Erst wenn für einen großflächigen Einzelhandelsbetrieb auf den Lache-Acker Baurecht geschaffen ist, besteht die Möglichkeit, ein weiteres Sondergebiet auszuweisen. So hat es der Stadtrat nach einer längeren, erst öffentlich und dann nicht öffentlich geführten Diskussion beschlossen. Ursprünglich sollte ein Grundsatzbeschluss gefällt werden, dass sogar bis zur Fertigstellung der gesamten Erschließung kein weiteres Sondergebiet ausgewiesen werden darf. "Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht" sagt dazu Firmen-Chefin Christine Seger, die die Ausweisung ihrer derzeitigen Flächen als Sondergebiet benötigt, um die notwendige Expansion der Firma finanzieren zu können.


Auf ein Gebiet konzentrieren

Auf dem heutigen Lache-Acker sollen Parkplätze, das neue Feuerwehrgerätehaus und großflächiger Einzelhandel entstehen. Für Letzteres muss ein Sondergebiet ausgewiesen werden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass das Gelingen solcher Vorhaben von der Stellungnahme der Regierung von Unterfranken abhängt, hieß es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Um eine zügige Zustimmung zu erhalten, wurde vorgeschlagen, dass sich die Stadt zunächst auf die Planung eines einzigen Sondergebietes konzentriert, um die Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit des Vorhabens zu untermauern.
"Ich selber bin der Meinung, wir könnten durchaus zwei Sondergebiete ausweisen", erklärte Bürgermeister Helmut Blank (CSU). Man sollte aber an die Regierung und den Landkreis ein deutliches Zeichen senden. Seine Argumentation zielte darauf ab, dass die Stadt in das Sondergebiet investiert, und deshalb müsse es im Sinne der Stadt auch bestmöglich vermarktet werden. Die Suche nach einem neuen Gewerbegebiet für die Firma Seger gehe ja trotzdem weiter.


Schebler: An die Stadt denken

"Ich halte einen Grundsatzbeschluss für nicht zielführend", meinte Dieter Petsch (Forum aktiv). Man könne doch auch zwei Sondergebiete ausweisen, vor allem auch weil die Regierung diese Möglichkeit bestätigt habe. "Ich würde das so laufen lassen." Mit einem einzigen Sondergebiet habe die Stadt die Möglichkeit, die Kosten auch wieder reinzubekommen, argumentierte Klaus Schebler (Neue Wege). "Wir brauchen Einnahmen, wir müssen zuerst an die Stadt denken."
"Wir haben doch schon einen Beschluss des Stadtrats", erinnerte Leo Pfennig (fraktionslos). "Das wäre ja ein Beschluss im Quadrat", monierte er. Der Stadtrat hat bereits beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Mehr sei nicht nötig. Georg Heymann (CSU) unterstütze aber den Vorschlag der Verwaltung, weil das eine klare Positionierung der Stadt darstelle.
Das Sondergebiet Lache werde ja nicht in Frage gestellt, fand dagegen Dieter Petsch. Seitens der Regierung werde doch auch nicht die Konzentration auf ein Gebiet gefordert. "Wir machen die Tür zu", meinte auch Rosina Eckert (Forum aktiv) und lehnte den Beschlussvorschlag ab. Während der Diskussion betonte der Bürgermeister ebenfalls, dass die Stadt zuerst an sich denken müsse.
Andreas Trägner (Freie Wähler) schlug vor, den Tagesordnungspunkt zu verschieben, aber da sprach sich Helmut Blank vehement dagegen aus. Er deutete an, dass er im nicht öffentlichen Teil der Sitzung noch Argumente vorbringen werde.


Zuhörer mussten raus

Das war Klaus Schebler (Neue Wege) dann doch zu vage. Er beantragte die Herstellung der Nichtöffentlichkeit, weshalb der Bürgermeister die Gäste bat, "ganz kurz" vor die Tür zu gehen. Seine offensichtlich teilweise erfolgreiche Überzeugungsarbeit dauerte dann aber doch eine knappe Dreiviertelstunde. Danach wurde nur noch der neue Beschlussvorschlag verlesen, nachdem lediglich bis zur Herstellung des Baurechts für den ansiedelnden Einzelhandel kein weiteres Sondergebiet geplant wird. Dafür stimmten 14 der 21 Stadträte.
Es gebe seitens der Regierung überhaupt keine Notwendigkeit für diesen Beschluss, sagt Christine Seger, die noch einmal betont, dass sie die Ausweisung ihres bestehenden Areals als Sondergebiet braucht, um den Umzug finanziell darstellen zu können. "Wir werden daran gehindert zu expandieren", sagt sie. Und: "Wir werden uns jetzt intern besprechen, wie wir unsere Expansionspläne umsetzen können." Sie ist entsetzt, wie mit Gewerbebetrieben in Münnerstadt umgegangen wird. "Ich fühle mich nicht willkommen." Auch im Hinblick auf Vorkommnisse in der Vergangenheit meint Christine Seger: "Münnerstadt ist Weltmeister im Vertreiben von Gewerbe."
Helmut Blank versteht die Aufregung nicht. Es habe doch erst am Mittwoch ein weiteres Treffen am möglichen Standort Zent gegeben. Ein Büro sei beauftragt worden, eine grobe Machbarkeitsstudie anzufertigen, sagt er. Eine Ausweisung als Sondergebiet der bestehenden Flächen könne man ja auch noch angehen, wenn Baurecht an der Lache herrscht.