Inge Bulheller sagt es ganz deutlich: "Bekommen wir nicht den vollen Zuschuss, dann machen wir es definitiv nicht, dann müssen Sie sich jemand anderes suchen." Grund ist die Kürzung des Budgets für das Stadtfest "Musik und Märkte" 2016 von bisher 15 000 Euro auf 12 500 Euro. Abzuklären bleibt nun, ob sie das kann. Inzwischen haben die Fraktionen SPD, Freie Wähler, Forum aktiv und der fraktionslose Leo Pfennig (CSU) einen Antrag für die nächste Stadtratssitzung Anfang November gestellt.


Bürgermeister ist zuversichtlich

Bürgermeister Helmut Blank (CSU) ist sich sicher: "Das Stadtfest wird hundertprozentig stattfinden." Er wird sich demnächst mit allen Versorgern des Stadtfestes zusammensetzen, so wie der Stadtrat es beschlossen hat. Die Kommune wünscht sich einen kleinen Unkostenbeitrag.
Jetzt hat sich Inge Bulheller in einem Brief an den Bürgermeister, den geschäftsleitenden Beamten und den Verwaltungsrat gewandt. Darin weist sie darauf hin, dass für die Durchführung des Festes die volle Summe nötig sei. "Präsentation und Qualität hat sich Kultourismus im Schloss in den letzten Jahren hart erarbeitet, und dies werden wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen", betont Inge Bulheller. Sie zählt in dem Schreiben verschiedene Firmen auf, die sich für sehr wenig Geld einbringen. Müsste die volle Leistung bezahlt werden, würden die 15 000 Euro nicht einmal ausreichen.


Von Aufgabe entbinden

"Die Reklamationen und die Beschimpfungen danach landen nicht in der Verwaltung oder beim Stadtrat", moniert sie. "Da heißt es, Kultourismus hat Mist gebaut. Ich weiß sehr wohl, wovon ich spreche." Um eine gute Organisation und ein ansprechendes Programm zu gewährleisten, müsse Kultourismus die 15 000 Euro auf dem Konto haben. "Sollte das nicht möglich sein, bitten wir Sie, Kultourismus von dieser Aufgabe zu entbinden."
Der Brief zeige, wie engagiert Inge Bulheller sei, meint Helmut Blank dazu. Er hatte ihn allerdings zu diesem Zeitpunkt gerade erst erhalten. Helmut Blank sieht das Ganze nicht so extrem. "Ich bin mir sicher, dass wir die fehlenden 2500 Euro bekommen", meint er versöhnlich. Dass Kultourismus das Fest auch 2016 in gewohnter Weise durchführt - daran besteht für ihn kein Zweifel.


Darf sie verweigern?

Abzuklären ist nun, inwieweit Inge Bulheller als Angestellte eines Kommunalunternehmens, das eine 100-prozentige Tochter der Stadt ist, die Durchführung des Stadtfestes verweigern kann. "Das muss von der Rechtsaufsicht geprüft werden", sagt der geschäftsleitende Beamte, Stefan Bierdimpfl dazu. Für den Fall, dass die 2500 Euro nicht beikommen und Kultourismus die Durchführung verweigert, müsse das Thema noch einmal in den Stadtrat.
Das Kommunalunternehmen hat in erster Linie die Aufgabe, die Bereiche Kultur, Touristik, Museum und Volkshochschule abzudecken. Inwieweit zusätzliche Aufgaben übernommen werden müssen, wenn der Stadtrat das beschließt, dürfte davon abhängen, was in der Satzung steht. Aber selbst wenn die Angestellten von Kultourismus angewiesen werden können, das Fest durchzuführen, wird sich dann das bisher von vielen gewürdigte Engagement von Inge Bulheller und ihren Mitarbeitern wohl in Grenzen halten.


Antrag gestellt

Passend zum Thema haben jetzt die drei Fraktionen SPD, Forum aktiv und Freie Wähler sowie Leo Pfennig einen Antrag für die nächste Stadtratssitzung formuliert: Unter Bezugnahme auf den Artikel in der Saale-Zeitung vom 14. Oktober "Stadtfest auf der Kippe" wird der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens Kultourismus im Schloss um Stellungnahme zu zwei Fragen gebeten. "Trifft die Behauptung von Frau Bulheller, Vorstand des Kommunalunternehmens, zu, der Bürgermeister sei ihr ,in den Rücken gefallen‘, er ,habe den Eindruck erweckt, die Kürzung des Budgets sei mit ihr abgesprochen gewesen'?" Und weiter: "Hat der Verwaltungsrat den Vorstand von Kultourismus auf die möglichen Konsequenzen ihrer Überlegung hingewiesen, die Durchführung des Stadtfestes abzulehnen?"


Es bleibt spannend

Das Thema Budgetkürzung und Ablehnung von Kultourismus, das Fest mit weniger Geld durchzuführen, wird die Stadt wohl in nächster Zeit noch mehrfach beschäftigen.