"Eins, zwei, meins" - ganz so einfach, wie in der Werbung eines Online-Versteigerungsportals ist der Kauf eines Windrades zwar nicht. Doch die Münnerstädter Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energiegenossenschaft würde gerne eines der fünf im Bau befindlichen Windräder des Bürgerwindparks "Langes Schiff GmbH" erwerben. Die Gesellschaft hat den Genossen die Möglichkeit angeboten ein bzw. sogar zwei Windräder zu kaufen. In den nächsten zwei Wochen will der Vorstand die Grundlagen dafür schaffen.
Eine der wichtigsten Grundlagen ist die entsprechende Beteiligung der Genossenschaftsmitglieder. 1,2 Millionen Euro Eigenkapital muss die Genossenschaft für ein Windrad aufbringen. Dies funktioniert nur, wenn sich ausreichend Mitglieder finden, die Finanzierungs-Pakete zeichnen.
"Schön wäre es, wenn die Mitglieder es machen würden", sagt Vorstandsmitglied Franz Wüst. Auch Günter Köth, weiterer Vorstand in der Energiegenossenschaft, hat eine klare Meinung dazu: "Wir reden alle von der Energiewende; jetzt sind wir gefordert".

Mitglieder sind informiert

In einem Schreiben wurden die Mitglieder der Energiegenossenschaft bereits informiert. 600 Pakete zu je 2000 Euro wären nötig, um den Kauf eines Windrades zu finanzieren, erläutern Köth und Wüst. Ein jedes Paket besteht aus einem Genossenschaftsanteil von 300 Euro sowie aus einem Nachrangdarlehen von 1700 Euro. Wie Günter Köth und Franz Wüst ausführen, könne jeder Interessent aus der Region ein solches Paket (oder auch mehrere) kaufen. Dadurch werde er automatisch Mitglied der Münnerstädter Energiegenossenschaft.
Wie Wüst und Köth informieren, ist eine Kommanditisten-Beteiligung der Genossenschaft an dem Bürgerwindpark "Langes Schiff" aufgrund rechtlicher Vorschriften im Genossenschaftswesen nicht möglich. Die Beteiligung gehe nur über einen Kauf.
Der Kaufpreis für ein Windrad beträgt 4,5 Millionen Euro. Die Finanzierung sieht vor, dass davon 3,3 Millionen Euro über ein Bankendarlehen finanziert werden. Den Rest muss die Genossenschaft durch Eigenkapital aufbringen.

Gemeinsamer Betriebspool

Derzeit prüft die Energiegenossenschaft die Wirtschaftlichkeit des Projektes. Wirtschaftlich sei der Kauf für die Genossenschaft nur dann, wenn die Mitglieder bereit sind, mit eigenem Kapital einzusteigen. Köth und Wüst gehen von Zinserträgen zwischen 2,5 und drei Prozent aus. Renditen, wie sie noch vor fünf Jahren im Raum standen, seien heute nicht mehr zu erreichen, erklären sie. Dies liege an den niedrigeren Einspeisevergütungen, aber auch an den hohen Fixkosten, die durch den Betrieb eines Windrades entstehen. Alleine der Wartungsvertrag kostet pro Jahr 60 000 Euro.
Wie Franz Wüst und Günter Köth betonen, werden die fünf Windräder des Windparks gemeinsam betrieben. Das bedeutet, dass Stromerträge und laufende Kosten zusammengefasst und auf die einzelnen Anlagen verteilt werden. Diese Poolbildung reduziere das Betreiberrisiko.

Info-Veranstaltung im Oktober

Die fünf Windräder werden in den Waldstücken vor und nach der Pyramide nahe der ehemaligen B 19 gebaut. Die ersten Türme ragen jetzt in den Himmel. Die Windrädern haben eine Nabenhöhe von 140 Metern und einen Rotordurchmesser von 112 Metern. Federführender Gesellschafter der Bürgerwindpark "Langes Schiff GmbH" ist die Naturstrom AG, ein Stromerzeuger, der auf regenerative Energie setzt.
In den nächsten zwei Wochen möchte die Energiegenossenschaft wissen, ob die Resonanz in der Öffentlichkeit groß genug ist, um eines oder sogar zwei der Windräder zu kaufen."Wenn den Mitgliedern das Risiko zu groß ist, brauchen wir darüber nicht mehr zu diskutieren", betonen Wüst und Köth. Anfang Oktober ist dazu eine Informationsveranstaltung der Energiegenossenschaft geplant.
Wer Interesse hat, ein Windrad-Paket der Münnerstädter Energiegenossenschaft zu erwerben, kann sich an Franz Wüst oder Günter Köth wenden oder eine Mail schreiben: energie-eg.muennerstadt@gmx.de Schriftliche Anfragen kann man direkt in den Briefkasten der Energiegenossenschaft in Münnerstadt (Hintereingang des VR-Bank-Gebäudes) einwerfen.