Die Stadt möchte den Ansatz für den Kauf eines Wohncontainers von 20 000 auf 5000 Euro kürzen. Zwar ist der Haushalt noch nicht beschlossen, dieser Passus dürfte aber wie bereits bei der Sitzung des Finanzausschusses eine breite Mehrheit finden. "Hat die Stadt nichts übrig für die Obdachlosen, oder will sie ihrer Verpflichtung nicht richtig nachkommen?", hat sich da mancher gefragt. Dem ist ganz und gar nicht so, die Angelegenheit ist viel komplizierter.

Eigenes Gebäude verkauft

"Wir haben keine eigene Unterkunft mehr", sagt Bürgermeister Helmut Blank (CSU) dazu. Früher gehörte der Kommune ein Gebäude am Karlsberg, das allerdings heruntergewohnt war und für geschätzte 100 000 Euro hätte saniert werden müssen. Das Haus wurde verkauft. "Wir haben die Leute in letzter Zeit in Ferienwohnungen untergebracht, oder ein Zimmer in einem Hotel angemietet", erläutert Helmut Blank. Als Beispiel nennt er den Großbrand im Januar 2012 in der Riemenschneiderstraße, nach dem 25 Münnerstädter auf einen Schlag kein Dach mehr über dem Kopf hatten. Damals mietete die Stadt Ferienwohnungen an. "In Notsituationen werden wir auch weiterhin so verfahren", sagt der Rathauschef. Normalerweise ist es aber nicht üblich, dass jemand auf Kosten der Stadt untergebracht wird, nur weil er seine Wohnung verliert.

Zuständig im Münnerstädter Rathaus für solche Fälle ist Bernd Hochrein. Er verweist auf die Mitwirkungspflicht der Betroffenen. Sie müssen sich zunächst selbst bemühen. "Wir helfen ihnen dabei Wohnraum zu finden", sagt er. Es gebe in Münnerstadt genug Möglichkeiten und das sogar relativ günstig. Im Bedarfsfall gebe es ja auch das Wohngeld.

Zunehmend junge Leute

Ein bis zwei solcher Fälle gibt es im Jahr, schätzt der Standesbeamte. Dabei seien es keineswegs nur Menschen, die Probleme mit Alkohol oder Drogen haben. "Es sind zunehmend junge Leute, die über ihre Verhältnisse leben."

Für Notfälle und Normalfälle ist die Sache klar. Der Container ist für ein anderes Klientel gedacht: Problemfälle. Der Bürgermeister formuliert es vorsichtig: Es gebe einfach Menschen, bei denen die Vermittlung einer neuen Wohnung nicht so einfach wird und die nicht von der Stadt in ein Hotel untergebracht werden können, weil sich die Hoteliers schlichtweg weigern würden. Diese Menschen könnten dann vorübergehend im Container untergebracht werden, bis eine andere Lösung gefunden wird.

Bei der angespannten Haushaltslage ist ein neuer Wohncontainer nicht vorgesehen, der Stadtrat hat den Ansatz auf 5000 Euro gesenkt, damit sich die Verwaltung nach einem gebrauchten umsehen kann. Wenn es so weit ist, wird der Stadtrat über den Kauf noch einmal zu entscheiden haben.

Dass es nur ein gebrauchter Container werden soll, findet die volle Unterstützung von Willi Michel vom gleichnamigen Betreuungsdienst für Sucht- und psychisch Kranke. Und selbst der dürfte nicht allzu gemütlich eingerichtet sein. Der Grund: "Damit die Motivation gegeben ist, selbst etwas zu ändern." Gemeint sind natürlich die Lebensumstände.

Ein Konflikt

Willi Michel weiß, wovon er spricht. Er betreut Suchtkranke und Menschen, die beispielsweise ein Vermüllungssyndrom aufweisen. Zu ihm kommen Leute, die ihre Sucht nicht mehr unter Kontrolle haben, aber gerne die Kontrolle über die Suchtmittel hätten. Ein nicht leicht zu lösender Konflikt.

Der Betreuer hat schon mehrfach Münnerstädter aufgenommen, die sonst Obdachlos geworden wären, weil an diesem Tag die Räumung ihrer Wohnung anstand. Aber im Betreuungsdienst müssen Regeln eingehalten werden. Das ist für viele nicht leicht. Und so sind Rückfälle keine Seltenheit, sie führen auch nicht gleich zum Ausschluss. Es hat aber auch schon wenige Einzelfälle gegeben, bei denen er die Betreuten vor die Tür gesetzt hat, weil sie sich absolut nicht an die Regeln gehalten haben, fügt er hinzu. Wenn diese dann in einer städtischen Wohnung oder einen gemütlichen Wohncontainer untergebracht würden, hätten sie keinen Grund, ihr Verhalten zu ändern.

Deshalb findet er auch die frühere Entscheidung der Stadt richtig, das Haus am Karlsberg zu verkaufen. Es sei nicht gut, wenn mehrere Menschen mit solchen Problemen ohne Betreuung zusammen leben.