Johannes Fries ist fest davon überzeugt, dass er den richtigen Schritt getan hat, als er vor einem halben Jahr die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger begonnen hat. An zwei Tagen in der Woche erhält er an der neuen Fachschule für Heilerziehungspflege die theoretischen Grundlagen für seinen künftigen Beruf. Seine bisherige Bilanz fällt sehr positiv aus. Beim Berufsinformationstag am BBZ berichtete er von seinen Erfahrungen.
Die praktische Ausbildung zum Heilerziehungspfleger absolviert der Aubstädter im Dominikus-Ringeisen-Werk in Maria Bildhausen. Zweimal wöchentlich kommt er nach Münnerstadt an die Schule. Dass es dieses Angebot jetzt am BBZ gibt, hat ihm die Berufswahl erleichtert. Er wüsste nicht, ob er es gemacht hätte, wenn der Unterricht in Würzburg oder noch weiter weg gewesen wäre, sagt Johannes Fries. Seine Ausbildung begeistert ihn. "Die Vielfalt ist so groß", sagt er. Momentan arbeitet Johannes Fries in der Seniorenbetreuung, will aber noch weitere Sparten kennen lernen. Wenn ihm jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass er einmal einen sozialen Beruf ausüben wird, hätte er das wohl nicht geglaubt. Doch jetzt habe er seinen Weg gefunden, meint Fries, der gleich nach der Schule zuerst eine Zimmermannslehre absolviert hatte.

Anspruchsvolle Theorie

Auch für die Nüdlingerin Janina Markert fiel der Entschluss, Heilerziehungspflegerin zu werden, weil es jetzt heimatnah die Fachschule gibt. Auch sie sagt, dass es "auf jeden Fall der richtige Schritt" für sie war. Die Praxis mache ihr riesigen Spaß. Die Schule findet sie "schon recht anspruchsvoll".
Doch es sind nicht nur junge Leute, die die neue Fachschule besuchen. Die Schule bietet auch für Männer und Frauen, die schon lange in sozialen Berufen arbeiten, die Möglichkeit, sich zu qualifzieren. Zu ihnen gehört die Münnerstädterin Simone Werner. Sie arbeitet bereits seit sieben Jahren im Haus Windsburg in Münnerstadt. Der Bezirk Unterfranken hat ihr die Möglichkeit eröffnet, berufsbegleitend zwei Tage pro Woche die Schulbank zu drücken. Es sei schon anstrengend, meint sie. "Aber es macht Spaß", ist ihr Resümee nach einem halben Jahr. Sie findet, dass es für Späteinsteiger eine gute Möglichkeit sei, sich fortzubilden. Das sieht auch Renate Schleichert so. Auch sie absolviert die Ausbildung berufsbegleitend und arbeitet weiterhin in der Lebenshilfe in Rhön-Grabfeld. Ihr Chef habe ihr das angeboten. Ohne die neue Fachschule hätte sie diesen Schritt wahrscheinlich nicht getan. Renate Schleichert ist mit 53 Jahren die älteste in der Klasse, fühlt sich aber sehr wohl.
Spannend war das erste halbe Schuljahr aber nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer. "Der Aufbau der Schule macht viel Spaß", betont Manuela Treuting. Die Klasse sei mit 18 Schülern überschaubar. In der Schule werde deutlich, wie vielfältig die Tätigkeiten als Heilerziehungspfleger seien. Das sei vielen Schülern vorher nicht so bewusst gewesen. Heilerziehungspfleger werden in vielen Bereichen gesucht. Die Schüler absolvieren ihre Praxis sowohl in Behinderteneinrichtungen, als auch in Kliniken und Kinderheimen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda habe sich mittlerweile herumgesprochen, dass es dieses neue Ausbildungsangebot am BBZ gibt, weiß die Fachbetreuerin. Sie hat für das kommende Schuljahr schon zahlreiche Interessenten. "Es kann sein, dass wir mehr Bewerber als Schulplätze haben", meint Manuela Treuting.
Matthias Guck betreut die Maria Bildhausener Auszubildenden der Heilerziehungspflege und unterstreicht die Bedeutung der neuen Fachschule für die Region. "Der Bedarf an Heilerziehungspflegern ist da", betont Guck und sieht die Ausbildung als eine Möglichkeit, dem drohenden Fachkräftemangel in der Region vorzubeugen. Wichtig und positiv seien jetzt die kurzen Wege zwischen Schule und Arbeit. Dadurch würde die Ausbildung bekannter und sicherlich auch attraktiver.