Nadeem Sukkarie will unbedingt. Er will Deutsch lernen und er will arbeiten.Warum nicht Beides miteinander verbinden? Im Münnerstädter Altstadtcafé bekam er seine Chance. "Am Mittwoch komme ich nach der Schule her, und am Sonntag arbeite ich den ganzen Tag", sagt er. Zunächst als Praktikant eingestellt, ist er mittlerweile auf 450-Euro-Basis beschäftigt. "Es ist sehr schön für mich, ich muss deutsch sprechen", meint er. Und er weiß auch schon genau, wohin ihn der Weg weiter führen soll. "Ich suche eine Ausbildung zur Hotelfachkraft." Denn im Februar wird er mit der Sprachschule in Bad Kissingen fertig sein.


Trommeltruppe gegründet

Uschi Klicha, die Chefin im Altstadtcafé, kennt Nadeem Sukkarie schon etwas länger. Er und seine Eltern, Rhula und Abdala Sukkarie, haben nach der Anerkennung Wohnungen nahe dem Stenyer Platz gefunden. Nadeem Sukkarie beherrscht die Darbuka, die syrische Trommel. Inzwischen bring er das Spielen des Instruments einer kleinen Gruppe von Münnerstädter Frauen bei, zu denen unter anderem auch Uschi Klicha gehört.
Bei einem dieser Treffen hat der Syrier dann gefragt, ob er nicht ein wenig helfen könnte im Altstadtcafé, als Praktikant.
"Er hat ein Praktikum gewollt, um die Sprache zu lernen", sagt Willi Michel, Leiter des Betreuungsdienstes, zu dem auch das Altstadtcafé gehört. "Wir sind ja ein Integrations-café", erinnert er. Normalerweise zwar für Sucht- und psychisch Kranke, aber Willi Michel sah keinen Grund, es nicht mit Nadeem zu probieren. "Jetzt sind wir Integrationscafé im doppelten Sinne." Willi Michel hat die Entscheidung nicht bereut.
"Er war immer pünktlich, immer freundlich, wir waren total zufrieden mit ihm", lobt Uschi Klicha. Und so wurde aus dem Praktikum eine 450-Euro-Stelle.
Weil er und seine Familie in Münnerstadt so gut aufgenommen worden sind, wollten sie auch einmal etwas zurückgeben, bei dem die Münnerstädter dazu noch die syrische Kultur besser kennen lernen können. So entstand die Idee, einen syrischen Abend durchzuführen.
Und der hatte es in sich. "Nadeem hat die ganze Verwandtschaft mitgebracht", erzählt Uschi Klicha. Im Innenhof wurde ein riesigen Buffet aufgebaut. Die Trommeltruppe trat auf und Rhula Sukkarie hat traditionelle syrische Tänze aufgeführt. "Es war eine ganz entspannte Atmosphäre, es hat einfach Spaß gemacht", sagt die Chefin. Die zahlreichen Gäste hatten einzig durch Mundpropaganda vom syrischen Abend erfahren.
"Es war viel Arbeit, aber es war sehr schön, weil die Leute froh waren", sagt Nadeem Sukkarie. "Und wenn die Leute froh sind, sind wir auch froh."
Bei so viel Erfolg, könnte es doch einmal wieder einen syrischen Abend geben. "Ich hoffe", sagt Nadeem. "Im nächsten Jahr", fügt Uschi Klicha hinzu. Dann hat Nadeem vielleicht schon eine Ausbildungsstelle. Die Verantwortlichen im Altstadtcafé würden sich zusammen mit Nadeem Sukkarie sehr darüber freuen.