Seit Mitte Juli ist der historische Gasthof des Klosters Maria Bildhausen wieder geöffnet. Anfang 2013 hatte die katholische St. Josefskongregation als langjähriger Betreiber den seit 1898 in der Region beliebten Klostergasthof mangels Rentabilität schließen müssen. Jetzt führt das Dominikus-Ringeisen-Werk als Eigentümer der Klosteranlage diesen Gasthof mit zehn speziell geschulten Mitarbeitern aus der im Kloster angesiedelten Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
"Uns war klar, dass ein gastronomisches Angebot systemrelevant für die Klosteranlage ist", begründet Michael Nowotny (51), stellvertretender Ringeisen-Gesamtleiter Unterfranken, das ungewöhnliche Projekt, das von Sozialpädagogin Anne Hilpert (34) geleitet wird. Auch wenn der in der Behinderten-Werkstatt übliche Lohn der Mitarbeiter in der Gesamtkalkulation Berücksichtigung findet, ist dies der einzige Weg, die Betriebskosten niedrig zu halten und wenigstens eine schwarze Null zu erwirtschaften.

Neue Aufgabe

Es gibt bereits einige Inklusionsprojekte in Deutschland, bei denen Behinderte in der professionellen Gastronomie eingesetzt werden. Aber dort werden sie in den ersten Arbeitsmarkt eingebunden. Nowotny: "Wir sind kein Integrationsbetrieb, unsere Gastro-Mitarbeiter gehören weiterhin unserer Werkstatt an." Es ist eben nur eine neue Aufgabe.

Individuelle Talente

Waren sie früher in der Schreinerei, Gärtnerei oder Metzgerei tätig, arbeiten sie jetzt im Gasthof. Zuvor wurden sie durch externe und auch Werkstatt-eigene Lehrkräfte mehrere Wochen lang in der Küche, im Dienst an der Theke und im Umgang mit Gästen geschult.
"Dabei zeigten sich individuelle Talente", weist Nowotny auf den heutigen Arbeitsplatz der Mitarbeiter hin. Ihnen stehen fünf Betreuer zur Seite, die teilweise selbst wie Koch Sören Banz (46) "im früheren Leben" in der Gastronomie tätig waren. In zwei Schichten aufgeteilt, arbeiten heute vier Behinderte in der Küche, zwei hinter der Theke und die vier anderen Mitarbeiter "springen".
Denn zusätzlich zur ganzjährig geöffneten Gastwirtschaft müssen noch 13 Zimmer, vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband mit drei Sternen zertifiziert, für Gäste vorbereitet werden. Je nach persönlicher Qualifikation, Einsatzmöglichkeit und -bereitschaft wird den zehn Mitarbeitern die Tätigkeit zugewiesen. Nowotny: "Manchem bietet die Theke auch Schutz und gibt Sicherheit."
"Unsere Mitarbeiter machen alles außer Bonnieren und Kassieren", erklärt Projektleiterin Anne Hilpert. Deshalb gibt es in Maria Bildhausen auch kleine Besonderheiten im Ablauf: Gäste werden aufgefordert, Wünsche und Tischnummer auf ausgelegten Bestellzetteln zu notieren, die von den Kellnern abgeholt werden. Essen und Getränke werden am Tisch serviert. Zum Zahlen wird der Gast an die Theke gebeten.
Seit Mitte letzten Jahres läuft das Projekt. "Wir fangen an zu lernen", meint Hilpert. Jetzt will man über den Fortgang beraten und Maßnahmen zur Verbesserung einleiten. "Wohin wir uns entwickeln, wissen wir noch nicht." Doch dass es mit dem Klostergasthof weitergehen wird, davon sind alle Beteiligten überzeugt. "Wir sind ein Treffpunkt für Gäste mit und ohne Behinderung."