Einem Drechsler bei der Arbeit zuzusehen ist faszinierend. Das in der Drehbank eingespannte Werkstück wird - von kundiger Hand - nur mit Röhren und Flachmeißel bearbeitet. Sozusagen im "Handumdrehen" entstehen filigrane Kunstwerke, die nur beim Drechseln gefertigt werden können. Diesem Handwerk widmet sich eine Ausstellung des Henneberg-Museums, welche am 10. Juli eröffnet wird. "Die Entwicklung der Drechslerey - Ein altes Handwerk neu entdeckt" ist sie überschrieben.
"Ich freue mich, dass sich die Ausstellung diesem faszinierenden Handwerk widmet", ist der Museumsleiter des Henneberg-Museums, Björn Hein, begeistert. Federführend bei der Ausstellung ist Andreas Scholl, der selbst seit vielen Jahren als Hobbydrechsler aktiv ist. "Wir haben uns bei unserem Stammtisch, dem Dreiländer-Drechsler-Treff, die Frage gestellt, ob es nicht irgendwo eine geeignete Lokalität gibt, in der wir die verstreuten Exponate zu einer Gesamtschau zusammenführen können", erläutert Andreas Scholl. Da hat er mit Kultourismus im Schloss Kontakt aufgenommen, die sich über eine solche Ausstellung gleich begeistert zeigten. "Es wird allerhand zu sehen sein", verspricht der Hobbydrechsler schon jetzt. Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Drechslerstammtisch und Wolfgang Miller, Drechslermeister und Fachlehrer an der Berufsschule Bad Kissingen, hat er viele Objekte zusammengetragen, die einen guten Überblick darüber geben, wie sich die Drechslerei entwickelt hat, und welche Kunstwerke man mit ihr schaffen kann.


Exponate in Privatbesitz

"Die Gegenstände, die in der Ausstellung gezeigt werden, sind bisher fast alle in Privatbesitz. Möglicherweise bietet sich nach der Ausstellung in Münnerstadt die Gelegenheit, die Gegenstände an anderem Ort zu einer Dauerausstellung zu kombinieren", erklärt Scholl. In Münnerstadt wird auf jeden Fall einiges geboten werden. Nicht nur originale Drehbänke aus verschiedenen Epochen werden das Drechslerhandwerk illustrieren - auch Werkzeuge werden in ihren wichtigen Entwicklungsschritten vorgestellt und durch entsprechende Bilder und Texte ergänzt. "Da wir nicht alle Entwicklungsschritte an historischen Objekten zeigen können, verwenden wir auch die entsprechenden Abbildungen", erklärt Andreas Scholl. So wird in den "Nürnberger Hausbüchern", die als umfangreichste und wertvollste serielle Bildquelle zum historischen Handwerk in Europa zählen, auch der Beruf des Drechslers beschrieben. "Anhand der hier abgebildeten Handwerkszeuge kann man gut erkennen, wie sich der Beruf entwickelt hat", erklärt Scholl fachkundig, der sich intensiv auch mit der Geschichte des Drechslerhandwerks befasst hat.


Wenig historische Quellen

Dabei macht ihm etwas zu schaffen, dass es über das Drechslerhandwerk sehr wenig historische Quellen gibt. "Diese sind sehr verstreut, und auch die Werkzeuge wurden natürlich nicht oder kaum überliefert", erklärt der Hobbydrechsler. Das sei ganz normal: Das Wissen ging vom Meister auf den sich in der Ausbildung befindenden Drechsler über, aufgeschrieben wurde hier so gut wie nichts. Und die Werkzeuge wurden so lange geschliffen, bis man sie zum Arbeiten nicht mehr gebrauchen konnte. Das bedeutete, dass sie wieder eingeschmolzen wurden. "Sich hier ein Bild zu machen, ähnelt ein wenig einer Schnitzeljagd - ist aber auch immer wieder spannend, wenn man etwas Neues herausfindet", weiß Scholl aus Erfahrung.


Altes Handwerk

Historisch gesehen ist die Drechslerei wohl mit eines der ältesten Handwerke. Bereits im Jahr 1500 vor Christus benutzten die alten Ägypter nachweislich Drechselbänke, wie an Wandbildern in Pyramiden überliefert ist. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass schon weit vorher sich die Menschen Fiedelbohrer zunutze machten, in die sie Werkstücke einspannten. Denn zu drechseln stellt im Gegensatz zum Schnitzen eine erhebliche Zeitersparnis dar, wenn man runde Werkstücke anfertigen will.
Ob Stuhlbeine, Kerzenständer oder Kunstgegenstände sowie Spielsachen - es gibt wenig, was man beim Drechseln mit der entsprechenden Kunstfertigkeit nicht herstellen könnte. Aber noch einen anderen Aspekt hat das Drechseln, weshalb es für Hobbyisten äußerst interessant ist. "Es ist unglaublich entspannend und hilft dabei, Stress abzubauen", weiß Scholl zu berichten, der seit mittlerweile 35 Jahren diesem faszinierenden Hobby nachgeht. Schon von klein auf hat er gemeinsam mit seinem Vater die Drechslerwerkstätten aufgesucht, von Anfang an war er von diesem ganz besonderen Handwerk fasziniert. Sein Wissen und Können gibt er regelmäßig in Kursen, unter anderem an der Volkshochschule, weiter.


Dreiländer-Drechsler-Treff

Über die Jahre hat sich so auch der Dreiländer-Drechsler-Treff (DDT) etabliert. Regelmäßig treffen sich hier seit Ende 2008 die Hobbydrechsler in Bad Neustadt, um sich über ihr Hobby auszutauschen und fachzusimpeln. Und nun helfen sie auch zusammen, um die Ausstellung in Münnerstadt aufzubauen, die interessante Einblicke in die Geschichte der Drechslerei geben wird.


Kurs für Kinder

Doch noch mehr wird geboten: So wird es einen Kinderdrechselkurs geben, im Juli wird bei einem Schmiede-Wochenende gezeigt, wie die Werkzeuge eines Drechslers geschmiedet, geschärft und gehärtet werden. Im Rahmen des Ferienprogramms des Henneberg-Museums werden interessierte kleine Entdecker außerdem sehen, wie man Wolle spinnt und sie webt, natürlich dürfen sie dies auch selbst einmal ausprobieren. So soll gezeigt werden, wie wichtig das Handwerk war und ist.
"Wir freuen uns schon sehr auf die Ausstellung, die das Drechslerhandwerk in den Fokus rückt", ist Museumsleiter Björn Hein begeistert.
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 10. Juli, um 15 Uhr in den Galerieräumen im Deutschordensschloss. Bis einschließlich 31. August kann die Ausstellung besucht werden, und zwar freitags von 13 bis 16 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr.