Im evangelischen Pfarrhaus in Münnerstadt haben die Pfarrer immer schon gearbeitet und gewohnt. Neben der Küche und dem Wohnraum befinden sich im Erdgeschoss das Amtszimmer und das Pfarrbüro. Die Pfarrersfamilien waren das gewöhnt, so auch die Pennigs in den vergangenen zehn Jahren. Doch Joachim Pennig wird der letzte Pfarrer sein, bei dem Familienleben und Arbeit Tür an Tür stattfinden. Wenn Pfarrer Joachim Pennig zum Jahreswechsel in den Ruhestand geht, wird umgebaut. Das Amtszimmer und das Pfarrsekretariat werden ausgelagert und ziehen um in das evangelische Gemeindehaus.
Es gibt zwei Gründe für diese Entscheidung: Zum einen habe sich das Pfarrerbild verändert, erklärt Wilhelm Schmitt vom evangelischen Kirchenvorstand. Schmitt ist Mitglied im Bauausschuss der Kirchengemeinde und eng eingebunden in die Planungen. Anders als früher soll es auch im Pfarrerberuf eine klarere Trennung zwischen Privatleben und Beruf geben. Das fängt beim Wohnen an. Ein weiterer Grund sind die Treppen im Pfarrhaus. Das Gebäude stammt vermutlich aus dem frühen 20. Jahrhundert - genau weiß das aber niemand - und entspricht im Bereich der Treppen nicht mehr den heutigen Anforderungen.


Suche nach Lösungen

Es musste eine Lösung gefunden werden, dass das Pfarrhaus trotz der Treppen weiterhin als Wohnraum genutzt werden kann. Die Überlegungen von den übergeordneten kirchlichen Stellen gingen sogar so weit, das Pfarrhaus einzureißen und im Kirchgarten neu aufzubauen. "Wir haben aber alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit es bleiben kann", betont Pfarrer Pennig. Geholfen hat beim Kampf um den Erhalt des Pfarrhauses auch ein Kirchenvorstandsbeschluss aus dem Jahr 1921. Der Blick von der Kirche auf die Stadt soll nie verbaut werden, hieß es daran. Das war der Wille einer großzügigen Spenderin. Dieser Wunsch hat bis heute Gültigkeit.


Nicht mehr zeitgemäß

Die Verlagerung der kirchlichen Verwaltung ins Gemeindehaus war die Lösung und ein Kompromiss, mit dem heute alle gut leben können. "Dieser ist gar nicht so schlecht", meint der Vertrauensmann der evangelischen Kirchengemeinde, Martin Fischer. Pfarrerswohnung und Pfarrbüro unter einem Dach sei nicht mehr zeitgemäß, weiß er.
Mit dieser Lösung gewinnt die evangelische Kirchengemeinde im Erdgeschoss des Pfarrhauses weitere Wohnräume, so dass das Pfarrhaus ohne zu aufwendige Umbauarbeiten als Pfarrerswohnung genutzt werden kann, denn schon im Erdgeschoss stehen durch die Verlagerung ausreichend Zimmer zur Verfügung. Das Dachgeschoss wird aus der Wohnnutzung herausgenommen. Das Pfarrbüro und das Amtszimmer werden künftig im Erdgeschoss des Gemeindehauses untergebracht. Dazu müssen kleinere Umbauarbeiten stattfinden. Der Platz ist aber vorhanden. Es geht hauptsächlich darum, einen großen Raum zu teilen.


Obligatorische Überprüfung

Die Planungen sind Teil einer sogenannten Baufallschätzung, die immer dann kommt, wenn ein Pfarrerwechsel ansteht, erläutert Wilhelm Schmitt. Dabei wird geprüft, welche Sanierungs- oder Renovierungsmaßnahmen vorgenommen werden müssen. "Gott sei Dank hat sich Pfarrer Pennig sehr früh gekümmert", betont Wilhelm Schmitt. So kann man die Vakanzzeit zwischen dem Weggang von Pfarrer Joachim Pennig und der Neubesetzung der Stelle nutzen, die nötigen Umbauten zu erledigen.
In den nächsten Wochen muss jetzt noch geprüft werden, ob zusätzlich energetische Verbesserungen im Pfarrhaus nötig sind. Mit der jetzt gefundenen Lösung sind die Mitglieder der Kirchengemeinde auch deshalb zufrieden, weil sie finanzierbar ist. "Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Anteil an der Finanzierung stemmen können", meint Wilhelm Schmitt. Wie hoch die Belastungen durch die Umbauten sein werden, lässt sich noch nicht sagen, weil letzte bauliche Überprüfungen noch ausstehen. Am 1. Januar beginnt die Vakanzzeit in Münnerstadt. Wie lange sie dauern wird, wissen die Gemeindemitglieder nicht. Sie hoffen, dass die Pfarrstelle schnell wieder besetzt werden kann. Deshalb sollen die Umbauarbeiten zügig beginnen.