"Rathaussturm! Her mit dem Schlüssel! Helau", herrschte mit hellem Stimmchen, aber nichtsdestotrotz schon recht energisch und hörbar ein blonder Junge Bürgermeister Matthias Klement an. Der ahnte bereits, dass er gegen die zwei Dutzend Buben und Mädchen der Poppenläurer Kindertagesstätte Lauerland, die zum Rathaussturm in Maßbach angetreten waren, sowieso keine Chance hatte und gab den Schlüssel sofort ohne Widerstand heraus. Klement war mit einem grünen Frack, einem grünen überdimensionalen Zylinder und einer ebenso grünen Fliege erschienen, und auch die meisten seiner Mitarbeiter, die den alljährlichen Rathaussturm im Ratssaal mit erleben wollten, hatten in die Kleiderkiste mit den Karnevals- Kostümen gegriffen.

Die kleinen Clowns, Indianer Cowboys, Frösche, Piraten, Tiger, Prinzessinnen hatten mit ihren Erzieherinnen Isabell Kümmech und Anja Suckfüll den Rathaussturm präzise und ausführlich vorbereitet. Einerseits hatten sie sich Aufgaben für ein Quiz-Spiel und einen Wettbewerb überlegt, die der Bürgermeister und seine Mitarbeiter zu absolvieren hatten. Andererseits studierten sie auch selber einige Lieder ein. Mit dem etwas abgewandelten Lied "Komm mit mein Schatz, fahren wir nach Maßbach dann, halten vorm Rathaus an", mit Trommelwirbel, Rasseln und Trompetenschall marschierten sie in den Ratssaal ein.


Suchrätsel versteckt

Mehrere Lieder hatten die Kinder mit ihren Erzieherinnen so umgetextet, dass darin ein Suchrätsel versteckt war. Und jede Menge Aufgaben, die zu lösen waren, hatten sie auch mitgebracht.

Die guten alten Hula-Hoop-Reifen kamen zu Ehren. Bürgermeister Klement und eine Mitarbeiterin des Rathauses mussten die Hüften kreisen lassen. Bei Klement blieb der Reifen ein paar Sekunden länger oben. Er schaffte es auch, etwas schneller als sein Mitarbeiter ohne Zuhilfenahme der Hände fünf kleine Schokoküsse, die auf dem Ratstisch lagen, zu essen, und schließlich konnte er auch schneller eine Papierschlange ausschneiden als eine Mitarbeiterin. Besonders schwierig war es, mit verbundenen Augen kleine Gegenstände zu tasten und zu erraten, um was es sich handelt.

Kurz gesagt, der Bürgermeister war fast überall der beste und schnellste. Kritisch begleitet wurden die Wettkämpfe von einer Jury, die aus drei Kita-Kindern bestand. Sie kam zu dem Urteil, dass Matthias Klement die meisten Aufgaben besser als seine Mitarbeiter gelöst hatte. Dafür gab es die meisten Sieger-Medaillen. "Der Bürgermeister hat es verdient, dass er seinen Schlüssel zurück bekommt" meinte Isabel Kümmech, und so geschah es dann nach einer guten halben Stunde Rathausbesetzung - allerdings im Tausch gegen Süßigkeiten für alle Kinder.