Wie war das, als es vor 30 Jahren in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik rumorte, sich Volk plötzlich gegen die Regierung stellte, erste Demonstrationen stattfanden, Friedensgebete folgten, die Ausreise über Ungarn und schließlich die Grenzöffnung kam. Landrätin Peggy Greiser, Kristin Floßmann und Michael Heym beide CDU-Mitglieder im Thüringer Landtag, Ralf Luther, Vorsitzender des Vereins Autobahnkirche A 71 und Pfarrer Michael Schlauraff erinnerten sich im Rahmen des Gottesdienstes in der Autobahnkirche, wie viele andere. Ganz offiziell bekam die kleine Kirche nun den Namen "Kirche der Einheit - Herbst '89".

Der Künstler Gernot Ehrsam erinnerte an die Anfänge, und immer wieder fiel der Name "Dr. Fritz Steigerwald". Zahlreiche Besucher waren gekommen, um mit Pfarrer Michael Schlauraff (Bibra) und Pastoralreferent Ulrich Emge (Mellrichstadt) einen ökumenischen Dankgottesdienst zu feiern.

Mehr als 12.000 Kerzen

Wie gut die Kirche angenommen wird, zeigt vor allem das Anliegenbuch und die mehr als 12.000 Kerzen, die seit der Fertigstellung entzündet wurden. Mittlerweile liegt schon das fünfte Anliegenbuch aus, sagte Ralf Luther zur Begrüßung. Bis die Schrift an der Außenseite der Kirche angebracht ist, verweist am Eingang eine kleine Tafel auf den Namen. Der evangelische Pfarrer Michael Schlauraff erinnerte daran, dass er den Dienst mit der Waffe verweigert hatte und deshalb in der damaligen DDR Bausoldat war. Rückblickend sagt er: "Was ist da eigentlich passiert im Herbst 1989 - Auf einmal sah alles ganz anders aus!" Der Pfarrer erinnerte an den Beginn der Demonstrationen am 13. August 1989 zunächst mit 400 Menschen, an die rund 20.000 Flüchtlinge, die über Ungarn die Ausreise in der Prager Botschaft erreichten und an die Friedensgebete in Leipzig und Meiningen. "Ich selbst war in Leipzig als Bausoldat dabei, und wir wussten nicht, was passiert." Dort erfuhr er, dass die Soldaten je 150 Schuss Munition bekommen hatten. Alles sei aber friedlich verlaufen - ein Wunder.

Parallele zum Volks Israel

Pastoralreferent Ulrich Emge unterstrich in seiner Ansprache, dass das Licht aus der Kirche kam. Die Menschen, die damals auf die Straße gingen, seien voller Hoffnung, und Sehnsucht nach Frieden, Einheit und Demokratie gewesen. Wie gefährlich die Situation war, zeige die Tatsache, dass in Leipzig Panzer aufgefahren und Soldaten schussbereit waren. "Das Wunder von Dresden, das Wunder von Leipzig - alles verlief friedlich." Das alles nach dem 40. Gründungstag der DDR. Der Pastoralreferent zog eine Parallele zum Volk Israel, das nach 40 Jahren Knechtschaft ins gelobte Land auszog. Auf dem Weg zur Wende seien es die Kirchen gewesen, die den Menschen Raum gaben, um das auszusprechen, was sie bewegte.

Der Name Ulrich Töpfer fiel, der der Initiator der Meininger Friedensgebete war. "Die Menschen haben damals auf ein Wunder gehofft und mit Gottes Hilfe ihre Angst überwunden." Im Gottesdienst wolle man deshalb für sein wunderbares Wirken danken. Die Autobahnkirche sei ein Ort der Gottesbegegnung über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Sie erinnert an den Geist der Gewaltlosigkeit. Sie sei ein Ort, an dem Menschen Gott ihre Sorgen anvertrauen und von ihm gestärkt wieder aufbrechen.

