Es gibt zwei triftige Gründe: "Wir wollen und wir sind gezwungen, was zu machen", sagt Marco Schäfer, Vorstand der Carl von Heß'schen Sozialstiftung. "Die Altenpflege steht vor großen Herausforderungen." Damit spricht er die Vorschriften an, in denen der Gesetzgeber unter anderem die Größe der Zimmer und die Ausstattung mit Nasszellen geregelt hat. Die Zeit drängt, noch in diesem Jahr läuft die "Schonfrist" ab, wobei es allerdings noch Ausnahmen gibt. "Wir wollen aber auch was machen, um unsere Attraktivität zu steigern und so am Markt bestehen zu können", erklärt der Vorstand.
Seit die landkreiseigene Carl von Heß'sche Sozialstiftung vor drei Jahren das Juliusspital als zweites Haus in Münnerstadt neben dem Seniorenzentrum St. Elisabeth übernommen hat, war klar, dass nach einer gewissen Anlaufphase Teile zusammengelegt, Synergieeffekte genutzt werden sollen. Das wird jetzt bei den Küchen passieren.


Drei mögliche Standorte

Als möglicher Standort einer Gemeinschaftsküche seien die Einrichtungen des Juliusspitals, des Seniorenzentrums und auch ein möglicher externer geprüft worden, erläutert Marco Schäfer. "Im St. Elisabeth haben wir die besten Möglichkeiten zu erweitern."
Sobald es die Witterung zulässt, soll mit dem Ausbau der Küche dort begonnen werden. Lediglich ein kleiner Anbau wird von außen zu sehen sein. Trotzdem haben es die Umbauarbeiten in sich. Marco Schäfer geht von Investitionen in Höhe von einer bis zu 1,5 Millionen Euro aus. "Küchengeräte sind teuer", sagt die Leiterin des Juliusspitals, Dagmar Schirling dazu. Wie hoch die Investitionssumme tatsächlich sein wird, hängt davon ab, wie viele Geräte aus der heutigen Juliusspital-Küche noch für die neue Gemeinschaftsküche verwendet werden können.


Knapp 230 Essen

Künftig werden also die 75 Mittagessen für das Spital, 30 im Haus St. Michael (Betreutes Wohnen), 72 im St. Elisabeth, 45 Essen auf Rädern und zehn für Tagesgäste (in beiden Häusern) in einer Küche gekocht. "Für die Tagesgäste ändert sich nichts", sagt Dagmar Schirling. Das trifft eigentlich auf alles zu. Eine Zusammenlegung wird es übrigens vorerst nur bei der Küche geben. Bei der Leitung sei dies vorläufig nicht geplant. Um von nur einer Leiterin geführt zu werden, seien die Seniorenheime einfach zu groß, meint der Vorstand


Verwaltung zieht um

In den Räumen des Juliusspitals, in denen sich heute die Küche befindet, wird nach der Zusammenlegung die Verwaltung des Spitals einziehen, die sich derzeit noch im Erdgeschoss des Altbau-Hauptgebäudes in der Riemenschneiderstraße befindet. Dann kann der eigentliche Umbau beginnen.
Heute muss ein Einzelzimmer 14 Quadratmeter groß sein, ein Doppelzimmer 20 Quadratmeter. Jedes Zimmer muss einen direkten Zugang zu einer Nasszelle haben. Das sind Vorgaben, die im Altbau derzeit oft nicht eingehalten werden können. Mit dem Umbau soll sich das ändern. Die Fassade des Einzeldenkmals bleibt - sieht man einmal von ein paar Veränderungen an den Gauben ab - so bleiben wie sie ist. Im Inneren dagegen wird großflächig umgebaut. Rund drei Millionen Euro wird das kosten.


In einem Ruck

Weil der Baulärm eine unzumubare Belastung für den Bewohner darstellen würde und weil es einfach wesentlich schneller geht, soll der Altbau komplett saniert werden. "Die Bewohner werden rechtzeitig informiert", sichert Marco Schäfer zu. Im Neubau des Spitals, im Seniorenzentrum und in den anderen vier Häuser des Carl von Heß'schen Sozialstiftung sollen die Senioren wenn möglich vorübergehend untergebracht werden. Die Verantwortlichen hoffen, dass nach etwa neun Monaten alles erledigt ist. Ein Wermutstropfen: Durch die Vergrößerung der Zimmer wird das Juliusspital künftig nun noch über 65 statt der heute 75 Plätze verfügen.
Marco Schäfer macht keinen Hehl daraus, dass er die Vorgaben des Gesetzgebers und die rigorose Durchsetzung für wenig sinnvoll hält. Das habe schon dazu geführt, dass Häuser aufgeben mussten. Der Stiftung sei es möglich, die hohen Investitionskosten zu stemmen, ein privater Betreiber könne da in ganz andere Schwierigkeiten kommen.
Es sei die richtige Entscheidung gewesen, das Juliusspital zu übernehmen, findet Marco Schäfer drei Jahre danach. Bereits seit damals ist auch der Betrieb des Hauses St. Michael in den Händen der Carl von Heß'schen Sozialstiftung, im letzten Jahr ist noch die Immobilie - das frühere Augustinerkloster St. Michael - dazu gekommen. Das besondere klösterliche Ambiente und die Augustiner als Mitbewohner machen das Haus offensichtlich besonders attraktiv. Denn es ist nicht nur voll beleget, es existiert sogar eine Warteliste, sagt Dagmar Schirling.