Bei jedem neuen Ziel, das sie erreichten, machten sie einen Knoten für "Das kenne ich schon" oder eine Schlaufe für "Das ist neu für mich" in eine Schnur. Die hatte ihnen Stadtpfarrer Pater Markus Reis (OSA) im Hindenburgpark in Münnerstadt in die Hand gegeben. Bei der Wallfahrt rund um die Pfarrei Münnerstadt am Samstag gab es sehr viele Gelegenheiten, Knoten oder Schlaufen in die Schnüre zu machen.
Auf einer Strecke von 28 Kilometern wurden religiöse Denkmäler wie Bildstöcke, Wegkreuze oder kleine Kapellen angesteuert. Dort gab es jeweils Erklärungen und an einigen Stellen fanden auch Gebetszeiten statt.


Ganz oder teilweise dabei

Die Zahl der Wallfahrer wechselte immer wieder und betrug meist ein gutes Dutzend. Einige von ihnen, die besonders gut zu Fuß sind, absolvierten die gesamte Strecke rund um die Stadt und in die Stadtteile, andere stiegen erst später ein oder hörten früher wieder auf.
Wie Pater Markus erzählte, war die diesjährige Wallfahrt die fünfte. Letztes Jahr war die Zahl der Teilnehmer fast dreimal so groß. Das es dieses Jahr so wenige waren, führt er unter anderem darauf zurück, dass am selben Tag der Jahresausflug der Liedertafel stattfand. In früheren Jahren waren unter anderem zweimal die Kirchen der Stadtteile das Ziel der Wallfahrt. Für eine der nächsten Wallfahrten hat er schon eine Idee: "Wir könnten einmal die Orgeln in den Kirchen anhören".


Stadtpfarrer mit Handicap

Wallfahrer sind Frühaufsteher. Schon um 7 Uhr starteten sie denn auch an der Kirche in Burghausen mit Pater Rudolf Götz (OSA) an der Spitze, denn Pater Markus ist zurzeit nicht so gut zu Fuß und steuerte die einzelnen Etappen per Auto an. Mit dabei war von Anfang an Rudolf Behr aus Reichenbach. "Ich bin das erste Mal mit dabei und will die ganze Strecke machen. Das macht mir nichts aus, ich bin schon oft längere Strecken marschiert", sagte er. Er hat zwar ein paar Schlaufen in seine Schnur gemacht, "aber vieles kenne ich schon von Wanderungen und Spaziergängen".
Über die Ruine Michelsberg, wo es natürlich etliche Erläuterungen gab, marschierten Rolf Behr und seine Mit-Wallfahrer zum Hindenburgpark am Maitalweg in Münnerstadt. Hier steht seit sechs Jahren das umstrittene angebrannte Holzkreuz des Bad Neustädter Künstlers Jürgen Lacher. "Ich wollte rauskriegen, was die Motivation des Künstlers war, aber er hat sich geweigert, etwas dazu zu sagen", sagte Pater Markus vor Ort. Er verlas die Predigt, die er seinerzeit dazu gehalten hat. Die Aufregung um das Kreuz hat sich inzwischen gelegt. Dazu passte auch die Feststellung von Pater Markus, dass "vor sechs Jahren das Kreuz noch stark nach Rauch gerochen hat, heute so gut wie nichts mehr".


Viel Neues entdeckt

Im Hindenburgpark stieß Gabriele Reichherzer aus Münnerstadt zu den Wallfahrern. Sie war zum dritten Mal mit dabei und absolvierte die ganze restliche Strecke bis zurück nach Burghausen. "Für mich ist sowas kein Problem, ich bin längere Wanderungen gewöhnt und habe zum Beispiel schon 1000 Kilometer Jakobsweg in Frankreich gemacht", erzählt sie. "Viele Kreuze und Bildstöcke habe ich noch nie so bewusst gesehen", stellte sie fest und hatte am Ende entsprechend viele Schlaufen in ihrer Schnur.
Über die Talkirche, die Wendelinuskapelle und Althausen ging es in den Stadtteil Brünn. Dort wurden die Wallfahrer von Otto Rabl erwartet. Er führte sie auf den Friedhof nördlich der Staatsstraße. Bis 1803 lag der Friedhof weiter südlich an der Kirche direkt im Ort, sagte Rabl. Ein Brunnen für Brünn lag tiefer als der Friedhof. Ein neues Hygienegesetz von 1804 zwang die Gemeinde deshalb zur Verlegung des Friedhofs an ihren jetzigen Ort.
Im Mittelpunkt der Anlage steht dort ein Kreuz mit einer Pietà, die vermutlich aus der Mitte des 18. Jahrhundert stammt. "Genaueres ist nicht bekannt", bedauerte Otto Rabl fehlende Informationen. Nach einer etwas längeren Kaffeepause im Raum der Feuerwehr ging es über Reichenbach zurück nach Burghausen. Dort fand die fünfte Wallfahrt der Pfarrei Münnerstadt ihren Abschluss mit einer Vorabendmesse.