Wenn man den Namen Peter Wittstadt hört, so kommt einem wohl unmittelbar der Begriff "Lohrer Schneewittchen" ins Gedächtnis. Monatelang hatte dieses Kunstwerk für Kontroversen gesorgt. Wer nun glaubt, dass der Künstler ein "enfant terrible" der Kunstszene ist, der hat sich allerdings schwer getäuscht. Eine Ausstellung der Museumsfreunde in den Galerieräumen des Deutschordensschloss mit dem Titel "Malerei und Plastik" zeigt einen Querschnitt durch das vielfältige Schaffen des Künstlers.

Wenn man mit Peter Wittstadt ins Gespräch kommt, so zeigt sich, dass er sehr bescheiden und bodenständig ist und sein Ringen um die Kunst ihm ein Anliegen ist. Geboren wurde er am 10. November 1960 in Würzburg. Von 1975 bis 1978 absolvierte er eine Steinmetzlehre und war jahrelang in diesem Beruf tätig.

1985 bis 1990 studierte er dann an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg Bildhauerei und ist seit 1990 freischaffender Künstler. Im Jahre 2001 hat er außerdem seine Lehrtätigkeit am Bayernkolleg in Schweinfurt aufgenommen.

Mit seiner Frau Johanna lebt er in einem alten Pfarrhaus in Laudenbach, das er in mühevoller Kleinarbeit wieder restauriert hat. Dabei kam es ihm darauf an, das Gebäude im fränkischen Stil zu erhalten. Auch dies ist ein Zeichen dafür, wie bodenständig er ist.

Seine Kunst hingegen ist manchmal durchaus unkonventionell, in seinem Schaffen hat er sich nie von seinem Weg abbringen lassen. "Er schielt dabei nicht aufs Publikum, sondern setzt konsequent seine Ideen um", so Georg Seifried, der mit Wittstadt Kontakt aufgenommen hat und dafür sorgte, dass die Ausstellung nach Münnerstadt kam.


Anklänge an Steinmetzarbeiten

In seinem offenen Prozess der Formfindung hat sich Wittstadt über die Jahrzehnte künstlerisch weiterentwickelt, wobei es ihm immer wichtig ist, Konventionen in Frage zu stecken. "Für das künstlerische Schaffen ist Freiraum unabdingbar, festgelegte Dinge sind nicht meine Welt", gibt der Künstler unumwunden zu. Dabei ist ihm allerdings jeglicher Akademismus zuwider: "Die Kunst muss mit dem Leben zu tun haben, sie ist veränderbar und verändert sich stetig weiter", meint Wittstadt.

In seinen Kunstwerken, die neben Plastiken auch Bilder umfassen, kommt immer wieder der Steinmetz zum Vorschein, der in dreidimensionalen Welten denkt. Raumgreifend sind seine Werke, Wittstadt ist offen für neues und lässt sich gerne auch von althergebrachten Techniken inspirieren.

So kann man in einigen seiner Plastiken die jahrtausendealte Tradition von Metallplastiken nachvollziehen, die bis ins Sumererreich nachverfolgt werden kann. Ganz im Zeichen der modernen Kunst lösen sich diese Plastiken jedoch von der figurativen Kunst hin zu etwas Abstraktem. Und dennoch gelingt es Peter Wittstadt dabei, bei aller Abstraktion universelle Formen herauszuarbeiten, die gleichzeitig archaisch und modern wirken. "Mir ist der eigene Weg der Formfindung hierbei wichtig", führt der Künstler aus. Dabei arbeitet er auch sehr gerne mit dem Element des Zufalls, stellt eigene Betrachtungen immer wieder in Frage und entwickelt sich so weiter.


Wechsel zur Malerei

"Als Künstler ist man nie fertig, der Findungsprozess ist immer wieder wichtig", erklärt Wittstadt. Dies macht es immer wieder nötig, als sicher angesehene eigene Betrachtungen in Frage zu stellen. Aus diesem Grund wandte er sich nach seinem Studium auch vom Akademismus ab und arbeitete wieder viele Jahre mit dem Stein als Werkstoff.

Danach beschäftigte er sich mit der Malerei - auch hierzu sind in der Ausstellung in Münnerstadt zahlreiche Werke zu sehen. "Sehr gerne wechsle sich zwischen Malerei und Plastik, da sich dabei auch die Sichtweisen ändern und man immer offen für neues ist", so der Künstler.

Und hierbei kommt auch immer wieder die feine Ironie ins Spiel, die seine Werke kennzeichnen. Wenn er zum Beispiel seine Plastiken bemalt und dabei bewusst die eigentlich inhärenten Grenzen mit kühnem Pinselstrich übermalt. Oder wenn er eine offensichtliche Darstellung eines Waldes mit dem Wort "Wald" überschreibt. Dabei ist das Kennzeichen dieser Art von Ironie, dass sie immer wieder augenzwinkernd daherkommt und nicht verletzt.

Dadurch, dass er sich auch mit der Malerei beschäftigt, hat sich sein Blick auf die Plastik verändert. "Man überlegt sich: was fehlt im Bild noch, gehört hier noch eine Linie hin, welche Farbe verwendet man, wie drückt man am besten Flächigkeit aus usw.", sagt Wittstadt. Und so kann der Besucher in jedem von Wittstadts Kunstwerken etwas neues entdecken. Seine Bilder wirken lebendig und unkonventionell im besten Sinne des Wortes.


Gegen Konventionen

"In der Kunst ist es wichtig, ehrlich zu sein", ist das oberste Gebot Wittstadts. Nichts manieriertes haftet seinen Kunstwerken an, alles ist ehrliche Formfindung. Auch bei seinem berühmten Schneewittchen, das in kleinem Format auch in der Ausstellung in Münnerstadt zu sehen ist. "Kunst ist letzten Endes Charaktersache", wie es Georg Seifried treffend beschreibt.

Und das merkt man den Werken Wittstadts an: Er verbiegt sich nicht, bleibt ehrlich und bodenständig und nur der Kunst verpflichtet. Die Einhaltung unhinterfragter Konventionen sind die Sache Wittstadts nicht, wie er in seinem Buch "Der Kunst einen Namen geben" ausführt: "Habe ich etwas vor, gehe ich einen vorgedachten Weg, bin ich geistig vorbereitet, gelingt mir meistens nur Ähnliches, vom Ursprung Entferntes. Längst habe ich mich an diesen Zustand gewöhnt. Freue mich am Neuen, an der Frische, am Ergebnis."

Und dieses immer wieder erfrischende Element ist es, die seine Werke ausmachen. Und wenn man dies als oberstes Gebot nimmt, so wird auch die Ausarbeitung des Lohrer Schneewittchens verständlich - fern jeglicher Diskussionen, die zumeist von denen geführt werden, für die Kunst eben nur Konvention ist. Und Konvention ist Peter Wittstadts Sache eben ganz und gar nicht.