Richard Albrecht ist sauer auf die katholische Kirche in Münnerstadt und hält damit nicht hinterm Berg. Seine Mutter ist gestorben und Richard Albrecht wollte mit Rücksicht auf seinen betagten Vater einen anderen Beerdigungstermin als den in Münnerstadt üblichen um 14 Uhr. Den hat er letztendlich zwar bekommen - um 11 Uhr - aber ohne Trauerandacht in der Stadtpfarrkirche. Es sei ein einziger Kampf gewesen, erklärt er. Alle hätten Bereitschaft signalisiert, nur der Stadtpfarrer P. Markus Reis hätte diesen Termin nicht gewollt. Letztendlich kam es zu einem Kompromiss. Die Kirche blieb aber geschlossen. Die Andacht fand in der Aussegnungshalle statt, was Richard Albrecht nicht verstehen kann. Er hätte gerne eine Feier im Gotteshaus gehabt, aber ohne Messe, um die Trauerfeier für seinen Vater nicht zu lange zu machen.
Richard Albrecht hatte sich in seinem Anliegen sogar ans bischöfliche Ordinariat nach Würzburg gewandt. Die dort zuständige Stelle sah aber keine Veranlassung, tätig zu werden, da Gottesdienstzeiten Sache der örtlichen Seelsorge seien, erklärt Dekan Thomas Keßler, der über diesen Sachverhalt aus Würzburg informiert worden war. Keßler verweist auf Anfrage unserer Zeitung ebenfalls darauf, dass dies reine örtliche Belange sind.

Unterschiedliche Regelungen

Dekan Keßler betont, dass es im Landkreis ganz unterschiedliche Regelungen bei Trauerfeiern gebe. In Winkels beispielsweise würden Beerdigungen nicht vor halb drei gehalten, alleine deshalb, weil die Ministranten vorher nicht von der Schule daheim sind. In Bad Kissingen sei das anders. Da gebe es ab 11 Uhr ganz unterschiedliche Termine, immer öfters auch ohne Requiem.
Der Disput über die Trauerfeier hat in der Stadt Münnerstadt zu Diskussionen geführt, ob feste Zeiten nun sinnvoll sind oder nicht. Richard Albrecht spricht von einer starren Haltung des Stadtpfarrers. Stadtpfarrer Pater Markus dagegen sieht in der festen Terminierung der Beerdigungszeiten keine Starrheit, sondern Verlässlichkeit. Er versteht zudem nicht, dass die Angelegenheit noch immer diskutiert wird, nachdem er und Pater Rudolf - dieser hielt die Trauerfeier - sich mit der Familie auf den 11-Uhr-Termin geeinigt hatten. Diese Abweichung soll für ihn aber die Ausnahme bleiben. Feste Zeiten würden den Angehörigen in einer sehr stressigen Zeit Sicherheit geben. "Regeln sind mir wichtig", erklärt er. Für ihn hat das auch praktische Gründe; er habe Planungssicherheit für andere Termine; die werden auf den Vormittag gelegt.
Zu den klaren Regeln gehört für Pater Markus auch, dass das Requiem in der Stadtpfarrkirche stattfindet, nicht aber der Wortgottesdienst für eine Trauerfeier. Das hat für ihn liturgische Gründe. Er versuche, diese Unterschiede klar zu machen. Im aktuellen Fall tun sich allerdings viele mit dem liturgischen Unterschied schwer.