Es war ein Kraftakt. Der Kauf und die 1,5 Millionen Euro teure Sanierung des Münnerstädter Heimatspielhauses sind Geschichte. "Im Juli sind die letzten Fördermittel überwiesen worden, damit ist die Sanierung abgeschlossen", sagt der Vorsitzende des Vereins "Zukunft für das Heimatspielhaus", Martin Kuchler. "Wir haben keine Schulden", fügt er hinzu. "Die Vereinsmitglieder und alle Unterstützer, die sich in irgendeiner Form beteiligt haben, können stolz auf das sein, was sie geschafft haben."


Leben soll ins Haus

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. "Man darf jetzt nicht sagen, damit ist es erledigt", erklärt der Vorsitzende. "Jetzt stehen wir vor der Aufgabe, Leben ins Haus zu bringen." Das ist dem Verein mit der Vermietung des Erdgeschosses an die "Galerie Pfarr im Heimataspielhaus" und einiger Räume im Obergeschoss an einen Architekten auch schon teilweise gelungen.


Neuer Flyer geht in den Druck

Anfänglich lief es auch sehr gut mit der Vermietung der markanten Räume im Obergeschoss für Familienfeiern. Das hat aber wieder ein wenig nachgelassen. Deshalb gibt der Verein jetzt einen Flyer heraus, auf dem unter anderem die Mietkonditionen verzeichnet sind. "Er geht jetzt in den Druck", sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Christine Schikora, die den Flyer erstellt hat. "Wir müssen die laufenden Kosten stemmen können", erklärt sie. Und die seien nicht gerade gering, beispielsweise für Versicherungen, aber auch Strom und Heizung. "Wir wollen Leben in die Bude bringen und den Münnerstädter attraktive Preise bieten", so Christine Schikora. Und Susanne Stäblein, ebenfalls stellvertretende Vorsitzende, ergänzt: "Wir sind sowieso sehr flexibel."
Thomas Pfarr und Hartmut Hessel haben das Obergeschoss bereits für eine Ausstellung beziehungsweise einen internationalen Weinsalon gebucht. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten der Nutzung, beispielsweise auch ganz privat für Familenfeiern. Dafür ist alles vorhanden.


Noch nicht fertig

Auch wenn die Nutzung uneingeschränkt möglich und die alte Fassade wieder wunderschön ist, so heißt das noch lange nicht, dass es nichts mehr zu tun gibt. "In den Köpfen der Leute ist das Haus seit drei Jahren fertig, weil seit dem die Fassade fertig ist. Aber es gibt noch viel zu tun", sagt Susanne Stäblein. Zuständig sind die beiden "Hausmeister", der Bautrupp des Vereins, Roman Jonas und Longin Farrenkopf.


Noch viele Baustellen

"Es gibt noch etliche Baustellen, die größte ist der Keller, auch das neue Treppenhaus muss hergerichtet werden", zählt Roman Jonas auf. Die Innenseite des Südgiebels im Dachgeschoss ist noch nicht fertig und schließlich soll ja auch noch ein Fahrstuhl eingebaut werden. All diese Arbeiten sind nicht in die große Sanierung gefallen, weil es sonst zu teuer geworden wäre, klärt Martin Kuchler auf. "Das konnten wir uns nicht leisten."
Romas Jonas und Longin Farrenkopf würden sich freuen, wenn sie ein wenig Unterstützung bekommen würden.Wer Interesse hat, kann sich bei ihnen melden. Das Heimatspielhaus muss auch unterhalten werden, denn sonst sieht es in 20 Jahren wie vor der Sanierung aus, ist sich Longin Farrenkopf sicher.

Baugeschichte Die ältesten Mauerteile aus dem 13. Jahrhundert wurden in den nördlichen Gebäudeteil von 1478 "integriert". Im Jahr 1573 erfolgte die südliche Erweiterung. Damit wurde die Außenfassade von 1478 zu einer Innenwand. Das Sichtfachwerk der Südfassade wurde 1801 überputzt und mit frühklassizistischen Dekorationen ausgestattet. Die Freilegung des Fachwerkes an der Südfassade wurde vor dem ersten Heimatspiel 1927 durchgeführt. Heute sind die Fachwerkverzierungen des 16. Jahrhunderts und Stilelemente von 1801 zusammen und nebeneinander zu sehen.

Sanierung Der 2005 gegründete Verein "Zukunft für das Heimatspielhaus" kaufte das Gebäude 2008 mit dem Ziel, es zu sanieren und mit Leben zu erfüllen. Von 2010 bis 2013 lief die Sanierung, Die Instandsetzung gilt als Vorzeigeprojekt in der Denkmalpflege. Die Ausführung war nur mit einem sehr hohen Anteil an Eigenleistung und Spenden durchführbar. Das außergewöhnliche Engagement würdigte die Hypo-Kulturstiftung mit der Verleihung des Denkmalpreises 2014.

Finanzierung Gekostet hat die Sanierung rund 1,5 Millionen Euro, 1,3 Millionen Euro flossen als Fördermittel 200 000 Euro musste der Verein aufbringen. Förderer waren das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Entschädigungsfond, die Bayerische Landesstiftung, die Städtebauförderung (Bund, Freistaat Bayern, Stadt Münnerstadt) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. red