Wenn Heinz Schlessing morgens das Schlafzimmerfenster öffnet, begrüßt ihn ein Rauschen. Unweit seines Grundstückes in Volkershausen- genauer gesagt 644 Meter entfernt - drehen sich die Rotorenblätter. Je nach Windrichtung ist das nahegelegene Windrad auf dem Schalksberg in Maßbach eine große Lärmbelästigung für ihn und seine Frau. Besonders ärgerlich ist, dass die beiden der Ruhe wegen nach Volkershausen gezogen sind.
"Wir konnten im Vorfeld nicht erahnen, was da kommt", sagt Heinz Schlessing. Er steht im steten Briefkontakt mit der Bundestagsabgeordneten und Gemeinderätin Sabine Dittmar (SPD). Auf seine Beschwerde bezüglich Lautstärke und mangelnder Information erklärte Dittmar, dass alle Stellungnahmen zum Bau der Windräder öffentlich behandelt und bewertet wurden. Daraus hätten sich keine Gründe ergeben, das Bauvorhaben negativ zu bewerten.

Überrascht von der Lautstärke

Vor 16 Jahren sind Heinz Schlessing und seine Frau von Schweinfurt nach Volkershausen gezogen und haben sich hier ein neues Heim gebaut. Die anfängliche Idylle ist für sie nun zerstört. "Wir haben nichts gegen Windräder, aber wir haben nicht gewusst, wie laut das ist", sagt Heinz Schlessing. Er weiß wohl, dass die Windräder kaum wieder abgebaut werden. Dennoch möchte er auf die Unzufriedenheit der Anwohner aufmerksam machen. "Das sind einige", versichert er. Schließlich gibt es Menschen, die noch näher an den Windkraftanlagen wohnen.

Landratsamt prüft Beschwerden

Inzwischen haben sich mehrere Anwohner aus Volkershausen wegen des Lärms beim Landratsamt beschwert. Vor allem nachts ist es besonders laut gewesen. Tatsächlich gab es einen technischen Defekt - ein Fehler der Anlagensteuerung, der laut Betreiber "Green City Energy" jedoch behoben wurde. "Wir müssen abwarten, ob das wirklich eine Besserung mit sich bringt", sagt Thomas Schoenwald (Abteilung Bauen und Umwelt im Landratsamt).
Die Mitarbeiter des Amtes haben nun die Anwohner um Hilfe gebeten. Um die aktuelle Situation besser einschätzen zu können, sollen diese ihre subjektiven Eindrücke der Geräusche notieren und weitergeben.
Tatsache ist, dass nicht so einfach eine Messung mit einem technischen Gerät an einem Windrad möglich ist. Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Temperatur und Wetterverhältnisse können eine solche technische Messung beeinflussen. Um eine aussagekräftige technische Messung durchführen zu können, sind eine spezielle Messaparatur und güngstige Wettverhältnisse nötig. Deshalb will man seitens des Landratsamtes zunächst einmal die subjektive Lärmbelästigung feststellen.
Thomas Schoenwald gibt zu im Allgemeinen zu bedenken: "Man hat nicht den Anspruch, dass es so still ist wie vorher", sagt er, "aber die Grenzwerte müssen eingehalten werden." Eine Abnahmemessung ist deshalb auch bereits eingefordert.

Green City: Problem gelöst

Der Betreiber sieht das Problem als erledigt an. "Die Techniker haben die Anlagen in den vergangenen Wochen überprüft und so eingestellt, dass zukünftig weniger zu hören ist", sagt Martin Betzold, Unternehmenssprecher vom Anlagenbetreiber "Green City Energy". Das Problem sei die Konfiguration gewesen. Denn um die Windräder richtig einzustellen, bedarf es an ausreichendem Wind. Den gab es erst im Dezember und Januar. Die fehlerhafte Anlagensteuerung hatte dafür gesorgt, dass es nachts lauter war als es sein sollte.

Gegner: Einwände nicht beachtet

Schon bevor der Windpark entstand, hatte die "Bürgerinitiative Gegenwind" mögliche Probleme bezüglich der Lärmbelästigung angesprochen. "Die Einwände wurden einfach vom Tisch gewischt", sagt Dieter Wagner von der Bürgerinitiative. Der Fehler war nach seiner Meinung, dass die Lautstärke nur berechnet worden sei. Eine Messung, von der Bürgerinitiative in Auftrag gegeben, ergab eine Abweichung von den berechneten Werten. "Das ist alles nicht so, wie es den Bürgern verkauft wurde", sagt Wagner.
Jetzt wird auf jeden Fall die Lärmentwicklung der Windräder noch einmal untersucht. Zunächst müssen die Anlieger also genau hinhören ...