan nun Priester. "Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Jubiläum einmal erleben werde", betont der Geistliche, der seit 2009 im Betreuten Wohnen St. Michael in Münnerstadt lebt. Am 21. Juli 1957 wurde er in Würzburg vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Aloysius Muench, zum Priester geweiht.

Pater Jordan kann auf ein bewegtes und reiches Leben als Seelsorger und Augustiner zurückblicken. Er erinnert sich gerne und dankbar zurück. Menschen zu helfen, sei ihm immer ein Anliegen gewesen, betont er. Bis heute versucht der 87-jährige zu helfen, wenn er gebraucht wird. "Nur ein Leben, das für andere gelebt wird, ist es wert gelebt zu werden", diese Weisheit des hl. Augustinus hat er so auch als Text für sein Jubiläums-Bild gewählt. Noch immer hält er Gottesdienste. Noch immer bereitet es ihm großes Vergnügen zu predigen. Allerdings zeige ihm das Alter manchmal seine Grenzen auf, sagt er. Früher war es für ihn kein Problem zwei oder drei Gottesdienste in Folge zu zelebrieren. Heute ist einer genug. "Man muss lernen sich zurückzunehmen", ist eine Erkenntnis, die das hohe Alter ihn gelehrt hat.


Der alten Heimat verbunden

Wenn Pater Jordan zurückblickt, gehen seine Erinnerungen in die alte Heimat, nach Roßhaupt im Egerland. Dort ist er geboren und mit drei Geschwistern aufgewachsen. Die Verbindung zum Sudetenland hat er nie aufgegeben. So war er auch viele Jahre Vertriebenenseelsorger der Diözese Augsburg. Den Glaubensbrüdern hinter dem Eisernen Vorhang zu helfen, war ihm ebenso ein wichtiges Anliegen.


Abitur in Münnerstadt

Gerne erinnert sich Pater Jordan Fenzl auch an seine frühen Münnerstädter Jahre zurück. Als sein Entschluss, Augustiner zu werden, feststand, wechselte der junge Herbert Fenzl, so sein weltlicher Name, vom Augustinerseminar in Weiden in die Münnerstädter Klosterschule. Streng sei es schon gewesen, "aber wir haben viel gelernt", sagt er. Und manchmal, wenn er in seiner Freizeit in der Klosterbäckerei mithalf, gab es für ihn sogar ein Bier aus der klostereigenen Brauerei.


Viele Auszeichnungen

Nach dem Abitur absolvierte er in Münnerstadt sein Noviziat, ehe er in Würzburg das Theologiestudium aufnahm. Die Stadt ist ihm seitdem ans Herz gewachsen. Er habe sehr gerne studiert, erklärt er. Die Adventstage in Würzburg hat er in besonderer Erinnerung; da war er regelmäßig als Nikolaus unterwegs. In die Rolle des Heiligen schlüpft er bis heute in den Tagen rund um den 6. Dezember. Auch in diesem Jahr will er wieder für die Hohenrother Senioren den Nikolaus spielen.

Pater Jordan war an vielen Orten als Seelsorger und im Schuldienst tätig. Er war in Zwiesel, Stuttgart, Günzburg oder Wien in verschiedenen Aufgabengebieten eingesetzt. So war er in Wien zehn Jahre lang als Regionalvikar tätig. Für sein seelsorgerisches Wirken erhielt er viele Auszeichnungen (unter anderem Geistlicher Rat der Diözese Augsburg, Konsistorialrat der Erzdiözese Wien). Sein Engagement für die Heimatvertriebenen wurde mehrfach durch Ehrungen gewürdigt. Außerdem ist P. Jordan Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes am Bande. Im Orden übernahm er als Prior in verschiedenen Konventen regelmäßig Verantwortung.

Zu seinen früheren Wirkungsstätten hält Pater Jordan weiter enge Verbindungen. Es freut ihn, dass jetzt, so kurz vor seinem Priesterjubiläum, viele frühere Wegbegleiter aus der Ferne sich bei ihm melden. Auch zum Festgottesdienst haben sich zahlreiche Gäste angekündigt.