Einen Pfarrer in "Ruf- und Reichweite" benannte Kolb den rastlosen Ruheständler, der auch mit über 80 Jahren noch gerne und mit seelsorgerischer Leidenschaft aushilft und einspringt, wo er gebraucht wird. Mit viel Begeisterung machte sich Pfarrer Lieblein daran, der ca. 60köpfigen Zuhörerschar des Erzählnachmittags aus dem Leben eines spätberufenen Priesters zu erzählen.
Als mittleres von drei Kindern hat er im Jahre 1934 in Hambach das Licht der Welt erblickt und wuchs in einer Arbeiter- und Bauernfamilie auf. Von den schwierigen Kriegsjahren ist ihm dabei besonders in Erinnerung, dass von den vielen bettelnden Bedürftigen, die damals aus der Stadt kamen, von der Mutter keiner ohne Gabe von der Türe gewiesen wurde. Und wie engagiert sie war, zeigte sich, als dem russischen Erntehelfer, einem Kriegsgefangenen, von seinem deutschen Bewacher die Teilnahme am gemeinsamen Abendessen verweigert werden sollte; ganz Hambach habe miterlebt , wie energisch seine Mutter durchsetzte, dass der Mann mit am Tisch saß. Leider verstarb sie im frühen Alter von 44 Jahren.


Angenehme Erinnerungen

Mit Freuden erinnert sich Lieblein an die Jugendarbeit in der Pfarrei, die prägend für viele junge Leute aus Hambach gewesen sei. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm Fahrradtouren, auf denen unter einfachsten Umständen Deutschland entdeckt wurde.
Schon während seiner Lehrzeit habe ihn eine drängende Unruhe befallen, bekannte Pfarrer Lieblein, wollte er doch lieber geistlicher Arbeiter werden. Der zuständige Ortsgeistliche ermöglichte ihm die Aufnahme am Mainzer Priesterseminar, wo er das Abitur nachholen konnte, es aber selbst finanzieren musste.
Trotzdem betätigte er sich sportlich, heimste viele Erfolge als Degenfechter ein. "Es war eine sehr schwere, fordernde, entbehrungsreiche, aber auch gute Zeit", stellt er rückblickend fest; die unter unmenschlichen Umständen und Anforderungen erfolgte Prüfung schafften damals nur sieben von 42 Schülern.
1959 kam er zum Studium an die Uni Würzburg und und war weiter begeisterter Sportler als Reiter, Fechter, Ruderer und Fußballer.
Eine wichtige Erfahrung war für ihn ein Praktikum während seiner Studienzeit. "Beim sozialen Praktikum im Gefängnis Ebrach machte ich die Erfahrung, dass die Familie Keimzelle für ein gelungenes oder misslungenes Leben der Kinder ist!"
1964 erhielt Albin Lieblein die Priesterweihe und war dann Seelsorger in verschiedenen Orten. An seine Zeit in Poppenhausen hat er besonders gute Erinnerungen. 19 Jahre war er in der Pfarrei Gartenstadt in Bad Neustadt. Er war sich dort nicht zu schade, in Arbeiterkluft bei den zahlreichen Bautätigkeiten selbst Hand mit anzulegen. "Meine Gemeindemitglieder haben es ja auch getan, ich hatte tüchtige Leute, es war eine fruchtbare, segensreiche christliche Gemeinschaft!"
Heute wohnt Pfarrer Lieblein in Münnerstadt, doch ein Ruheständler ist er bis heute nicht. Er ist Seelsorger in Maria Bildhausen, kümmert sich um die verwilderten Obstbaum-Anlagen und bringt den Behinderten dort das sportliche Bogenschießen bei. Auch die benachbarten Kirchengemeinden Burglauer, Niederlauer, Salz, Strahlungen und Rheinfeldshof sind froh, dass er als verlässliche Aushilfe da ist. Pfarrer Liebleins Schlusswort: "Ich bin dankbar, dass der Herrgott mich diesen Weg hat gehen lassen!"