18 Jahre war die heutige Landrätin von Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser, 1989 und sprach von einem Wunder, das damals geschehen ist. Dir Kirchen seien es gewesen, die den Menschen Mut machten. "Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke." Traurig findet es Peggy Greiser, dass es nach 30 Jahren noch immer nicht gelungen ist, die Lebensleistungen der ehemaligen DDR-Bürger denen der Bundesdeutschen anzugleichen. 30 Jahre Grenzöffnung sei aber auch ein Datum, das nicht in Vergessenheit geraten dürfe und an die junge Generation weitergegeben werden muss. "Gerade junge Menschen wissen nicht, wovon wir reden." Deshalb sei es wichtig, an diese Ereignisse im Herbst 1989 zu erinnern. Einen wichtigen Beitrag leiste dazu die Autobahnkirche an der A 71, an der Schnittstelle der einstigen innerdeutschen Grenze.

Rückzugsort und Ruhepol

Das unterstrich auch Rhön-Grabfelds stellvertretender Landrat Peter Suckfüll (Nordheim/Rhön), der die sehr gute Nachbarschaft ansprach, die in den vergangenen drei Jahrzehnten entstanden ist. Ihm ist es wichtig, die Entwicklung in Deutschland positiv zu sehen. Zur Autobahnkirche sagte Peter Suckfüll, dass sie ein Rückzugsort und Ruhepol ist. Rhön-Grabfelds Kreiskulturreferent Hanns Friedrich (Bad Königshofen) habe vor zwei Jahren die Idee der Namensgebung bei einer Jahresversammlung vorgebracht, und das sei auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Öffnung der Grenzen im Jahr 1989 nannte er einen Glücksfall für den Landkreis Rhön-Grabfeld. Für den damaligen Landrat Fritz Steigerwald sei es ein Herzensanliegen gewesen, diese Kirche zu bauen. In seiner Vorstandschaft und dem damaligen Landrat Ralf Luther, habe er Gleichgesinnte gefunden. Von ihm stamme auch die Aussage, dass diese Kirche ein Gedenkstein des Friedens sein sollte.

Gerade mal sechs Jahre alt war die Landtagsabgeordnete Kristin Floßmann (Hildburghausen) und kann sich nur schwach an das Geschehen erinnern. Wichtig ist es ihr deshalb aber, dass die junge Generation von diesem Umbruch, die Friedensgebete, die Demonstrationen aber auch die Gefahren erfährt. Menschen, die diese Ereignisse erlebten, sollten ihre Erlebnisse unbedingt weiter erzählen. "Die Kirchen waren entscheidend, und dafür sind wir heute noch sehr dankbar." Ihr Landtagskollege Michael Heym aus Rohr bei Meiningen (CDU) sagte, dass niemand im Osten und im Westen daran geglaubt hatte, dass es eine Wiedervereinigung so schnell geben wird. Von einer bewegten Zeit sprach er und davon, dass die Menschen nicht wussten, wie alles ausgeht. Schließlich gab es in dieser Zeit auch die Besatzungsmächte, die mitzuentscheiden hatten. Heute sei die deutsche Einheit mit Leben erfüllt. Vieles lebte wieder auf, vor allem die verwandtschaftlichen Beziehungen und Freundschaften. Auch Michael Heym nannte Landrat Fritz Steigerwald, für den diese Einheit ein Herzensanliegen war. Dank galt Ralf Luther, der als Vorsitzender die Idee des verstorbenen Steigerwald weiter getragen hat. "Das ist aller Ehren wert!"

Erinnerung an die Anfänge

Der Künstler Gernot Ehrsam erinnerte an die Anfänge, von der Idee über die Planung bis zur Fertigstellung. Er selbst habe nicht zu hoffen gewagt, dass er eines Tages in der Kirche an der Autobahn A 71 am Altar stehen wird und das Gotteshaus fertig gestellt ist. Ehrsam sagte, dass die kleine Kirche jedem offen steht. "Hier könne Moslems ebenso rein wie katholische und evangelische Christen - auch Menschen ohne christlichen Hintergrund. Mitgebracht hatte er einen Holzblock, auf dem der Davidstern und die Buchstaben "I N R I" eingeritzt waren. Der Davidstern sei Zeichen der Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Inschrift "I N R I" erinnere an Christus, der für die Menschen gestorben ist. Der Wanderstab, den Gernot Ehrsam noch dabei hatte, war Symbol einer Pilgerreise, auf de sich die Menschheit befindet. Die musikalische Gestaltung hatte Kantor Sebastian Fuhrmann.