von unserem Mitarbeiter Arnold Nöth

Was ist denn da schon wieder außergewöhnliches los in Reichenbach? Es ist März, noch ist viel Zeit bis zu den so genannten Kartagen - und in Reichenbachs Straßen sind schon die ersten Ratschen- oder Klapperkinder unterwegs. Sie laufen mal diese, mal jene Gasse oder Straße entlang, drehen um, laufen entgegengesetzt, Klappern und Singen. "Wir klappern den englischen Gruß!", stoppen, fangen erneut von vorne an: Als wenn es schon zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag wäre. Passanten bleiben verstört und kopfschüttelnd stehen, hadern mit ihren Augen. Autofahrer, die aufgefordert werden anzuhalten, um nicht zu stören, sind völlig verwirrt. Doch die sieben "Klapperer", Buben und Mädchen, haben Spaß, sind gut gelaunt und eifrig mit bei der Sache. Des Rätsels Lösung: Ein Fernsehteam des BR ist da, um die Klapperer, wie sie in Reichenbach genannt werden, in Szene zu setzen und zu filmen.

Einen halben Tag Zeit

Die beiden Autoren Richard Rüb und Michael Freund, die in Lohr eine freie Filmproduktions-Gesellschaft betreiben, sind eigentlich mit einem Aufnahme-Team des BR nach Reichenbach gekommen, um beim gelernten Schreiner, jetzt aber Rentner und Hobby-Schnitzer, Eduard Behr Aufnahmen zu einem Bericht über die Fertigung von so genannten Kastenklappern, andernorts auch Ratschen genannt, zu machen. Sie und das Aufnahmeteam mit Kameramann Tino Müller, Tonmann Bernhard Riegel und Produktions-Assistentin Katrin Gruber, die sich um alles kümmern durfte, hatten sich gleich einen halben Tag Zeit genommen, um ihre Aufnahmen in den Kasten zu bekommen.

Mit vielen Detailaufnahmen und genauem Hinschauen verfolgten sie dabei , wie eine solche Klappera aus groben Holzstücken und akribisch vorbereiteten Einzelteilen zugeschnitten, verleimt, lackiert, gedrechselt und letztendlich zusammengesetzt wird. Wenn dann bei den ersten Umdrehungen der Walze die Hämmer auf den Resonanzkörper schlagen, ist lautstark zu vernehmen, wie während der Kartage solche Klappera die nach Rom gereisten Glocken mit ihrem Lärmen ersetzen.

Leidenschaftlicher Schreiner

Eduard Behr, der als leidenschaftlicher Rentner-Schreiner fast jeden Tag in seiner gut ausgestatteten und angenehm nach Holz, Leim und Lack riechenden Hobby-Werkstatt am werkeln ist, ist einer der wenigen Handwerker weitum, der sich noch auf das fachgerechte Herstellen solcher Traditions-Krachmacher versteht.

Aufmerksam geworden war das Autoren-Team auf den Reichenbacher Klappera-Bauer durch Veröffentlichungen anderer Medien und über den Bezirksheimatpfleger Klaus Reder. Dabei war ihnen kurzfristig auch die Idee gekommen, doch um die Herstellungs-Geschichte gleich noch eine Handlung übers Klappern zu produzieren. So beispielsweise Aufnahmen aus dem Ort, das Läuten der Kirchenglocken, bevor diese gen Süden Reisen und die Klapperer selbst. Da wurde es dann aber eng.

Wer sind die, wen muss man ansprechen, wer kennt sich aus damit? Also wurde von Eduard Behr schnell noch Cousin Arnold Nöth alarmiert, weil der seit Jahrzehnten schon ein Auge auf die Klapperer hat. Gar nicht so einfach, in zwei Tagen die richtigen zu finden, also ehemalige, diesjährige und zukünftige "Chefs", die die Sache alljährlich organisieren. Zumal sich die meisten der Klapperer zur gewünschten Aufnahmezeit noch im Schulunterricht befinden.

Es hat doch geklappt

Letztendlich konnten doch sieben Mädchen und Buben zusammengetrommelt oder per Handy schnell noch herbei gerufen werden, die dann als kleine "Fernsehstars" für die Aufnahmen zur Verfügung standen. Mit viel Einsatz und Aufwand wurden die Bild- und Tonaufnahmen fertig gestellt und sogar Interviews geführt; alle sind jetzt natürlich gespannt, was dabei herauskommt.

Die Sendung wird voraussichtlich am Mittwoch, 25. März, ab 19 Uhr im 3. Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks ausgestrahlt.