Die Ausweisung eines Sonder- und Gewerbegebietes nördlich der Meininger Straße wird weiter verfolgt. Die Prüfung von Alternativstandorten ist am Montag nach einer Sondersitzung einschließlich Besichtigung und einer sehr offen geführten Diskussion abgeschlossen worden. Einige in Frage kommende Standorte lehnten die Kommunalpolitiker einstimmig ab, bei der "Lache" ging es dann aber äußerst knapp zu. Zweiter Bürgermeister Michael Kastl (CSU) hätte sich zwar als Signal für den Investor ein eindeutigeres Votum gewünscht, er war aber froh, dass die Argumente offen auf den Tisch gelegt wurden und dabei auch neue Möglichkeiten für Münnerstadt durch die Nutzung des Klosterareals zur Sprache kamen.
Schon bei der Besichtigung der einzelnen Standorte Königer-Grundstück rechts der B 19, Luma-Grundstück mit Herrengärten, Lache, Bolzplatz mit Parkplatz Lache, Klosterareal und Studienseminar St. Josef wurde klar, dass einige davon überhaupt nicht als Alternative für ein Fachmarktzentrum in der geplanten Größe in Frage kommen.

Die Herren des Verfahrens

Im Sitzungssaal des Rathauses fasste Michael Kastl noch einmal kurz die Geschichte zum geplanten Gewerbegebiet zusammen und erinnerte dabei an den Stadtratsbeschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen (14 zu zwei Stimmen). Das Problem sei, dass das Vorhaben nicht den Vorgaben des Landesentwicklungsplanes entspricht. "Wir sind Herr des Verfahrens", betonte Michael Kastl mehrfach. Die oft ins Spiel gebrachte Regierung von Unterfranken prüfe lediglich, was die Stadt ihr vorlege. "Wir müssen wissen, was wir wollen", sagte er. Und nun gelte es zu prüfen, ob es Alternativstandorte gibt. Er bat die Stadträte auch, auf die Außendarstellung zu achten. Es sei ein schlechtes Signal, wenn Beschlüsse knapp ausgehen und eine Entscheidung davon abhängig ist, ob bei der einen oder der anderen Fraktion gerade ein Stadtrat fehlt.

Begeistert von Grüngürtel

In seiner Stellungnahme ging der Sanierungsbeauftragte der Stadt, Dag Schröder, auf die einzelnen Standorte ein, die er allesamt für nicht geeignet ansah. Sehr berührt habe ihn bei der Besichtigung, wie grün es um die Stadt ist. "Der Grüngürtel ist ein Geschenk." Mit dem Kloster werde sich die Stadt noch beschäftigen müssen", mahnte Schröder (siehe Beitrag rechts).
In den Grüngürtel der Stadt sollte man nicht unbedingt ein Fachmarktzentrum bauen, meinte auch Michael Kastl. Wenn man den geplanten Markt als Schablone nimmt und die auf die anderen Standorte drauflegt, werde es mehr als schwierig.
"Wir haben einen Investor", erinnerte der Zweite Bürgermeister. Der habe auch schon Gutachten bezahlt. "Es gibt keine schriftliche Vereinbarung", betonte er. Mit dem Investor müsse man fair umgehen. Der sei der Stadt schließlich bislang treu geblieben. Aber: "Ganz so begeistert wie am Anfang ist er nicht mehr."

Anderer Standort möglich

Michael Kastl hatte im Vorfeld der Sitzung beim Investor Walter Ruppel nachgefragt, ob ein Fachmarktzentrum auch an anderer Stelle denkbar wäre. Zur Antwort habe er bekommen, dass dies entlang der Entwicklungsachse (Meininger Straße und Entlastungsstraße) möglich sei, das Areal müsse aber großflächig sein.
Auch der Zweite Bürgermeister ging die einzelnen Alternativstandorte durch und verwarf sie, einschließlich seines eigenen Vorschlags. Zur Lache führte er an, dass sich diese - wie bekannt - im Besitz des Landkreises Bad Kissingen befindet, der dort einen Parkplatz für das neue Berufsbildungszentrum bauen will. Der Geschäftsleitende Beamte Stefan Bierdimpfl habe mit Kreisbaumeister Günter Stammwitz gesprochen. Danach hat der Kreis kein Interesse, die Lache gegen das Jägergrundstück zu tauschen.
Man müsse sich die Frage stellen, ob man so ein Fachmarktzentrum überhaupt benötige, sagte Stadtrat Leo Pfennig (CSU). "Wir brauchen eine Belebung der Innenstadt." Die Verlagerung des Kaufangebots nach draußen sei nicht der richtige Weg. Vielmehr: "Wir brauchen ein funktionierendes Gewerbegebiet." Benötigt würden lediglich ein Lidl oder Aldi und ein Drogeriemarkt. "Ich habe Angst, dass wir in einer Sackgasse enden", sagte Leo Pfennig zu einem möglichen Gewerbegebiet. "Der Investor erschließt uns kein Gewerbegebiet", betonte Michael Kastl. Er wolle ein Sondergebiet für das Fachmarktzentrum erschließen und eventuell ein Gewerbegebiet mit, wobei es darüber keine schriftliche Vereinbarung gibt.
Der damalige Beschluss mit 14 zu zwei Stimmen sei gefallen, als es noch keine Stellungnahme der Regierung und kein GfK-Gutachten gab, führte Rosina Eckert (Forum aktiv) ins Feld. Heute würde die Entscheidung anders aussehen.
Die Aussage von Michael Kastl, man müsse fair mit dem Investor umgehen, sollte auch umgekehrt gelten, sagte Ralf Verholen (Freie Wähler). Dann fügte er hinzu, dass der frühere Vertreter des Investors, Wilhelm Sträter, die Stadträte angelogen habe. Leo Pfennig erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Aussage des früheren Zweiten Bürgermeisters Norbert Reiter (CSU), dass der Stadtrat von Sträter nicht zutreffend informiert worden sei.

Alles bereits abgeklärt

Rosina Eckert wollte wissen, ob sich Lidl oder Aldi nicht allein ansiedeln könnten. Das sei bereits abgeklärt worden, die Discounter wollen immer mit bestimmten anderen Läden zusammengehen, bekam sie zur Antwort. Man müsse ein Umfeld schaffen, dass die Leute nicht mehr nach Bad Neustadt fahren", erklärte Georg Heymann (CSU). Das Entscheidende sei doch, dass man einen Investor habe, der sich auch noch für das Gewerbegebiet engagiert. Ähnlich sahen das auch Christian Radina (CSU) und Klaus Schebler (Neue Wege).
"Wir stehen uns selbst im Weg", fand Michaela Wedemann (CSU). Er habe Verständnis dafür, wenn jemand gegen das Fachmarktzentrum ist, erklärte Klaus Görlinger (Neue Wege). Dass ein Investor das Gewerbegebiet ohne das Sondergebiet erschließt, sei aber reines Wunschdenken.