Dass man ein durchaus ernstes Problem auch humorvoll angehen kann, zeigte sich bei der jüngsten Stadtratssitzung, als es um den Biber im neu entstandenen Riedgrabensee bei Großwenkheim ging. In der nächsten Woche werden sich alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch setzen.
Bei der Ratssitzung wollte Michael Kastl (CSU) den Stadtrat und die zahlreichen Gäste (vor allem aus Großwenkheim) über die Problematik informieren. Weil der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Roland Lenhart, ebenfalls zur Sitzung gekommen war, bekam er auch die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge darzulegen.


Besprechung in einer Woche

Michael Kastl sprach von erheblichen Problemen, die sich sehr negativ auf die Siedlungsstruktur auswirken. "Der Biber geht seinen Weg", betonte er. Inzwischen sei er schon in Oberlauringen angekommen. Und: "Der Biber steht unter Naturschutz und all seine Bauwerke auch."
Michael Kastl verwies auf eine Besprechung am Dienstag, 9. Mai, in Großwenkheim. Vertreter des Landratsamtes und der Stadt, Landwirte, Jagdgenossen und der Biberbeauftragte des Horst Schwemmer vom Bund Naturschutz werden teilnehmen.
Der Biber sei inzwischen nahezu flächendeckend im Landkreis verbreitet, erläuterte Roland Lenhart. Darunter seien lediglich fünf so genannte Problembiber. Der Nachwuchs wandere immer die Gewässer aufwärts. Das Problem in Großwenkheim sei, dass es sich dabei um einen faulen Biber handele, scherzte der Naturschützer. Er begnügt sich damit, den Ablauf zu verstopfen. Derzeit betrage die Fläche des durch den Biber entstandenen Sees etwa drei Hektar.


Abschuss in Kläranlagen

"Ich bin Naturschützer", machte Roland Lenhart deutlich. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, gegen den Biber vorzugehen. "Die brutalste ist abschießen." Aber es dauere höchstens zwei Jahre, dann habe sich ein neues Tier angesiedelt. Es seien allerdings schon tatsächlich im Landkreis Biber abgeschossen worden, wenn sie sich an Kläranlagen zu schaffen machen.
Dem kursierenden Gerücht, dass der Großwenkheimer Biber ausgesetzt worden sei, trat Roland Lenhart deutlich entgegen. "Dafür braucht man eine Genehmigung, die erteile ich. Ich habe aber keine erteilt."


Ein Mönch soll es richten

Der Wasserstand könnte mit einem so genannten Mönch - einem Ablauf - reguliert werden. Das sei die aktuelle Lösung. Eigentlich sei ja gar nicht der Biber das Problem. "Da draußen ist ein Biotop entstanden." Wiesenbrüter, Enten und Vögel, die er überhaupt nicht kennt, haben sich da inzwischen angesiedelt. Wenn man den See jetzt trocken lege, würde deren Lebensraum zerstört. Deshalb müssten für die betroffenen Landwirte Ersatzflächen gesucht werden. "Wir haben vielleicht was." Der See werde ein bisschen kleiner, bleibe aber bestehen.
Man müsse schnell handeln, damit sich nicht noch mehr Tiere ansiedeln, fand Michael Kastl. "Wir sind im ländlichen Raum, wir müssen das ein bisschen anders sehen." Der 2. Bürgermeister wiederholte eine bereits früher gegenüber der Presse getroffene Äußerung: "Der Biber schafft Fakten."
"Wir als Stadt sind sehr umweltfreundlich, wir müssen aber auch an unsere Landwirte denken", sagte Umweltreferent Klaus Schebler (Neue Wege). Für die sei wichtig, dass das Futter für das Vieh reicht. Roland Lenhart hielt entgegen, dass der Landkreis ja auch Grünflächen habe, die er zur Verfügung stellen könnte. Die seien allerdings nicht so hochwertig.
Als besonders wichtig sieht Ortsreferent Georg Heymann (CSU) an, dass die Drainagen freigelegt werden. Denn durch den Biber staut sich das Wasser bereits auf umliegenden Feldern.


Früher auf der Speisekarte

Den Biber und den Mönch nahm Michael Kastl schließlich zum Anlass, daran zu erinnern, dass der Biber früher in der Fastenzeit gegessen werden durfte, weil er im Wasser lebte und daher als Fisch galt. "Der Biber schmeckt gut." Aus dem Gremium wurde er allerdings daran erinnert, dass die Fastenzeit vorbei ist. "Die Fastenzeit ist rum, aber schmecken tut er immer noch", meinte der 2. Bürgermeister dazu.