Tierheimleiterin Ursula Boehm streichelt Stromer liebevoll. "Für uns war wirklich Weihnachten", sagt sie. Am 24. Dezember hat sie eine Fundkatze bei einem Großbardorfer Tierarzt abgeholt bei der es sich um den seit knapp fünf Monaten vermissten Kater Stromer handelt. Noch geht der etwa achtjährige Kater nicht wieder stromern, er bleibt lieber auf der Krankenstation, wo das verletzte Tier fleißig dabei ist, sich seine abhanden gekommene "Rubensfigur" wieder anzufressen. "Fünf Tütchen hat er heute schon weggeputzt", sagt Ursula Boehm, die wie die anderen Mitarbeiter überglücklich ist, dass Stromer wieder in der Wannigsmühle lebt, die er als sein Zuhause betrachtet.


Ein Schmusekater

Seit 2011 lebt Stromer im Tierheim. Ursula Boehm kann sich noch gut daran erinnern, wie sie den damals völlig scheuen und wilden Kater in Eußenhausen eingefangen hat. Eine Hüfte war gebrochen und die rechte Vorderpfote hatte er in einer Schlagfalle eingebüßt. In der Wannigsmühle hat er sich Stromer dann zum Schmusekater entwickelt.
Ein Jahr später ist "Stromer" vermittelt worden. "Ein richtig schönes und liebevolles Zuhause", erinnert sich Ursula Boehm. Trotzdem brannte der Kater durch und kehrte ganz allein ins Tierheim zurück. "Er ist der Meinung, dass hier sein Zuhause ist, deshalb lehnten wir immer eine weitere Vermittlung von Stromer ab", erklärt die Leiterin. Interessenten gab es genug. Kurz nach dem Sommerfest Anfang August war Stromer dann plötzlich spurlos verschwunden, alle Suchaktionen verliefen ergebnislos.
Da er sich nie weit vom Tierheim entfernte, meistens hielt er sich im Hof oder auf der Wiese vor dem Tierheim Wannigsmühle auf, vermuteten die Tierheim-Mitarbeiter, dass jemand, nachdem eine Vermittlung abgelehnt wurde, "Stromer" kurzer Hand einfach mitgenommen haben könnte. Der Kater hatte die nähere Umgebung der Wannigsmühle seit seiner Aufnahme nie verlassen.


Verletzte Fundkatze

Am Abend des 23. Dezember klingelte im Tierheim das Telefon. Ein Anruf aus Großbardorf. Gemeldet wurde eine Fundkatze, die verletzt sei. Ursula Boehm bat den ortsansässigen Tierarzt, zuerst die nötige Behandlung zu übernehmen. Einen Tag später, am 24. Dezember war die Überraschung und vor allem die Freude riesig, als "wir unseren lang vermissten Kater Stromer aus der Tierarztpraxis abholten", berichtet Ursula Boehm. Sie ist sich sicher, dass er zwei Tage später in der Wannigsmühle angekommen wäre, wenn man ihn nicht in Großbardorf eingefangen hätte.
Der tapfere Stromer muss bereits lange unterwegs gewesen. Sein vorderer Beinstumpf ist wund gelaufen und offen. Auch seine ehemalige "Rubensfigur" hat er verloren und deutlich abgespeckt. Aber Stromer ist überglücklich, wieder zurück in seinem Tierheim zu sein und bekommt sich gerade vor Glücksbekundungen und Schmusen nicht ein. "Eine schöne und wahre Weihnachtsüberraschung für das Tierheim", wie Ursula Boehm feststellt. Die Tierheimleiterin bittet die vermeintlichen Retter von Stromer zu akzeptieren, dass der Kater einfach zum Tierheim gehört und dort leben möchte.