Braucht es überhaupt noch Bauvorgaben für die Baugebiete, wenn dann doch ganz anders gebaut werden darf? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Bau- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Der Bauausschuss musste fünf Anträge und Voranfragen für Wohnhausbauten behandeln. Bei allen waren sogenannte "Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplanes" nötig. Denn das fränkische Satteldach scheint aus der Mode gekommen zu sein. Die Bauherren wünschen andere Dachformen. Sehr deutlich wurde die Problematik bei einem Antrag in Burghausen. Hier war der Bauausschuss auch vor Ort.
Florian und Sandra Reuscher wollen im Burghausener Rasengraben ein Haus bauen. Die junge Familie möchte ein Haus mit einem Walmdach - wegen der zwei Vollgeschosse, wie Sandra Reuscher ausführte. Doch Walmdächer sind in dem Baugebiet nicht erlaubt. Bislang gibt es da auch keine Ausnahmen. Alle bisherigen Bauherren haben die Regelung akzeptiert und gebaut, wie es vorgeschrieben ist.
Die Reuschers sind nun die ersten, die einen Antrag stellen, anders bauen zu dürfen. Die Nachbarunterschrift haben sie. Burghausens Ortssprecher Klaus Görlinger erläuterte, dass der Rest der Straße es durchaus ungerecht fände, wenn jetzt eine Ausnahme gemacht würde. "Ich hätte vielleicht auch anders gebaut", meint Görlinger, der selbst in der Straße wohnt
Andererseits ist es dem Ortssprecher aber auch wichtig, dass das junge Paar in Burghausen bleibt. Es habe bereits einen Fall gegeben, in dem die Bauinteressenten nach Burglauer abgewandert sind, weil der Bebauungsplan sie in ein Korsett zwängte.
Die Reuschers machten klar, dass "man nur einmal baut" und sie deshalb so bauen möchten, wie es ihnen am besten gefällt. Sie möchten im Ort bleiben, aber nicht um jeden Preis, machten sie klar.
Die Mehrheit der Bauausschussmitglieder hatte nichts dagegen, dass die Reuschers ihr Walmdach bekommen. "Junge Familien haben Priorität", meinten Dieter Petsch und Britta Bildhauer. Auch die Stadträte Jürgen Eckert und Johannes Röß fanden, dass man das Walmdach akzeptieren könne. Nur die gewünschten schwarzen Ziegel, da waren sich alle einig, sollen nicht aufs Dach. Die sollen - wie im Baugebiet üblich - dann doch rot oder rot-braun sein.

Auch kritische Stimmen

Doch es gab auch kritische Stimmen. Hubert Holzheimer war nicht glücklich darüber, dass sich kaum einer mehr an die Vorgaben in den Bebauungsplänen hält. Gerade in Burghausen sei es schade, weil im Baugebiet alle 15 bislang gebauten Häuser Satteldächer haben und jetzt die Harmonie unterbrochen werde.
Man sollte überlegen, Bebauungspläne grundsätzlich offener zu lassen, fand Klaus Görlinger. Dann müsste man auch weniger Ausnahmen machen.
Bürgermeister Helmut Blank gab zu bedenken, dass die meisten der Münnerstädter Baupläne schon recht alt seien. Heutige Pläne würden offener gestaltet. Die alten Bebauungspläne zu ändern, sei aber viel zu teuer. Blank rechnet mit Kosten von ca. 140 000 Euro. Da lieber Ausnahmen genehmigen, fand Blank. Stadtrat Klaus Schebler hielt entgegen, dass erst in der letzten Stadtratssitzung ein Erweiterungsplan für ein Reichenbacher Baugebiet genehmigt wurde - und auch da seien wieder Satteldächer vorgeschrieben.
Dass sich die Stadt bei ihren Bauvorschriften mittlerweile großzügig zeigt, war im weiteren Verlauf der Sitzung zu spüren. Befreiungen gab es außerdem für einen Hausbau in der Schaumburgstraße in Münnerstadt sowie für einen Wohnhausanbau in Reichenbach (Hintere Straße) sowie für zwei Bauvoranfragen - für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in Windheim (Kreuzbergblick) und eines Einfamilienhauses in der Eichhornstraße in Münnerstadt.