Architekt und Energieberater Andreas Hal both zeigt das selbst geschossene Foto, auf dem er zusammen mit Michael Schaub vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin abgebildet ist. Die Freude ist ihnen anzusehen. "Wir sind dabei", strahlt Andreas Hal both.
Der Investor Michael Straub und der Architekt haben es geschafft, mit dem Projekt Hotel am Marktplatz in das Modellvorhaben "Check-in Energieeffizienz" aufgenommen zu werden. Dafür gibt es zinsgünstige Darlehen und unter bestimmten Voraussetzungen auch einen Tilgungszuschuss. Das reicht zwar bei weitem nicht aus, um den etwa 4,5 bis fünf Millionen Euro teueren Umbau des Schweizerhauses (Schweiz) nebst Lutz-Haus zu finanzieren, aber es ist ein Puzzleteilchen des großen Ganzen. Und es dürfte für Aufmerksamkeit sorgen.

Gute Team-Arbeit

"Ich habe das Programm am 23. Februar durch Zufall im Internet entdeckt", sagt Andreas Halboth. Da waren es gerade noch fünf Tage, bis die Unterlagen eingereicht sein mussten. "Wir haben uns die Arbeit geteilt, das war gutes Team-Work." Innerhalb kürzester Zeit hatten die beiden ein energetisches Konzept erstellt und nach Berlin geschickt. "Wir haben uns beworben und wussten nicht, ob wir überhaupt eine Chance haben", sagt Michael Schaub dazu. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. "Drei Wochen später kam der Anruf, dass wir genommen worden sind", erzählt Andreas Halboth. Dazu gab es eine Einladung in die Hauptstadt, wo ihnen das Modellvorhaben vorgestellt wurde und sie die anderen Teilnehmer kennenlernen konnten.

Ansatz: Vier Millionen Euro

Der Umbau des Einzeldenkmals Schweiz ist mit rund vier Millionen Euro veranschlagt. Nimmt man das Lutz-Haus zwischen Schweiz und Bayerischem Hof hinzu und Arbeiten am Bayeri schen Hof, sind mit bis zu fünf Millionen Euro zu rechnen.

Nur der Mehraufwand gefördert

"Die Förderung beträgt nur einen Bruchteil davon", erklärt Andreas Halboth und räumt bei dieser Gelegenheit noch einmal mit einem sich hartnäckig haltenden Gerücht auf: Gefördert wird von den Denkmalbehörden der denkmalpflegerische Mehraufwand, nicht das Gesamtprojekt. Deshalb sind Investor und Architekt auch intensiv auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten der Unterstützung.
Die verfallene Schweiz unmittelbar gegenüber dem Rathaus ist schließlich eines der markantesten Häuser am Marktplatz. Eine neue Fördermöglichkeit haben sie mit dem Modellprojekt gefunden. Zuschüsse gibt es unter anderem für das Honorar des Energieberaters, der eine Zulassung für den Mittelstand braucht. Die besitzt Andreas Halboth. Zinsgünstige Kredite werden eingeräumt, wenn die Energieersparnis 30 oder 50 Prozent beträgt.
So etwas lasse sich beispielsweise durch den Einbau einer zentralen Heizung (möglicherweise Blockheizkraftwerk) erreichen. Oder durch effizientere Kühlsysteme, fügt Michael Schaub hinzu. Ganz schnell könne man Energie sparen, wenn sämtliche Lam pen auf LED umgerüstet werden.
Ein Tilgungszuschuss kann ebenfalls gewährt werden, die dafür nötigen Energiewerte lassen sich aber bei einem Denkmal wie der Schweiz nur schwer erreichen. Michael Schaub geht davon aus, dass höchstens zehn Prozent möglich sind. Aber auch hier gilt wieder: Das bezieht sich lediglich auf die energetische Sanierung, nicht auf die Gesamtkosten. Das Modell baut sich auf mehrere Stufen auf. Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme.

Werbung für die Stadt

Andreas Halboth und Michael Schaub verweisen vor allem auf die Außenwirkung. Das Projekt wird über Jahre wissenschaftlich begleitet. "Das ist gut für uns, aber auch gut für Münnerstadt", meint der Investor.
Zum Zeitplan informiert der Architekt, dass in diesem Jahr alle vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sein sollen. "Nächstes Jahr wollen wir loslegen und im Idealfall in zwei Jahren fertig sein." "Vorausgesetzt, es ist finanzierbar", schränkt Michael Schaub ein. Investor und Architekt sind gerade dabei, dies abzuklären. Das Modellvorhaben Check-in Effizienzhaus ist ein kleiner Baustein dazu, der dem Haus am Marktplatz und der Stadt eine Menge Publicity bringen kann.


Teilnehmer Eine Expertenjury hat unter einer Vielzahl an Bewerbern elf Herbergen und 29 Hotels in ganz Deutschland ausgewählt, die ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren möchten. Anhand dieser Beispiele soll gezeigt werden, welche Möglichkeiten es gibt, Energie einzusparen und damit zugleich den Komfort für die Gäste zu erhöhen. Die dabei entwickelten Sanierungsansätze sollen modellhaft gestaltet sein, um die Übertragbarkeit der Sanierungserfolge zu gewährleisten. Unter den Herbergen befinden sich Jugendherbergen, Naturfreundehäuser und Häuser aus dem Bereich der Erwachsenenbildung. Bei den Hotels reicht die Bandbreite der Teilnehmer vom traditionellen Landhotel bis hin zum 5- Sterne-Hotel, beispielsweise das Grand Hotel Heiligendamm.

Förderer Das Modellvorhaben wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert sowie durch die DAIKIN Airconditioning Germany GmbH, die Viessmann Werke GmbH & Co. KG und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützt. Die Förderung der baulichen Sanierungsmaßnahmen erfolgt über die KfW Bankengruppe, die Förderung für die Sanierungsfahrpläne über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). red