Er besucht im zweiten Jahr die Berufsfachschule für Sozialpflege. Dort wird in Kooperationsklassen unterrichtet, in denen die Schüler nicht nur mit Stoff gefüttert, sondern auch intensiv begleitet werden. Ein Modell, das sich bewährt, findet Paul Pirmann, der auch Schülersprecher ist.

In den nächsten Wochen beginnen für ihn die Abschlussprüfungen. Bei einer Fachtagung im BBZ zum Thema "Pflegeberufe fallen nicht zum Himmel" stellte der junge Mann sich und seinen Lebensweg vor.

Pirmann glaubt nicht, dass er die Berufsfachschule mit einer solchen Motivation absolviert hätte, gäbe es nicht die spezielle Förderung. In der Berufsfachschule am Berufsbildungszentrum arbeitet seit 2009 an zwei Wochentagen ein Sonderpädagoge in den Klassen mit. Zwei Lehrer stehen dann in der Klasse und können gezielt Schüler fördern.

Gerwin Wild übernimmt vom ersten Schultag an eine wichtige Funktion in den Klassen. Er führt Förderplangespräche und stellt fest, ob es Defizite und Probleme bei den Schülern gibt. Es geht nicht nur um das Erkennen möglicher Lernschwächen, sondern auch darum zu erfahren, was einem erfolgreichen Abschluss sonst noch im Wege stehen könnte. Mehrfach genannt wurden bei der Tagung finanzielle Probleme. Nicht selten kommt es vor, dass sich Familien das Fahrtgeld zur Schule gar nicht leisten können, weil es - selbst bei einer Rückerstattung durch den Schulträger - vorgestreckt werden muss. Andere sind alleinerziehend und wissen nicht, wie sie Schule und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen können. Und wieder andere sind während dieser Ausbildung völlig mittellos, was vor allem erwachsene Frauen betrifft, die noch keine Berufsausbildung haben. Sie bekommen dann weder Bafög noch Hartz IV.

Gesellschaft hat sich geändert

Wenn Gerwin Wild zusammen mit Pia Schlembach oder Claus Berger Unterricht hält, dann ist mehr Zeit, auf das individuelle Lerntempo der einzelnen Schüler einzugehen. Denn die Schüler kämen, anders als früher, heute mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. "Es ist eine sehr befriedigende Arbeit", betont Claus Berger. "Wir können den Schülern mehr gerecht werden".

Pia Schlembach betont, dass es keine Stigmatisierung gebe. Jeder Schüler könne selbst entscheiden, ob er eine Stoffvertiefung braucht oder nicht. Auch die Leistungsstarken blieben dadurch nicht auf der Strecke, wurde betont. Sie würden durch die Doppelbesetzung im Unterricht zusätzlich gefördert. Außerdem sind sie Mentoren für die Schwächeren. So betreut schaffen die Schüler in der Regel den Abschluss, sagt Gerwin Wild. Gleichzeitig sinkt die Abbrecherquote.

Paul Pirmann bestätigt die Ausführungen seiner Lehrer. Er hat am Berufsbildungszentrum eine Betreuung genossen, wie er sie bisher nicht kannte. Seine schulische Laufbahn sei schwierig gewesen, sagt der 25-jährige. Er ist vor 16 Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen und hatte Schwierigkeiten mit der Sprache. In der Schule sei er damals nur schwer mit gekommen. Trotzdem hatte er einen Ausbildungsplatz zum Mechaniker gefunden, seine Lehre auch absolviert. Doch letztendlich merkte er, dass dies nicht seine Berufung ist. Anfangs hatte er Bedenken, ob er die Berufsfachschule schaffen würde. Das ist heute kein Thema mehr. Die Kooperationsklasse hat mir sehr geholfen, im Schulischen und im Persönlichen", sagt Pirmann rückblickend. Er will jetzt die mittlere Reife ablegen und wechselt auf die neue Fachschule für Heilerziehungspflege am BBZ.

Der Leiter des Berufsbildungszentrums, Oberstudiendirektor Harry Koch, bezeichnete die Kooperationsklassen an den Berufsfachschulen für Sozialpflege und Ernährung/Versorgung als Erfolgsmodell. Trotzdem gebe es Bereiche, wo er auf Nachbesserungen von politischer Seite hofft - bei der finanziellen Unterstützung der Schüler beispielsweise, damit sie sich nicht mehr länger für Hartz IV oder eine Berufsausbildung entscheiden müssten. Oder für eine flexiblere Fahrtkostenerstattung. Auch versteht Harry Koch nicht, weshalb es für Berufsfachschulen keine Möglichkeit gibt, einen Jugendsozialarbeiter zu beschäftigen. Derzeit übernähmen am BBZ diese Aufgabe, soweit es ihnen möglich ist, mit.

Politiker mit offenem Ohr

Landrat Thomas Bold versprach, man werde sich um Verbesserungen über die politische Schiene bemühen. Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar, betonte, das Thema sei bei ihr angekommen. Landrat Bold verteidigte aber auch die Haltung der Behörden. Man sei an gesetzliche Vorgaben gebunden. "Sie haben die gesetzlichen Bestimmungen, wir haben die Schüler", meinte dazu Pia Schlembach.

Die Rektorin der Adolph-Kolping-Berufsschule in Schweinfurt, Ulrike Albrecht-Schüler, rechnete vor, dass es sich für den Steuerzahler lohnt, in diese spezielle Förderung zu investieren. Die anwesenden Vertreter der Heime und Pflegedienste bestätigten bei der Tagung, dass sie über die Praktika der Berufsfachschüler immer wieder junge Nachwuchskräfte für eine spätere weiterführende Ausbildung in der Alten-, Kranken- oder Heilerziehungspflege oder im Erzieherbereich fänden. Sie hätten in der Praxis gute Erfahrungen gemacht.