Überspitzen, übertreiben und damit den Kern der Sache treffen - wenn Satire das kann, ist sie gut. Noch besser ist sie, wenn es dem Publikum gefällt und während der Pause angefangen wird, darüber zu diskutieren. Genau so begeisterte das Polit- und Gesellschaftskabarett die Besucher in der Festhalle von Thundorf. Der einzige Wermutstropfen des Abends: "Es hätten mehr Besucher sein können", sagte Organisator und stellvertretender Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, Anton Bauernschubert.

Nach den Auftaktworten des Vorsitzenden Johannes Imhäuser, starteten Wolfgang und Silvia Klösel aus Stockheim in der Rhön mit dem Lied "Wir kommen aus dem Rhöner Land, durch Funk und Fernsehen sind wir bekannt" in ihr Programm "Deutschland - Achtung Baustelle". In den folgenden zwei Stunden zeigten die Künstler köstliche Mimik und Gestik. "Eine neue schöne Halle habt ihr hier in Thundorf, die steht ganz im Kontrast zum Publikum", sagte gleich zu Beginn Edgar und sorgte für die ersten Lacher, ehe das Paar seine Gäste mit in sein beschauliches Heimatdorf Stockheim mitnahm, "wo die Welt noch in Ordnung ist".


Küchenschürze und Hosenträger

Die Inszenierung ähnelt einem Muster, das schon zu Zeiten der Tetzlaffs das Fernsehpublikum in seinen Bann zog. Ein Ehepaar diskutiert am heimischen Küchentisch. Irmi mit Kopftuch und Küchenschürze, ist dabei eher auf das fixiert, was in der Nachbarschaft bei den Schürmanns passiert. Ehemann Edgar schiebt ein kleines Bäuchlein vor sich her und analysiert das Geschehen in der lokalen und großen Politik, mehr oder weniger modisch gekleidet mit Hosenträgern und einem "Rhönhilde" -T- Shirt. Sichtlich bemüht saß Irmi dementsprechend am Küchentisch und übte mit ihrer Blockflöte für "Deutschland sucht den Superstar". "Aufgrund der Rentnerschwemme wird das Ganze nämlich auch für Rentner umgesetzt", erklärte sie. Moderiert werde es von Marianne und Michael.


Fernsehen wie früher

Ganz andere Sorgen hatte hingegen Edgar. Ihm bereitete das Fernsehprogramm Kopfzerbrechen. "Heute gibt es doch gar keine Sendungen mit Tiefgang mehr." Zustimmung aus dem Publikum erntete Edgar, als er sich an seine Lieblingssendungen erinnerte: Lassie und Daktari mit Clarence, dem schielenden Löwen Dabei hätten die Sendungen von früher noch heute Einfluss: "Ohne Hop Sing, den chinesischen Koch aus Bonanza, gäbe es heute die ganzen Kochsendungen nicht."

Und auch Raumschiff Enterprise wünschte er sich zurück, denn dann könne man Chef-Ingenieur Scotty befehlen, so manchen Politiker ins All zu beamen. In gnadenloser Offenheit kamen menschliche, gesellschaftliche und politische Abgründe auf den Tisch. Sie widmeten sich dem nervenaufreibenden Shoppen bei Ikea, das Edgar als Deutschlands größtes Psychotherapiezentrum für Frauen bezeichnete, aber auch dem Kindermangel in Deutschland. "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen, auch wenn er aus der Hüfte kommt", fordert Edgar.

Fast alle bekannten Politiker bekamen ihr Fett weg. Hans-Christian Ströbele bezeichnete Edgar als Mutter Theresa der Grünen. Ob Alexander Dobrindt und seiner Pkw-Maut, die Fähigkeiten der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und, ganz aktuell, die Angst vor Überfremdung und Islamisierung des Abendlandes, nichts wurde ausgelassen. Selbst die katholischen Kirche bekam ordentlich ihr Fett ab.

Auf den Öko-Zug war Ehefrau Irmi aufgesprungen. "Mittagessen gibt es sofort nur noch jeden zweiten Tag. Auch wir müssen nämlich etwas für den Umweltschutz tun", informiert sie den vor einem leeren Teller sitzenden und verdutzten Ehemann. Auch das Auto, des Deutschen liebstes Kind wurde ausgiebig betrachtet. "Wer hat kein Navi im Auto? Ein Navi im Auto ist nämlich die erste Vorstufe zum betreuten Wohnen", lästerte Edgar, als nur wenige Hände im Publikum hochgingen.