Andreas Trägner, Fraktionssprecher der Freien Wähler, lässt nicht locker. Zwar hat die Stadtverwaltung seinen Fragenkatalog bezüglich der Nutzung der Mehrzweckhalle beantwortet, das genügt dem Reichenbacher aber nicht. Er möchte ganz genau wissen, wie hoch die jeweiligen Nutzungsgebühren waren, ob die Leistungen des Hausmeisters und des Bauhofs verrechnet worden sind, wer der Veranstalter war und: "Wo wurden die nicht unerheblichen Einnahmen aus diesen Veranstaltungen verbucht?" Es geht Andreas Trägner insbesondere um Kulturabende, die ein kommerzieller Veranstalter durchgeführt hat. Für die Miete der Mehrzweckhalle brauchte er nichts zu bezahlen.


Den Standort stärken

Weil es der Fraktionssprecher ganz genau wissen will, hat die Stadtverwaltung um ein wenig Geduld gebeten. Gegenüber unserer Zeitung nahm Bürgermeister Helmut Blank (CSU) aber schon vorab Stellung zu dem Thema, mit dem er ganz offen umgeht. "Ich bin dankbar, dass das aufgegriffen worden ist", sagt er. "Wir haben unheimlich viele Veranstaltungen nach Münnerstadt gezogen, zum Wohle der Gewerbetreibenden und der Gastronomie." Er habe den Kulturstandort Münnerstadt stärken wollen.


Drei Veranstaltungen

Unumwunden bestätigt er, dass ein kommerzielle Veranstalter an drei Abenden die Halle umsonst bekommen hat. Das heißt, die Stadt hat die Halle kostenfrei an Kultourismus gegeben, das Kommunalunternehmen hat sie dem Veranstalter umsonst zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug hat Kultourismus die Versorgung der Besucher übernommen, um ein wenig Geld in die Kasse zu bekommen. 2000 Euro seien bei den drei Veranstaltungen erwirtschaftet worden, sagt Helmut Blank.


Die Kultur fördern

"Es war ein Versuch gewesen, die Kultur zu fördern." Der Bürgermeister verweist auf das hohe finanzielle Risiko, das der Veranstalter bei der Altneihauser Feierwehrkapell'n und Ingo Appelt zu tragen hatte, weil Münnerstadt als Veranstaltungsort ja nicht so bekannt sei. "Wir haben ihm die volle Unterstützung zugesagt, um Münnerstadt bekannter zu machen."
Die volle Unterstützung bedeutet auch, dass neben der kostenfreie Hallennutzung (jeweils 530 Euro) Leistungen des Hausmeisters (rund 500 Euro pro Veranstaltung) und des Bautrupps (Summe bisher nicht beziffert) nicht in Rechnung gestellt wurden.
"Meiner Meinung nach hat Bürgermeister Helmut Blank seine Haushaltskompetenz deutlich verletzt und das zu Lasten der Stadtkasse", sagt Andreas Trägner dazu. Angesichts der Haushaltslage der Stadt Münnerstadt und der angestrebten Haushaltskonsolidierung sei diese Vorgehensweise inakzeptabel. "Es kann nicht sein, dass ein auswärtiger kommerzieller Veranstalter Einnahmen in fünfstelliger Höhe erzielt und die Stadt Münnerstadt auf Einnahmen von mehreren tausend Euro verzichtet, während örtliche Vereine und Vereinigungen zahlen müssen", betont er. Bevor er weitere Schritte unternehme, warte er erst einmal auf die Beantwortung seines Fragenkataloges, erklärte Andreas Trägner gegenüber unserer Zeitung.


Jetzt wird Satzung angewendet

Auch der Rechnungsprüfungsausschuss hat die unterschiedliche Erhebung von Nutzungsgebühren und Berechnungen von Bauhofleistungen im Jahr 2014 bei der Überprüfung der Zahlen des Jahres 2013 moniert. "Wir nehmen so etwas ernst", sagt Helmut Blank dazu. Seit 1. Januar dieses Jahres wird die Gebührensatzung ohne Einschränkung angewendet. Wenn ein Veranstalter oder Verein der Meinung ist, es gebe gute Gründe, die Halle günstiger zu bekommen, dann müsse der Stadtrat entscheiden, ob diese Gründe wirklich so wichtig sind. Und das in jeden Einzelfall.


Rechnung voll bezahlt

Von dieser Möglichkeit hat Bruno Eckert nicht Gebrauch gemacht. Für den Organisator des Studiengenossenfestes ist eine Satzung verbindlich. "Ich war lange genug im Stadtrat, habe an einigen Satzungen mitgewirkt", sagt er. "Ich bezahle, was nach Satzung verlangt wird." Eine Einstellung, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen gekommen ist. Für die viertägige Hallennutzung einschließlich Schankanlage hat er 2120 Euro bezahlt, für die Leistungen des Bauhofs und Hausmeisters mehr als 3800 Euro. Bruno Eckert hat sich die Auflistung der Arbeitsstunden angesehen und meint, dass das voll in Ordnung gehe.
Helmut Blank betonte gegenüber unserer Zeitung, dass Bruno Eckert darauf hingewiesen worden sei, dass die Möglichkeit der Vergünstigung besteht. Das bestätigt Bruno Eckert, der sowieso nicht davon Gebrauch gemacht hätte, nur teilweise. Es sei richtig, dass der Bürgermeister in einem Gespräch vor der Veranstaltung seine volle Unterstützung zugesagt habe, falls es Probleme gibt. Nach dem Fest sei er von der Verwaltung gefragt worden, ob er sich mit dem Bürgermeister bezüglich der Möglichkeit der Vergünstigung unterhalten habe, was er verneinte. Bruno Eckert bezahlt seine Rechnungen immer vollständig.


Vielfältiger Einsatz

Helmut Blank verwies in dem Gespräch auf die vielfältigen Einsätze des Bauhofs, bei denen nicht gleich Rechnungen gestellt werden. Der Trupp unterstütze beispielsweise den äußerst engagierten Altstadtverein beim Kinderfest, oder auch die Heimatspielgemeinde. Sabine Scheuble vom Altstadtverein bestätig das. Die Zusammenarbeit mit Helmut Blank sei hervorragend. Den kostenfreien Einsatz des Trupps bei solchen Aktionen unterstützt Andreas Trägner voll und ganz. Bei einem kommerziellen Veranstalter dürfe es das aber nicht geben.