"Dieser Golfplatz ist ein Glücksfall für die Natur", meint Reinhard Michalk, Chef-Greenkeeper des Golfclub Maria Bildhausen. Ein mutiger, gewagter Satz. Ob er zutrifft, darüber informierten sich vor Ort Mitglieder der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld des Bundes Naturschutz, die Michalk eingeladen hatte.
Der Greenkeeper ist seit 20 Jahren in der Golfplatzpflege tätig und seit 2005 für die Anlage Maria Bildhausen zuständig. Mit 156 Hektar ist die Golfanlage der flächengrößte 18-Loch-Golfplatz in Deutschland. Für Golf genutzt werden rund 50 Hektar, landwirtschaftlich 26 Hektar und etwa 80 Hektar entfallen auf Wiesen, Hecken und Gehölze. "Seit 2009 werden alle landwirtschaftlich genutzten Flächen in Biobewirtschaftung betrieben", so Michalk.

160 Hektar Ackerfläche

Etwa 160 Hektar der Gesamtackerfläche von Maria Bildhausen bewirtschaftet Michael Derleth aus Salz auf ökologischer Basis. "Diese Bewirtschaftungsart wurde von mir gezielt beeinflusst und geändert", betonte Michalk. Mit Zahlenmaterial hinsichtlich Düngung und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verglich er die vorherige herkömmliche landwirtschaftliche Nutzung zur golferischen Nutzung und hob den deutlich reduzierten Einsatz an Düngungsmittel und Pflanzenschutzmittel hervor. "Mein Ziel ist es, die Pflanzenschutzmittel auf null zu bringen und die Düngung weiter zu reduzieren", sagte Michalk.
Die etwa 50 Hektar Wiesen werden seit 25 Jahren nicht mehr gedüngt, mit der Folge, dass das Heu sehr begehrt ist. Gleiches gilt für die rund 30 Hektar Hecken- und Gehölzflächen. Erfreut hat Michalk festgestellt, dass sich auf dem Gelände "viele Vögel und andere Tiere" angesiedelt haben. Die großen Freiflächen zwischen den Spielbahnen bieten dazu ideale Voraussetzungen.

Kein Mäusegift mehr

Beim Rundgang über ein Teilgebiet des Golfplatzes konnten sich die Gäste von Entfaltungsmöglichkeiten für Pflanzen und Tiere ein Bild machen. Seit der Übernahme der Platzpflege im Jahre 2005 hat Michalk eine Reihe von Naturschutzmaßnahmen durchgeführt. Der Einsatz von Mäusegift wurde, nachdem zuvor jährlich bis zu 300 Kilo ausgestreut wurden, ab 2006 eingestellt. Die Folge war, dass der Bestand an Greifvögeln, wie Falken, Bussarde, Roter Milan, Wiesenbrütern oder Steinkauz, zugenommen hat. Nur in Ausnahmefällen werden Baum- und Heckenschnitte gehäckselt. Damit werden natürliche Altholz- und Totholzhaufen für Tiere aufgestapelt. Gleichzeitig wird der Energieverbrauch gesenkt.
Auf 1,5 Hektar wurden Kräuter- und Blühflächen angelegt, ideal für Insekten und Vögel. Durch das Anlegen von Steinhaufen haben Eidechsen und Blindschleichen einen Lebensraum. An einigen Spielbahnen wurden Laubbäume und seit 2009 rund 170 Obstbäume in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde gepflanzt. Zugenommen haben die Hornissen, weniger die Vielfalt an Schmetterlingen. Deutlich gestiegen ist der Bestand an Hasen, zum Leidwesen aber auch der der Wildschweine, die große Schäden verursachen. Feldhamster wurden noch nicht gesichtet.
Bei der Besichtigung des Maschinenparks übte Michalk Kritik an der Bundesregierung. Durch die Besteuerung von biogenen Treibstoffen komme bei allen Maschinen, die auf solche Treibstoffe und Schmiermittel umgestellt waren, aus Kostengründen wieder Diesel zum Einsatz.
Als Wunsch an die Untere Naturschutzbehörde und den Bund Naturschutz nannte Michalk eine ornithologische Prüfung des momentanen Vogelbestands im Vergleich zu 1992 und Beratung für weitere Aktionen.

Beeindruckte Gäste

Maßnahmen vor Ort zu inspizieren und sich aufklären zu lassen, sei die beste Informationsmöglichkeit und daher seien sie froh, nach Maria Bildhausen eingeladen worden zu sein, so der Tenor der Naturschützer. So könnten auch falsche Meinungen revidiert werden. "Golfplätze hatten bei Naturschützern einen schlechten Ruf wegen der Monokultur, der Düngung und der intensiven Bewirtschaftung", sagte Franziska Burmester, Stadträtin und Umweltreferentin der Stadt Bad Neustadt. Sie zeigte sich wie auch die anderen Gäste beeindruckt von dem, was auf dem und um den Golfplatz herum in den letzten Jahren im Sinne des Naturschutzes passiert ist. Als Beispiele nannte Burmester die Vielfalt an Vögeln, Insekten und anderen Tieren und die naturbelassenen Flächen für Pflanzen. "Ich bin überrascht und erfreut, was Reinhard Michalk in der natürlichen Bewirtschaftung der Anlage geleistet hat", so ihr Fazit. Martin Müller hob den Mut, den ökologischen Weg zu gehen, ohne die Garantie, dass es auch so akzeptiert wird, und den langen Atem, den so ein Konzept braucht, hervor.
Mit Blick in die Zukunft meinte Müller, die Dächer könnten mit Photovoltaik-Anlagen Strom produzieren, der zum Antrieb von E-Fahrzeugen verwendet werden könnte