Die monatelangen Vorbereitungen und Proben haben sich wirklich gelohnt. Das erste Festspiel-Wochenende im Schrimpf'schen Schloß mit der Aufführung von Victor Hugos wohl bekanntestem Stück der "Glöckner von Notre Dame" ging erfolgreich über die Bühne. Die Besucherzahl am Samstagabend litt zwar ein wenig unter dem fast gleichzeitig statt-findenden EM-Fußballspiel Deutschland - Italien. Doch alle, denen Theater wichtiger als Fußball war, ließen sich auch durch einen kleinen Regenguss zwischendurch nicht verdrießen und waren begeistert von den Leistungen der über 50 Schauspielerinnen und Schauspieler jeden Alters.

Die verwickelte Geschichte mit Quasimodo (Dieter Vilhauer), dem abstoßend-hässlichen und buckligen Glöckner der Pariser Kathedrale Notre Dame und Esmeralda (Elke Thomas), der verführerisch-hübschen jungen Zigeunerin Esmeralda im Mittelpunkt ist eine Tragödie mit komödiantischen Zügen um Liebe, Leidenschaft, Hass und Macht.

Klaus Hart führt zusammen mit Gabriele Sebald Regie. Er hat aus Victor Hugos 1831 erschienenem Roman mit seinen 300 bis über 400 Seiten, je nach Verlag, in langer Arbeit für den Heimatverein des Marktes Maßbach eine rund zwei Stunden dauernde Bühnenfassung mit 70 Manuskriptseiten gemacht. Sie muss natürlich verkürzt sein, hat allerdings dabei nichts an Tiefe und Dramatik eingebüßt. "Dieses Jahr sind viele Jugendliche dabei, die erstmals auf der Bühne stehen. Da sollten Sie nicht so streng sein", bat Klaus Hart. Das war gar nicht nötig, denn auch der jüngste Nachwuchs hat seine Sache exzellent gemacht.

Paris um das Jahr 1480. Der von Geburt an bucklige, krummbeinige und taube Quasimodo wächst unter der Obhut seines Ziehvaters Claude Frollo (Reiner Müller), dem Archidiakon und Domdekan von Notre Dame, zwischen den Türmen der Kathedrale heran und führt dort als Glöckner ein jämmerliches und einsames Leben, verachtet von seiner Umgebung. Nach alter Sitte herrscht am 6. Januar jedes Jahres traditionsgemäß Narrenfreiheit und Ausgelassenheit in der Stadt. Das nutzten die Bürger, um für ein paar Stunden die starren Regeln des Alltags zu brechen. Dazu gehört auch die Kür eines Narrenpapstes - die Wahl der Bürger fällt auf den bedauernswerten Quasimodo, "ein Papst, wie er sein muss. Habemus papam".


Feuriger Tanz

Plötzlich taucht wie aus dem Nichts die junge bildhübsche Zigeunerin Esmeralda auf dem Domplatz auf. Mit ihrem feurigen Tanz zieht sie die Blicke aller Anwesenden auf sich. Die Frauen reagieren eifersüchtig, aber die Männer sind von ihrer Anmut hingerissen, auch und besonders der Archidiakon. Er liebt sie und will sie unbedingt für sich haben. Die Klausnerin Gudule (Inge Hochhaus) aber stößt wilde Drohungen gegen das Mädchen aus, das genauso alt ist wie ihre Tochter, die einst von Zigeunern entführt wurde. Beide sind Mutter und Tochter, wie sich bald herausstellt. Doch die Wiedersehensfreude kann nicht lange währen.


Kopf in der Schlinge

Nicht vergessen werden darf der königliche Hauptmann Phöbus (Maximilian Bartenstein). Er soll seine Cousine Fleur de Lys (Lilly-Fae Sattler) heiraten, doch sein Herz gehört Esmeralda, die ihn ebenfalls liebt. Sie heiratet, um die Verwicklungen komplett zu machen, übrigens den talentlosen Dichter Pierre Gringoire (Max Heuchler), der damit seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann, die Vagabunden ihm geknüpft haben.

Derweil kann es der rasend eifersüchtige Archidiakon nicht überwinden, dass Esmeraldas Herz nur dem jungen schönen Hauptmann Phöbus gehört. Er sticht Phöbus nieder und lässt die junge Frau wegen Hexerei und Unzucht vor Gericht stellen. Sie wird zum Tod durch Hängen verurteilt. Quasimodo gelingt es, sie in die Kathedrale zu retten, wo ihr nach altem Recht Kirchenasyl zusteht. Doch König Ludwig (Jürgen Bartenstein) ordnet ihre Hinrichtung an. Sie wird gehängt, was wir allerdings nur andeutungsweise miterleben. Auch Hauptmann Phöbus endet tragisch, er heiratet seine Cousine.

Nun einzelne Personen herauszupicken und zu loben, würde der exzellenten Gesamtleistung der Schauspielertruppe nicht gerecht. Alle haben ihre Sache sehr gut gemacht und die beiden Souffleusen hatten sehr wenig Arbeit.

Erwähnt werden muss natürlich die sehr aufwendige Kulisse, denn ein - natürlich stark verkleinertes - Abbild der Front von Notre Dame bildete den Mittelpunkt der Bühne. Alles in allem: ein sehr schöner Theaterabend.

Tickets Aufführungen am 8. und 9. Juli (Beginn jeweils 19.30 Uhr)

Karten in der Getränkehandlung Bieber in Poppenlauer zu den normalen Öffnungszeiten, Tel.: 09733/ 9298, oder an der Abendkasse.
Ticketbestellung: www.festspiele-poppenlauer.de, oder Herbert Will, Tel.: 09733/ 41 77 (Tickets Abendkasse).
Infos: www.heimatverein-markt-massbach.de