Bad Königshofen — Wer in den vergangenen Wochen bei einem Spaziergang den Kurgarten in Bad Königshofen besuchte, dem ist er sicher aufgefallen: der neue Grenzsteingarten, der unterhalb der Trink- und Wandelhalle angelegt wurde. Mehr als 60 verschiedene, oftmals historische Grenzsteine sind dort zu finden. Teils befinden sie sich im Original, größtenteils sind sie aber nachgearbeitet, sagt Initiator Clemens Behr.

Die erste kleine Anlage

Schon zu seiner Zeit als Bürgermeister der Stadt Bad Königshofen hatte er die Idee, historische Grenzsteine nicht nur zu erhalten, sondern diese auch zu sichern. So entstand eine erste, kleinere Anlage am "Oma-Opa-Enkel-Baumpfad" entlang der Umgehungsstraße. Nachdem die historischen Steine aber immer mehr wurden, kam Behr mit Bürgermeister Thomas Helbling überein, die Steine im Kurpark von Bad Königshofen zu präsentieren.
Außerdem kam in den Anfangsjahren ein Kontakt mit dem ehemaligen Vermessungsdirektor Karl Tilch aus Bad Neustadt zustande. Dieser hatte sich seinerzeit und dann vor allem im Ruhestand mit Grenzsteinen befasst. Von ihm erfuhr Clemens Behr auch mehr über den geschichtlichen Hintergrund der Grenzsteine. Gerade im Grabfeld gab es viele Gemarkungsgrenzen und entsprechend auch viele verschiedene Grenzsteine. "Wir hatten Herrschafts-, Jagd- und auch Geleitgrenzen", erzählt Behr.
Damit war die Idee geboren, diese Grenzsteine, die teils nur noch im Bild dokumentiert waren, wieder "aufleben" zu lassen und nachzuarbeiten. Hilfestellung bekam er durch das Bildmaterial, das ihm das Stadtarchiv Bad Neustadt zur Verfügung stellte. Dort nämlich lagern die Unterlagen des zwischenzeitlich verstorbenen Karl Tilch. In Bruno und Jürgen Hippold, den beiden Steinmetzen aus Bad Königshofen, fand er kompetente Mitstreiter. "Damit war das Projekt Grenzsteingarten Wirklichkeit geworden", sagt Clemens Behr.
Für den Initiator Clemens Behr ist es wichtig, dass der Grenzsteingarten ein kleiner Anziehungspunkt wird. Im Garten findet man zum Beispiel Grenzsteine, die an das Herzogtum Sachsen erinnern oder auch an das Amt Römhild, an Guttenberg oder einen Stein, der die Gemarkungsgrenzen von Klein eibstadt und Großeibstadt anzeigt. 1770 wurde ein Stein mit den Zeichen HWC gesetzt.

Stundensteine dabei

Er verweist auf die Hochstiftliche Würzburger Kammer. Zu sehen ist dort aber auch ein sogenannter Stundenstein. Er ist allenthalben noch heute an den Straßen zu finden. Es sind Steinsäulen, die die Entfernung zur nächst größeren Gemeinde angeben. Sie sind alle einheitlich gestaltet und wurden im 19. Jahrhundert aufgestellt.
Auch Klostergrenzen gab es, erfährt man im neuen Grenzsteingarten und, dass diese oftmals mit einem Abtsstab gekennzeichnet waren. Grenzsteine bestehen im Normalfall aus Granit- oder Zementsteinen mit einem Kreuz auf der Oberseite, ältere Abmarkungen können aber auch behauene oder unbehauene Feldsteine ohne Kreuz sein.
An den Grenzen von Landgütern oder herrschaftlichen Wäldern gibt es noch zahlreiche historische, künstlerisch ausgeführte Grenzsteine mit Wappen und Inschriften. Genau solche Steine findet man unter anderem im neuen Grenzsteingarten. Dass viele dieser Steine nicht im Original gezeigt werden können, ist auf gesetzliche Regelungen zurückzuführen. Danach ist in Deutschland das Entfernen, Unkenntlichmachen oder Versetzen eines Grenzsteins verboten.
Auf Bitten von Clemens Behr hat sich dann Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert mit der Geschichte der Grenzsteine befasst, in einem Informationsheft hat er das Wesentlichste dazu festgehalten.