Gelöste Radmuttern an Fahrzeugen waren in den letzten Wochen ein Phänomen, mit dem sich die Polizeiinspektion Bad Neustadt aktuell intensiv beschäftigt. Mittlerweile ist man dort zur Überzeugung gekommen, dass es sich um keine mutwillige Beschädigungen handelt oder gar ein Serientäter am Werk ist. Vielmehr geht die Polizei von technischen Mängeln aus, die ihre Ursache in einem unsachgemäßen Reifenwechsel haben könnten.
Sieben Fälle mit gelösten Radmuttern mussten von den Beamten der Bad Neustädter Inspektion in den letzten Wochen bearbeitet werden, Grund genug, dass sich mittlerweile eine eigene Gruppe von Bad Neustädter Beamten intensiv mit dem Thema befasst hat, so Kurt Etzel.


Ermittlungen in Niederbayern

Die Neustädter Polizei hatte dazu auch Kollegen anderer Dienststellen angerufen und war vielerorts auf ein ähnliches Phänomen getroffen. In Niederbayern habe sich die Polizei sogar groß angelegt und mit Einschaltung von Sachverständigen dieses Themas angenommen und sei ebenfalls zur Erkenntnis gekommen, dass es sich um Fehler beim Reifenwechsel handelt, erklärt Etzel. Die Fälle in Niederbayern und in Rhön-Grabfeld haben viele Ähnlichkeiten. Dort seien die Sachverständigen davon ausgegangen, dass letztendlich Unachtsamkeit beim Reifenwechsel zum Lösen der Radmuttern geführt habe. Auch könnten eingerostete Bremsscheiben langfristig dafür sorgen, dass die Radmuttern sich lösen, weil die Reifen dadurch ungleichmäßig belastet würden. Verrostete Schrauben könnten ebenfalls ein Auslöser sein.
Auffallend ist zudem, das sich die gelösten Radmuttern oft auf der linken Seite befinden. Betroffen seien Autos quer durch alle Fabrikate, erklärt Kurt Etzel.
Auch andere Indizien und Ermittlungsergebnisse bei den Neustädter Fällen sprechen nach Auskunft der Polizei dafür, dass sich die Radmuttern gelockert haben, weil sie nicht fest genug saßen oder schon rostig waren, so Etzel. Es gebe weder räumlich einen Zusammenhang bei den einzelnen gemeldeten Fällen noch habe man in irgendwelche Zeugenaussagen erhalten, die auf eine mutwillige Tat hinweisen. "Es gibt keinerlei Hinweise auf einen Serientäter", betont Etzel. Trotzdem wird die Angelegenheit ernst genommen und es wurde und wird deshalb in alle Richtungen ermittelt.


Rat des Fachmanns

Im Technikzentrum des ADAC weiß man, dass Nachlässigkeit, sei es beim Reifenwechsel selbst oder Rostansatz, mitunter dazu führen können, dass sich Radmuttern tatsächlich lösen. Der Pannenservice des ADAC wird auch zu Autos mit solchen Problemen gerufen, statistisch werde das aber nicht erfasst, so Arnulf Thiemel vom Technikzentrum. Die Ursachen für gelöste Radmuttern festzustellen, sei ohnehin schwierig, meint der Fachmann. Die Polizei könne aber anhand ihrer ermittelnden Sachlage sicherlich abschätzen, ob es sich um mangelnde Sorgfalt beim Reifenwechsel oder um einen Unhold handelt, der sich an den Muttern zu schaffen macht.
Grundsätzlich gilt der Rat des ADAC-Fachmanns, dass der Autofahrer einfach immer mal schaut, ob am Wagen alles in Ordnung ist. Das gelte für die Radmuttern ebenso wie für das Licht und sonstige wichtige Teile des Autos.