"Mürscht feiert schon in 19 Jahren ein großes Fest. Es ist dann 800 Jahre alt. Lasst uns dafür sorgen, dass wir bis dahin noch zu Recht den hohen Titel Stadt behalten. Und dazu gehört auch ein Hallenbad! Wir schaffen es, weil wir weiterkämpfen." Mit diesem Appell beendete Wolfgang Blümlein, der Vorsitzende des Bürgerbad-Vereins, die außerordentliche Mitgliederversammlung im Schützenhaus.
Etwa 70 Mitglieder und Gäste waren gekommen. Unter ihnen war auch Architekt Rainer Pitterich, nach dessen Plänen seinerzeit das Hallenbad gebaut worden war. "Wir wollen das erfolgreiche Bürgerbegehren ein wenig feiern, den ersten Teil haben wir ja schon gewonnen mit den Unterschriften von 1200 Wahlberechtigten, die unterschrieben haben", freute er sich.
Im Mittelpunkt stand die Stellungnahme des CSU-Ortsverbandes Münnerstadt vom 11. Oktober im Internet (www.facebook.com/CsuOrtsverbandMunnerstadt). Alrun Lintner ("Ich bin auch CSU, aber in Sachen Hallenbad anderer Ansicht als meine Partei") trug die CSU-Argumente vor, und Wolfgang Blümlein zerpflückte sie gleich darauf.


Bisher nichts passiert

Zum Argument, die Kassettendecke könne abstürzen und sei eine Gefahr für Leib und Leben der Schwimmer, meinte Blümlein, das sei nicht nachgewiesen, bis heute sei nichts passiert. Auch ein Unfall wie seinerzeit bei der Eishalle in Reichenhall sei hier nicht möglich, da die Konstruktion und Dimension des Hallenbades wesentlich anders seien, "bis heute ist nichts eingestürzt". Der Vorstand habe Barbara Stamm besucht und ihr einen Brief übergeben, "kurz darauf wurde von der Stadt der Abriss und der Bau eines sogenannten Lehrschwimmbeckens aus dem Hut gezaubert, angeblich im Zusammenhang mit dem Neubau des BBZ. Wir hören und sehen nichts mehr davon. Der Landkreis baut keines."
Nach der Bürgerversammlung habe der Verein ermittelt, dass die Sanierung des alten Bades fast eine halbe Million Euro billiger komme als der Abriss plus Neubau eines Kleinschwimmbades, das nicht für den Unterricht reiche. Zum Argument, die Luft im Bad enthalte Gift, sagte Blümlein "dann wären einige Leute hier im Saal heute gar nicht mehr da". Laut Architekt Pitterich sei zum Befestigen der Fliesen kein Kleber verwendet worden, der Schadstoffe ausdünsten könne, sondern Mörtel. "Dieser Grund ist also erfunden, was kommt wohl noch", kommentierte Blümlein.
Für Blümlein sind die von der CSU genannten Sanierungskosten von "mindestens fünf Millionen Euro plus 12,5 Prozent Baunebenkosten. Die Ergebnisse der Schadstoffuntersuchung sprechen sogar noch für eine weitere deutliche Erhöhung der Sanierungskosten", seiner Ansicht nach "Fantasiezahlen von selbst ernannten Gutachtern". Vor drei Jahren habe Architekt Halboth zusammen mit Fachingenieur Helfrich "solide nachprüfbare Baukosten" von rund 2,75 Millionen Euro einschließlich Nebenkosten ermittelt. Dieses Ergebnis sei von der Regierung von Unterfranken geprüft und anerkannt worden.


Streitpunkt Personalkosten

Auch mit den im Papier der CSU genannten 230 000 Euro Betriebskosten pro Jahr ist Blümlein nicht einverstanden. Die Personalkosten könnten durch ehrenamtlichen Einsatz der Wasserwacht Münnerstadt und Maßbach stark reduziert werden. Die Schließung des Hallenbades sei der mit Abstand wichtigste Punkt des Haushaltskonsolidierungskonzeptes, "die Sanierung und die erneute Aufnahme des Badebetriebes würden der Haushaltskonsolidierung den Todesstoß versetzen und zur Rückzahlung bereits gewährter Zuschüsse führen", schreibt die CSU in ihrer Stellungnahme auf Facebook. Dazu Blümlein: "Dann kann sich die Stadt auch kein Kultourismus, keine Sanierung des Sportzentrums, keine neue Feuerwehr leisten. Wir brauchen alles, wenn Mürscht schon so elend da steht, dann geht eigentlich gar nichts mehr in der Stadt."


Nur 30 Minuten im Wasser

Die Bemerkung, das Hallenbad würde für das Schulschwimmen nicht benötigt, denn die Mittelschule und das Gymnasium würden ihren Schwimmunterricht bereits im Hallenbad Bad Neustadt durchführen, im zweiten Schuljahr werde die Grundschule folgen, nahm sich Rainer Kirch vor. Wenn zwei Schulstunden zur Verfügung stehen, würden für den reinen Schwimmunterricht nicht mehr als 30 Minuten herauskommen. Der Rest werde für die Anfahrt per Bus, den Fußweg, das Umkleiden, das Duschen verbraucht. Mit einem Hallenbad gleich in der Nähe stände viel mehr Zeit zur Verfügung.