Nun haben sie es also doch getan: 31 Jahre - genauer gesagt 31,5 Jahre - nachdem sie sich kennen gelernt hatten. Warum Rainer Mößner und Jens Müller-Rastede so lange mit ihrem "Ja" gewartet haben, können sie selbst nicht so genau sagen, zumindest in den letzten Jahren wäre das rechtlich möglich gewesen. Aber sie waren ja auch so zusammen. Dass sie sich jetzt doch getraut haben, hat zum Teil rein sachliche Gründe. Es gibt da aber noch etwas ganz Besonderes: "Es ist schön, wenn man nach so langer Zeit wieder einmal ein Kribbeln bekommt", sagt Rainer Mößner am Vortag ihrer Lebenspartnerschaftsbegründung.

Es begann im Jahr 1983

Jens Müller-Rastede lacht herzlich über die Frage, wo sie sich kennen gelernt haben. "In einer Kneipe in München", sagt er dann. Er war damals als Schauspieler am Münchner Jugendtheater, Rainer Mößner besuchte die Heilpraktiker-Schule der Landeshauptstadt. Das war Anfang 1983. An Rainer Mößners Geburtstag, am 21. August des gleichen Jahres, fassten die beiden den Entschluss, zusammenzuziehen. Das ist für sie ihr gemeinsamer Tag. Und diesen Tag haben sie auch für die Gründung ihrer Lebenspartnerschaft gewählt. Ein doppelter Grund zu feiern.

Heimweh nach Franken

Die Jahre gingen ins Land, sie lebten zusammen in München, führten zeitweise eine Fernbeziehung und wohnten dann zusammen in Pforzheim. 1987 entschlossen sie sich, eine Reise durch Franken zu unternehmen. Mittelfranke Mößner: "Die Sprache war wie Musik in meinen Ohren." Und auch der aus Oldenburg stammende Jens Müller-Rastede bewegte sich auf bekanntem Terrain. Von 1977 bis 1981 war er am Fränkischen Theater Schloss Maßbach als Schauspieler tätig gewesen. "Da kannte ich natürlich Münnerstadt, habe auch mal im Bundtschu gesessen", sagt er. Bei einem Spaziergang vom Jörgentor durch die mittelalterliche Stadt ist es dann passiert: Der Schauspieler fasste einen Entschluss: "In diesem Ort will ich alt werden." Für Heilpraktiker Rainer Mößner hatte das auch noch ganz andere Vorteile: Er wollte zurück ins Frankenland und an einen Ort, an dem es noch keine Heilpraxis gab. Die Wahl war gefallen, der Umzug erfolgte 1989, auch wenn noch ein paar Jahre kamen, an denen sie sich seltener sahen, weil Jens Müller-Rastede unter anderem am Coburger Theater tätig war. "Aber so weit ist das ja nicht."

Nun ist der Schauspieler 68 Jahre alt und Rentner. Das ist einer der rein sachlichen Gründe, warum sie die Lebenspartnerschaft eingegangen sind. Sollte er einmal ins Krankenhaus kommen, wird Rainer Mößner wie ein Ehemann behandelt und bekommt natürlich Auskünfte von den Ärzten. In ein paar Jahren stehen dem 58-jährigen Mößner zwei Drittel der Rente Müller-Rastedes zu, wenn dem einmal etwas passieren sollte. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

Zwei Ausnahmen

31 Jahre sind eine lange Zeit. Laut Rainer Mößner ist es eher ungewöhnlich, dass zwei Männer so lange zusammenbleiben. "Bei Männern ist die Fluktuation größer", sagt er. Dann bringt er es auf den Punkt: "Es gibt aber ein paar Ausnahmen."

Und so stehen die Ausnahmen Rainer Mößner und Jens Müller-Rastede am Donnerstag im Trauzimmer des Deutschordensschlosses vor Bürgermeister Helmut Blank, der die Lebenspartnerschaftsbegründung vornimmt und sichtlich Spaß daran hat. Zunächst ruft er die Anwesenden erst einmal dazu auf, Rainer Mößner ein Geburtstagsständchen zu singen. Auf die Kontrolle der Personalausweise verzichtet er. Man kennt sich. Dann mahnt der Bürgermeister sich selbst und die Anwesenden entsprechend des Anlasses zur Ernsthaftigkeit.

"Der Standesbeamte wirkt bei der Begründung einer Lebenspartnerschaft als Organ des Staates mit; nicht er schließt die Lebenspartnerschaft, das tun Sie beide selbst", sagt Helmut Blank. Mit gegenseitigem Vertrauen und Verständnis füreinander sollte das Glück für jedes Paar erreichbar sein. Gerade das "Verständnis füreinander" halte er für sehr wichtig. "Es wird wohl kaum zwei Menschen geben, die nur gemeinsame Hobby, gemeinsame Freunde, gemeinsame Interessen haben - und das auch noch, wie man so schön sagt, für immer und ewig."

Frage man Paare, die schon sehr lange zusammen sind, "noch länger als Sie" nach einem Rezept für eine dauerhafte Partnerschaft, würden viele sagen: "Wir haben sehr viel miteinander geredet." Das heißt, sie haben den anderen am eigenen Leben teilhaben lassen. Man könne auch verschiedene Meinungen austauschen und so vom anderen lernen. "Es hängt davon ab, wie man sich gegenseitig zuhört." Dann folgt die offizielle Amtshandlung der Lebenspartnerschaftsbegründung, einschließlich Tausch der Ringe, Unterschrift und Hochzeits-Kuss.

Vierpfotige "Trauzeugen"

Im Hof wurde das Paar mit Seifenblasen, Luftballons und vielen Glückwünschen empfangen. Auch ums Holzsägen und Nägeleinschlagen kamen die beiden Lebenspartner nicht herum. Die ganze Zeit dabei: "Trauzeugen" Siggi und Toni, die beiden Hunde des Paares. "Sie hatten nichts gegen die Verbindung", scherzt Rainer Mößner. Bliebe nur noch eine Frage: "Wie fühlen sie sich nach dem offiziellen Akt der Lebenspartnerschaftsbegründung? "Erleichtert", sagt Jens Müller-Rastede. "Pudelwohl", meint Rainer Mößner.